Roger Water performed the Wall  am 18. Juni 2011 in der LTU Arena in Düsseldorf

Mein Onkel sagte zu mir, dass ich nicht zu Pink Floyd nach Dortmund gehen sollte. Die würden ja eh nur vom Computer Musik machen. Dieser Onkel verhinderte das Erlebnis meines ersten Konzertes. Ich spreche vom Jahr 1981. Wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, hätte ich damals die Chance gehabt, eine der 7 Inszenierungen in der Westfalenhalle mitzuverfolgen. Heute weiß man, dass Musiker auf der Bühne standen und nicht Computer. 30 Jahre! später (in Worten: dreißig!) kam Herr Waters mit der "the Wall" Show im Rahmen der Worldtour auch nach Düsseldorf in die LTU Arena. Das Dach war geschlossen und die Halle war mit 35000 Zuschauern ausverkauft. T-Shirt Preise um die € 35,-, ein Programmheft kostete schlappe € 25,- deuten auf eine eigentümliche Auslegung der nach außen hin propagierten sozialen Ader von Herrn Waters. In der siebten Reihe sitzend, hatte ich einen wunderbaren Sitzplatz. Allerdings hatte ich noch nie in meinem Leben so viel Geld für eine Eintrittskarte auf den Tisch gelegt. Vielleicht zahlt der Herr Herausgeber vom PNL ja noch den Eintritt. Aber ich befürchte, dass die Reaktion die selbe sein wird  wie beim ROS Fest: schallendes Gelächter. Um es vorweg zu nehmen. Jeder Cent wurde in Form einer phantastischen Show, einem wunderbaren Sounderlebnis und jeder Menge emotionalen Reichtums wiedergegeben. Und natürlich ist es unstrittig, dass diese Art Happening und Theaterstück eine Menge Kohle verschlingt.
Der Halleninnenraum war im hinteren Teil mit der Bühne zugebaut. Rechts und links waren Mauersteine fest als Leinwand hochgezogen. In der Mitte waren die Instrumente aufgebaut und es war nicht zu vermuten, dass die Mauer komplett die Musiker verdecken würde. Eine riesige runde Leinwand hing über der Bühnenmitte. Roger Waters schritt zu Beginn die Bühne ab und ließ sich feiern. Danach schlüpfte er in eine Uniform, welche einer Naziuniform angelehnt war. Die Soldaten, die seinen Einmarsch begleiteten, untermauerten diesen militärischen Zustand noch. Und dann ging es los! "In the flesh" eröffnete das Konzert, ein wahres Feuerwerk, im wahrsten Sinne des Wortes, wurde gezündet. Wahrscheinlich hat jeder Zuschauer statistisch gesehen eine Feuerwerksrakete zugeteilt bekommen. Den Absturz eines Fliegers hat man schon kaum mehr wahrgenommen, so schnell ging alles und brach über einem zusammen. Wow, das ging ja gut los.  Dass bei "the happiest days of our lives" ein Hubschrauber nach dem "Einen" suchte, versteht sich von selbst. Ab "another brick in the wall - Part 2" wurde dann auch angefangen, die Mitte zuzumauern. Also doch. Jeder "Mauerstein" bekam ein Gesicht aufgeschaltet, welches ein Kriegsopfer zeigte. Dabei wurden auch aktuelle Kriege einbezogen. Die übergroßen Puppen von Lehrer und übermächtiger Mutter fehlten ebenso wenig. Jetzt war spätestens klar, dies war die "the Wall" Show. Mit ein paar wenigen Modifikationen, aber zweifellos die Show von 1981. Meine emotionale Ader war angepiekst. Natürlich fehlte Herr Gilmour, aber die Herren Snowy White und Dave Kilminster lieferten ein großartiges Gitarrenspiel ab. Bei "run like hell" standen sie auf der Mauer. Aber ich greife vor. Wie schon bei der "in the flesh" Tour war sein Sohn Harry an der Hammondorgel und Jon Carin drückte die Tasten. Den zweiten Gesangspart übernahm Robbie Wyckoff. Insgesamt waren 12 Musiker und Sänger auf der Bühne. Drei von vier Lennon Brüdern sangen im Background. Sie kommen aus Kalifornien, nicht aus Liverpool. Auch hinter der Mauer war noch genug Platz, so stand sich wohl niemand im Weg. Die Lightshow ging auch hinter den Steinen immer weiter. Ein echter Livemusiker braucht wohl solch eine Kulisse, auch wenn keiner mehr zugucken kann.

Als der letzte Stein die Mauer vervollständigte, gab es nach "goodbye cruel world" eine kurze Pause. Danach wurde auch die Mitte der Mauer als Leinwand benutzt. Das berühmte Wohnzimmer in der Mauer war auch da und Herr Waters zelebrierte seine Einsamkeit. Und jetzt kam eben auch "run like hell". Sogar ein Schwein, mit Leuchtaugen, flog über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Dieses gehört zwar zur "Animals" Tour, ist seitdem aber fester Bestandteil der Pink Floyd Recken.

War die Showinszenierung wichtiger Teil des Gesamtkunstwerks, kam die Musik allerdings nie zu kurz. Trotz Pyrotechnik, Monsterpuppen, Riesenmauer und visueller Bilderflut hatte die Musik ihren Platz. Ist für uns mittelalte Mitteleuropäer die Problematik des Krieges auch weit weg, so hat die Problematik der sozialen Vereinsamung nichts an Aktualität verloren. Die ganze Inszenierung dauerte 2,5 Stunden. Dann fiel die Mauer zusammen und Pink wurde geläutert. Natürlich gab es keine Zugabe. Nach einer phantastischen "the Wall" Performance war Schluss. Mehr brauchte auch niemand, denn dieses Live-Erlebnis musste man verarbeiten. Von solchen Aufführungen könnte die Welt wirklich noch mehr gebrauchen.