CRUISE TO THE EDGE - Progressive Musikkreuzfahrt vom 07. bis zum 12. April 2014

Erster Tag - Embarkation in Miami

Ein billiges Vergnügen ist die ´Cruise to the Edge` natürlich nicht. Für Sparfüchse war aber etwas möglich. So war ein preiswerter Flug über Amsterdam schon für ca. 550 € zu haben. Mit einem Shuttlebus ging es kostenlos zum Bootsanleger. Mit einem Kumpel zusammen konnte man sich eine Innenkabine für unter 800 € pro Person teilen. Mahlzeiten und Konzertbesuche inklusive. Das ESTA, die Auskunft für die USA, kostete bei Drucklegung 10 €. Mit einem Gutscheinpaket für 150 € durfte man 50 Getränke zu sich nehmen. Mit einem Kumpel hatte ich eine Außenkabine, in der die Fenster nicht zu öffnen waren. Ich hatte mir die Innenkabine angesehen und muss ganz ehrlich sagen, diese Alternative wäre nicht die schlechteste gewesen, war man die meiste Zeit doch an Bord unterwegs. Außerdem sind die Betten auseinander zu schieben. Ich kann Interessierten raten, sich dies für 2015 vorzunehmen. Denn mehr Prog mit guter Akustik und Nähe zu Musikern geht nicht. Man kam gar nicht daran vorbei, ab und an neben einem seiner Lieblingsmusiker zu stehen. So groß die MSC Divina auch ist, es liefen bekannte Musiker an einem vorbei. Steve Hogarth, Chris Squire und Alan White waren zum Greifen nah. Die Musiker von Moon Safari tummelten sich am Pool. Und das alles schon am ersten Tag. Das Schiff machte einen sehr sauberen, aufgeräumten Eindruck. Wenn man bedenkt, dass vorher ´Monsters of Rock` und die ´Moody Blues Cruise` an Bord waren, könnte der Gedanke an beschädigtem Interieur aufkommen. Ein Techniker meinte dazu nur, dass sich das Publikum nicht geändert hätte. In der ersten Woche wären nur viel mehr Tätowierungen zu sehen gewesen. Es gab einige, die ´the Moody Blues Cruise` mitgemacht hatten, allerdings keinen, der auch auf ´Monsters of Rock` war. In jeder Bar, oder Lounge, waren Bühnen aufgebaut. Durch die Größe des Schiffes, immerhin 333 Meter lang und fast 38 Meter breit, war eine Orientierung manchmal mühsam. Auf Deck 14 und 15 konnte man auf die Pool-Stage gucken, in den Decks 6 und 7 waren dann die anderen Musikbühnen aufgestellt. Von hier kam man auch in das Pantheon-Theatre, ein Veranstaltungsraum mit 1600 Sitzplätzen. Eigentlich sollten Saga zum Auslaufen aus dem Hafen von Miami auf der Pool-Stage aufspielen und damit die ´Cruise to the Edge`  2014 eröffnen. Zu dieser Zeit lag man aber noch im Hafen von Miami. Bei schönstem Wetter war das ein besonderes Erlebnis und machte auch nichts aus, da es die Kanadier verstanden, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Kurz darauf füllte sich das Pantheon-Theatre mit den Zuschauern, die zur Blauen Gruppe gehörten. Das Organisationsteam teilte das Publikum in 2 Gruppen ein. In die blaue und in die pinkfarbene Gruppe. Dies ermöglichte jedem Gast, die Headliner einmal zu sehen. Heute spielte Steve Hackett mit seiner Band auf. Der EMPIRE Redakteur schaffte es, obwohl der pinken Gruppe zugehörig, in den Saal. Den Trick verrate ich erst auf persönliche Nachfrage. Ich war mir allerdings sicher, heute wäre unsere Gruppe dran, daher war ich ahnungslos, dass ich mich rein mogelte. Der Set begann mit ´Firth Of Fifth` und endete mit ´Los Endos`. Genauso kurz kann ich die anderen Stücke zusammen fassen. Genesis at its best! Als Highlight wurde ´Supper`s Ready` voll ausgespielt. Danach musste der EMPIRE Redakteur etwas essen. Die Aussicht aus dem Restaurant war phantastisch, da wir nun erstens auf dem Meer waren, und zweitens die Fensterfront im großen Restaurant voll verglast ist. Zum Glück verspäteten sich PFM, sonst hätte ich den Anfang ganz sicher verpasst. Aber was Wunder, es sind ja Italiener. Auch sie suchten den gefälligen Weg und spielten Hits aus ihrem reichhaltigen Portfolio. Mit ´Romeo E Giulietta` führten sie ein Stück ihres aktuellen Outputs auf. Und das ohne Orchestra. Das Auditorium war restlos begeistert. Die Gruppe schaffte es, eine magische Stimmung zwischen sich und dem Publikum aufzubauen. Der Gig von Sound of Contact auf der Pool-Stage fiel leider dem Wetter zum Opfer. Denn plötzlich regnete es und Sturmböen machten einen Auftritt unmöglich.

 

Tag Zwei - auf See

Am heutigen Dienstag ging es Schlag auf Schlag. Presto Ballet wurde auch Opfer auf dem Pooldeck, da es einfach immer noch zu windig war. Begonnen wurde mit Gruppenvorstellungen. Ab 13 Uhr riefen Saga, Queensrÿche, Moon Safari, PFM, Pamela Moore, IO Earth und Soft Machine zum ´Meet And Greet`. Bei dem großen Andrang blieb allerdings nur Zeit für ein kurzes Gruppenfoto, da man durch Ordnungskräfte sehr bestimmt zügig durch die Lounge durchgeschleust wurde. Im Pantheon-Theatre spielten Renaissance auf. Der Saal war ziemlich gut gefüllt. Die Gruppe scheint in Amerika gut anzukommen. Alan White, ja genau der Alan White, erzählte EMPIRE dann beim Smalltalk, dass die MSC Divina 2 Tage in Cozumel bleiben würde, da ein Anlaufen von Honduras aufgrund eines starken Sturmes nicht möglich sei. Für alle, die Angst vor der Seekrankheit haben, hier eine kleine Anmerkung: das Meer war sehr unruhig. Allerdings ist das Schiff so riesig, dass man zwar merkt, dass man nicht an Land ist, aber Schaukeln geht anders. Da der Kapitän nun langsamer fahren lassen konnte, merkte man an die Bordwand schlagende Wellen, da keine Wasserverdrängung stattfand. Abends hatte sich soweit alles beruhigt, sodass Queensrÿche auf der Pool-Stage abrocken konnten. Direkt im Anschluss spielten YES im großen Saal auf. In knapp 2 Stunden wurden die Alben ´YES-Album` und ´Close To The Edge` ausgespielt. Die alten Herrschaften hätten auch länger spielen können, soviel Freude machte ihnen der Auftritt.

 

Tag Drei - Cozumel, Mexiko

Um 8 Uhr gab es das Anlegemanöver im Hafen von Cozumel. Viele blieben an Deck, um sich das Nachholkonzert von Sound of Contact anzuhören. Bei tollem Wetter waren viele Liegen auf dem Pool-Deck besetzt, während die Truppe um Simon Collins ihre aktuelle Platte spielte. Herr Collins trat übrigens in einer Art Astronautenanzug auf. Danach brauchte er nicht mehr schwimmen gehen, da er bestimmt im Wasser stand. Roger Dean gab neben seiner Galerie eine Audienz in der Galaxy-Disco. Es wurden Fragen von ihm beantwortet und auch ein wenig gemalt. Um 17 Uhr spielten UK im Pantheon auf. Fotografieren war bei Strafe verboten. Kiel holen garantiert! Am Anfang war ich sauer, muss aber zugeben, so die Musik intensiver genossen zu haben. Den Grund erklärte mir Eddie Jobson 2 Tage später. Die Antwort auf meine eine Frage dauerte gut und gerne mehr als 10 Minuten. Bei der Ausschiffung trafen wir uns wieder. Er war mit seiner Frau im selben Aufzug und sagte ihr, dass ich der Mann sei, dem er sein Leben erzählt hätte. Der Gig war absolut begnadet. Die Überraschung dieser Cruise! Die Stimme von John Wetton war absolut ausdrucksstark, das Drum vom Australier Virgil Donati ging druckvoll nach vorne. Eddie Jobson umgab sich mit einer gewissen Aura. Sein Frack mit Stehkragen und Sonnenbrille zu grauer Mähne unterstützte dies. Ein echter Hingucker war seine durchsichtige Geige. Mal war sie Gelb, mal Grün beleuchtet. Störend empfand ich nur, dass keine Kommunikation stattfand. Weder unter den Musikern, noch mit dem Publikum. Das Logo auf der Leinwand war ´UK`. Es wurde nicht einmal verändert. Wen wundert es jetzt noch, dass die Lightshow recht spärlich ausfiel?  In der Black and White-Lounge spielten ab 20:45 Uhr unsere schwedischen Freunde von Moon Safari. George Roldan, der sympathische Organisator vom ROS-Fest war auch da. Er verriet mir allerdings noch nichts zum Rites of Spring Festival 2015. Was Wunder, das Festival 2014 steht ja noch an. Das Konzert verlief wie immer. Das Publikum brauchte ein wenig, aber dann hatten die 6 Musiker auch diese Nuss geknackt und ein frenetischer Applaus nach jedem Lied war sicher. Die japanische Combo Electric Asturias war in dieser Lounge dann die nächste Band. Am Pool spielten The Pineapple Thiefs auf. In jeder Bar spielte eine Band. Ein echtes Musikschiff eben.

 

Tag Vier - Cozumel, Mexiko

Am Donnerstag ging es erst am Nachmittag richtig zur Sache. Steve Hackett spielte den Gig für die pinke Gruppe im Pantheon-Theatre. Was für ein Highlight. Er holte bei ´Firth Of Fifth`  John Wetton auf die Bühne. Im letzten Teil von ´Supper`s Ready` sang Simon Collins mit Nad Sylvan im Duett. Und beim finalen Stück mischte dann Chris Squire den Bass auf. Zwischendurch dachte ich, jetzt übertreibt er es aber mit seinem Bass. Das ging wohl mehreren so. Selbst den Musikern auf der Bühne fiel das auf. Allerdings war es nicht Herr Squire, der den Saal mit Bass versorgte, sondern die Schiffsdiesel im Rückwärtsgang, da wir wieder ablegten. Heute gab es leider ein Opfer. Bei all den Überschneidungen entging mir Tangerine Dream. In der Black and White-Lounge gaben sich the Strawbs die Ehre. Die Vocals waren für mich allerdings so schlecht, dass ich mir eine Alternative suchte. Aber das war natürlich kein Problem. In der Golden-Lounge spielten Cheap Thrill auf. Sie rockten the Boat mit kernigem Hard Rock. Und dann gab es noch einen Höhepunkt. Marillion spielten im großen Theater auf. Steve Hogarth hatte die Menge so richtig im Griff. Seine Bühnenpräsenz war bisher das Beste, was geboten wurde. Eine echte Bühnenbombe! Immer explosiv. Er spielte mit dem Publikum, er wälzte sich am Boden, er stachelte seine Mitstreiter an. So geht Showbiz!

 

Tag Fünf - auf See

Am heutigen Freitag ging es wieder in Richtung Florida und daher wurden die Uhren wieder eine Stunde vorgestellt. Auf der täglichen Veranstaltungsliste standen heute 27! Programmpunkte. Die meisten davon waren allerdings Storyteller, also Fragestunden. Roger Dean belegte das Pantheon-Theatre am Morgen für seine interessanten Ausführungen. Marillion wurden am Pooldeck interviewt, später dann YES an selber Stelle. Diese gaben in der Black and White-Lounge dann noch einen Storyteller für VIP-Gäste. Solche Passagiere, die ein Paket gebucht hatten, in dem feste Plätze in den vorderen Reihen und sonstige kleine Vergünstigungen enthalten waren. So auch diese Veranstaltung. Die Fragen waren halt Fragen für Fans. "Wann kommt die neue Scheibe?", oder auch "Ist es toll für dich, in dieser Band zu singen?" wurde etwa Jon Davison gefragt, usw. Tangerine Dream verspäteten sich um 45 Minuten. Das Warten hatte sich aber gelohnt. Dieser Auftritt war richtig gut. Die 3 Gastmusikerinnen Linda Spa, Iris Camaa und Hoshiko Yamane tun dem Duo Edgar Froese und Thorsten Quaeschning richtig gut. Sie brachten viel Verve dazu. Die Lasershow war State of the Art und das genialste, was ich in diesem Bereich bisher gesehen habe. Auf der Pool-Stage hatten dann Moon Safari den letzten Auftritt. Es war ein umjubelter Auftritt und das Publikum wollte eine Zugabe. Alleine die Roadies verhinderten dies. Im Pantheon-Theatre spielten Marillion für die blaue Gruppe auf, aber das Event war damit eigentlich schon vorbei. 

 

Der Tag Sechs beinhaltete nur noch das Ausschiffen in Miami. Wie schon berichtet traf ich nochmals kurz auf Eddie Jobson und dann war diese interessante, anstrengende Reise zu Ende. Viele Eindrücke, nette Gespräche mit Fans und "normalen" Stars machen diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.