Der Kellerraum des MTC mitten im Quartier Latäng auf der Zülpicher Straße ist wunderbar antiquiert in Schwarz gestrichen. Da der Schuppen sich im Studentenviertel befindet, gehört das wahrscheinlich so. Unser CHF schwelgte vorab jedenfalls in Erinnerungen an seine Studentenzeit, die schon 15 Jahre zurück liegt. Bis ihn seine bezaubernde Partnerin leicht um 10 Jahre berichtigte. Dies erklärte auch, warum das Publikum im Altersdurchschnitt nicht unter die 30 kam. Oder habe ich mich da auch um 10 Jahre vertan? Zu Konzertbeginn von Any Colour befanden sich ca. 35 zahlende Fans in der ungefähr 40 Meter langen und 8 Meter breiten Höhle. Der Eintritt für eine Pink Floyd Coverband betrug geschlagene 6 Euro. Für Brit Floyd im November 2015 liegt mir eine Karte für 65,90 Euro vor. Natürlich haben Brit Floyd eine ziemlich aufwändige Bühnenshow, die im MTC alleine wegen der Größe und Höhe der Bühne nicht möglich ist.

Grundsätzlich geht es ja ganz primär um die Musik. Und da mussten Any Colour beweisen, ob sie in der Lage sind Pink Floyd würdig zu vertreten. Die sechs Mann umfassende Stammformation hatte auf jeden Fall ein Platzproblem. Slapstick kam fast auf, als sich der Saxophonist Sebastian Siebel einen Weg auf die Bühne bahnen wollte. Gegen 21 Uhr begann der Gig mit vier Songs aus dem Doppelalbum The Wall. Alles andere als leichte Kost. Any Colour meisterten dies allerdings souverän. Der Hubschrauber in der Anfangssequenz von Another Brick In The Wall (Part 2) wurde nicht etwa von Band eingespielt, sondern kurzerhand durch Gitarre und Keyboard interpretiert. GGS! Ganz großer Sport! Wie eigentlich alles, was diese Combo aus dem Raum Köln in knapp 2,5 Stunden auf der Bühne abfackelten. Jürgen Brings am Bass, bitte nicht mit einem Gruppenmitglied der gleichnamigen Kölschrockkarnevalformation verwechseln, Mark Großer am Schlagzeug und Uli Schmidt als Sänger lieferten astreine Pink Floyd Musik ab. Hervorzuheben sind auf jeden Fall die zwei Gitarristen Christoph Henn und Jan Matthes, die den Soundteppich fast perfekt suggerierten. Einziger kleiner Schönheitsfehler im Gefüge war ein Klappern vom Schlagwerker Mark Großer. Beim dritten Mal Kokosnussgeklapper wurde es langweilig. Vom Keyboarder Eckart Hildebrand kamen tolle Klangteppiche á la Rick Wright. Natürlich war das Keyboardspiel sehr wichtig und hat viele wunderbare Klänge produziert. Und dann gab es noch Sebastian. Mit seinem Saxophon verzauberte er die Zuschauer. Das produzierte viele bewundernde Gemütsäußerungen. 

Die Lautstärke war grenzwertig, allerdings verträgt die Musik dies. Ab und an war die PA aber nahe an der Verzweiflung und produzierte Geräusche, die nicht von der Instrumentierung kam. Timo Brings am Mischpult (SAE-geschulter Sohn des Bassisten) erkannte diese Störungen aber direkt und griff kurzerhand ein, ehe es unangenehm wurde. Diesem gehört auch ein großes Kompliment, da er den Sound klasse abmischte.

Die Zugabe wurde ohne große Pause nahtlos angesetzt. Dies brachte die Band im Anschluss in Verlegenheit. Die paar Mann Publikum forderten vehement und lautstark eine Zugabe. Zeit war noch vorhanden. Alleine es fehlte ein eingeübter Song. Man entschloss sich dazu abermals Money zu spielen. Das war eine wunderbare Entscheidung. Jetzt wusste jeder, danach kommt nichts mehr und die Band hat diesen Klassiker wunderbar vorgetragen.
Als Fazit kann man festhalten, dass Any Colour Spaß auf die Bühne brachte. Hier spielten Männer Pink Floyd Musik nahe am Original. Das für ganze 6 Euro Eintritt. Für die Band rührt Betreutes Proggen gerne die Werbetrommel. Wer eine tolle Pink-Floyd-Coverband für seinen Veranstaltungsraum oder einem Festival braucht, sollte nicht zögern mit dieser Combo Kontakt aufzunehmen. Und wer die Chance hat, sich dies als Gast anzuhören, wird sich über die nahe am Original gespielte Reproduktion wundern und erfreuen.

 

 

Playlist:

The Wall:

- In The Flesh?
- The Thin Ice

- The Happiest Days Of Our Lives

- Another Brick In The Wall (Part 2)

- Young Lust

- Hey You

- Coming Back To Life

- Shine On You Crazy Diamond

- Sorrow

The Dark Side Of The Moon

- Speak To Me / Breathe

- On The Run

- Time / Breathe Reprise

- Money

- Us And Them

- Any Colour You Like

- Brain Damage, Eclipse

Zugaben

- Wish You Were Here

- Comfortably Numb

- Money

 

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