Bäd Honnef und Any Colour bei Flammenwerth am 6. Mai 2016 auf der Insel Grafenwerth

Die Moderatorin Sigrid Haverkamp eröffnete mit einer Stunde Verspätung den musikalischen Teil am ersten Tag vom Inselfest "Flammenwerth" auf der Rhein-Insel Grafenwerth, bei Bad Honnef, bei Bonn. Über drei Tage erstreckte sich das Happening im Rahmen der Großveranstaltung "Rhein in Flammen", die insgesamt eine halbe Million Menschen angezogen hat. Bei traumhaften Wetter hatten sich die Zuschauer anfangs auf dem weitläufigen Gelände verteilt. Man sonnte sich, spielte Frisbee, oder lag einfach zu mehreren auf einer Decke und genoss den schönen Tag. Da kam der Opener vielleicht dann doch zu früh. Anfangs war eigentlich niemand im vorderen Bereich an der Bühne, was die erste Gruppe wahrlich nicht verdient hatte. Wenn eine Band aus Bad Honnef sich Bäd Honnef nennt, erwartet man sicherlich nicht den Bürgermeister am Keyboard und als Sänger. Aber genau so verhält es sich hier! Die fünf Musiker - namentlich Otto Neuhoff an Keyboards und Vocals, Burkhard Franke und Wolfgang Diehl an der Gitarre, Alfred Lohbeck zauberte am Bass und Uli Hanfeld bearbeitete das Schlagwerk - heizten die Stimmung mit Stücken von Thin Lizzy, Led Zeppelin, Deep Purple sowie Cover-Versionen diverser weiterer Bands auf. Das Feld vor der Bühne füllte sich mit jedem Lied. Bei der Zugabe 'Knocking On Heavens Door' bat die Band auch den Organisator des Inselfestes Helge Kirscht und Sigrid Haverkamp mit auf die Bühne. Nach 90 Minuten guter Laune Blues und Rock holten sich "Bäd Honnef" ihren verdienten Applaus ab und gaben die Bühne für das Highlight des Abends frei.

Nach einer erfreulich kurzen Umbauphase begannen um ziemlich genau 22 Uhr Any Colour ihren Gig. Allerdings wurde die Pink Floyd-Coverband heute von dem Laser- und Lichtkünstler "KMC Conrad" unterstützt. Diesem kam der spätere Anfang sehr gelegen, mit jeder Minute Verschiebung wurde es dunkler, was ja bekanntlich Licht besser zur Geltung bringt. Um die tausend Zuhörer hatten sich jetzt im Areal eingefunden und bekamen einen spektakulären ersten Teil geboten. Sechs Stücke von dem Doppelalbum "The Wall" wurden zum Besten gegeben. Die bühneneigene Beleuchtung reichte für diese Veranstaltung schon locker aus. Tonact aus Wuppertal hatten die komplette Bühne mit Licht und Lautsprechern mitgebracht und hoch professionell aufgebaut. Diese Menschen im Hintergrund, ohne die diese Veranstaltung überhaupt nicht möglich gewesen wäre, verdienen wirklich den größten Respekt. Was das Aufbauteam um Sebastian Wacker dort leistete, können nur wahre Enthusiasten. Jetzt flackerten aber auch schon die Künste von Holger Conrad über den Köpfen der Zuhörer auf. Vier Laser begannen ihren Dienst. Im Zusammenspiel mit den farbigen "Cameo Pixbars" von Tonact, welche Christian Krommes bediente, wurden Symphonien in den Himmel gemalt. Waren die Männer von Bäd Honnef gut ausgeleuchtet (jedes Fotografenherz schlug Purzelbäume), wurde bei Any Colour weitestgehend darauf verzichtet. Das natürlich aus gutem Grund. Die Lichtshow sollte mit der Musik wirken. Und die Musiker um Jürgen Brings, der den Bass zupfte, leisteten hervorragende Arbeit: Mark Großer, der das Schlagzeug bearbeitete, Christoph Henn und Jan Matthes streichelten die Gitarren, Eckart Hildebrand zeigte den Tasteninstrumenten den richtigen Weg und Uli Schmidt trug die Vocals vor. Zur Band gehören noch Dirk Klein und Timo Brings, die den Sound mischten und für die Technik verantwortlich waren. Außerdem leisteten drei Nebelmaschinen Dienst und pusteten unaufhörlich Wolken in die Luft, damit die Laserstrahlen auch gesehen werden konnten.

Zweieinhalb Stunden standen "Any Colour" auf der Bühne. Musikalisch blieben sie nah am Original, was vom fachkundigen Publikum sehr gut angenommen wurde. Rau und ursprünglich wurden Pink Floyd wiedergegeben. "Dark Side Of The Moon" wurde fast vollständig zur Aufführung gebracht, ehe der Auftritt mit 'Sorrow' fulminant endete. Trotz der späten Uhrzeit gab es mit 'Wish You Were Here' und dem unvermeidlichem 'Comfortably Numb' noch einen wunderbaren Zugabenteil. Ein Mann im Publikum staunte unentwegt und sagte immer wieder: "Wahnsinn!". Wenn Pink Floyd oder eine heute tourende Coverband aus Australien oder Britannien natürlich noch einen technisch höheren Einsatz boten bzw. bieten, sollte man dennoch den Hut vor dieser Show ziehen. Die Veranstalter Helge Kirscht und Helga Ebel-Gerlach sahen sich gezwungen, einen freiwilligen Obolus von fünf Euro den Besuchern zu entlocken, damit die Show finanziert werden konnte. Was KMC mit den Lasern veranstaltete war Design auf höchstem Niveau. Ob Strahlen, ob Wellen, ob Trichter, hier wurde mit Farben gemalt, gezaubert und zum Träumen animiert. Psychedelische Sphären at it`s best! Da war jeder Euro gut angelegt. Nicht mehr alle Zuschauer blieben bis zum Ende, um das furiose Finale der Lasershow in sich aufzunehmen, da es einfach zu kalt wurde und erst gegen halb Eins zu Ende war. Die, die sich das komplette Konzert anguckten werden dies mit Sicherheit in guter Erinnerung halten. Die Bilder sprechen für sich und geben doch nicht im entferntesten die Größe des Augenblicks eines magischen Abends wider.

Playlist Bäd Honnef:

- Boys Are Back In Town
- It`s Still Rock'n'Roll To Me
- Diving Duck Blues
- Don´t Look Back In Anger
- Worried Life Blues
- Still Got The Blues
- Walking By Myself
- The Jack - Sharp Dressed Man
- Smoke On The Water
- Hootchie Cootchie Man
- Cocaine
- The Thrill Is Gone
- Too Tired
- I Shall Be Released
- Black Night
- Crossroads

Zugabe:

- Knockin' On Heavens Door


Playlist Any Colour:

- In The Flesh?
- The Thin Ice
- The Happiest Days Of Our Lives
- Another Brick In The Wall
- Young Lust
- Hey You
- What Do You Want From Me
- Coming Back To Life
- On The Turning Away
- Shine On You Crazy Diamond
- Welcome To The Machine
- Have A Cigar
- Speak To Me/Breath
- On The Run
- Time/Breath Reprise
- Money
- Us And Them
- Any Colour You Like
- Brain Damage
- Sorrow


Zugaben:

- Wish You Were Here
- Comfortably Numb


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