Moon Safari am 11. Mai 2016 im Club The Borderline, London

Das war eine richtig gute Idee von Moon Safari. Doch davon mehr im nächsten Absatz. Am 10.05.2106 hatten sie als Vorgruppe von Yes als Support in der Royal Albert Hall gespielt. Eigentlich sollten sie die ganze Europatour der Urgesteine des progressive Rock begleiten. Wegen der Länge des eigenen Auftritts, man spielte immerhin einen Gig über zweieinhalb Stunden, verzichtete YES auf die Vorgruppe. Bis auf eben einen Auftritt in der ehrwürdigen Royal Albert Hall. Diesen nutzten die sechs jungen Schweden aber eindrucksvoll. Mit den Stücken 'A Kid Called Panic', 'Emma (Come On)', 'Mega Moon' und 'Constant Bloom' erspielten sie sich innerhalb dreißig Minuten nach jedem Stück mehr Applaus. Wir gehen allerdings hier nicht weiter auf dieses anderenorts Homepage ausführlich gewürdigte Konzert ein und konzentrieren uns auf den Auftritt als Headliner im sympathischen Club.

                                                           Peter Jones ist Tiger Moth Tales
Peter Jones ist Tiger Moth Tales

Oben erwähnte gute Idee war, am nächsten Tag The Borderline zu entern und dort vor "ihren" Fans in London aufzutreten. Der Club liegt am Rande von Soho. Der musikalische Stadtteil wurde ja schon ausgiebig von Wolfram Ehrhardt in einem lesenswerten Reisebericht auf der Seite von Betreutes Proggen vorgestellt. Waren die Mitarbeiter betont freakig - die Türsteher sahen aus, wie aus einem Rocker-Chapter abgestellt - so war das Publikum wohltuend normal. Allerdings, das fiel doch auf, befanden sich unter den knapp 200 Zuschauern ziemlich viele Menschen der progressiven Babyboomer zwischen 1956 und 1970. Waren die Schweden gestern noch selber Vorgruppe, eröffnete ihren Auftritt heute die Band Tiger Moth Tales, die aus einem Musiker besteht. Was Peter Jones aus seinen Tasteninstrumenten holte, ließ aufhorchen. Ein richtiges britisches Pfund war aber seine Stimme. Diese deckt mehrere Oktaven ab. Er setzte ganz klar ein Ausrufezeichen. In einem Gespräch eröffnete er dann, dass er die nächste Tour von Camel als Keyboarder begleiten wird. Bei der Einspielung der neuen CD ist er auch dabei. Hier haben Moon Safari einen guten Riecher gehabt. Camel übrigens auch.

Kurz vor 21 Uhr betraten dann Moon Safari die Bühne und begannen mit 'A Kid Called Panic'. Von Anfang an hatten sie ein Heimspiel. Sogar Petter Sandströms Vater befand sich im Publikum, sowie mehrere Fans aus der ganzen Welt. Was wäre wohl aus der Melange aus fröhlichem Prog mit guten Stimmen in den 70er Jahren geworden? Mit 'Emma (Come On)' trugen sie auch hier ihr neues Stück vor. Da freut man sich wahrlich auf die nächste CD. Ab 'Mega Moon' kochte die Stimmung im Saal auf Höchsttemperatur. Mikael Israelsson übertraf sich heute an seiner Schlagbude und zerfetzte dabei mehrere Schlagstöcke. Das war kraftvoll und leidenschaftlich vorgetragen. Spätestens bei 'Barfly' brachen dann auch auf der Bühne alle Dämme. Petter Sandström kreiste so gut es in seinem kleinen Areal ging mit den Armen und gab die Frontsau. Recht ruhig stand Johan Westerlund in der linken hinteren Ecke. Allerdings erzitterte der Schuppen durch sein kraftvolles Bassspiel. Er braucht den Vergleich mit Großen der Branche wahrlich nicht scheuen. Highlight eines jeden MS-Konzertes sind aber sicherlich die mehrstimmigen Gesänge. Diese sind neben den wundervollen Arrangements das Markenzeichen der Formation. Simon Åkesson spielt nicht nur teuflisch gut die Tasten, er hat von allen sechs Bandmitgliedern auch die beste Stimme. Was für ein Shouter!

Eine Anekdote am Rande: der Berichterstatter wunderte sich über das viele grüne Licht im Haar einer Londonerin in der ersten Reihe. Bis dann auffiel, dass es ihre Haarfarbe war und nicht das Widerspiegeln der Scheinwerfer. Sie war definitiv jüngeren Datums.

Waren jetzt schon alle im The Borderline geschafft, starteten Moon Safari ein Finale sondergleichen. 'Heartland' und 'Crossed the Rubicon' beendeten den Hauptteil. Wer die Schweden kennt, weiß, dass niemals ein Konzert vor der Aufführung von 'Constant Bloom' endet. Laut Setlist wollten sie eigentlich 'Lover`s End Part III' zum Schluss spielen, überlegten es sich aber wohl im Laufe des Auftritt anders und gaben dies als erste Zugabe zum Besten. Knapp zwei Stunden dauerte die Show. Selten sah man Menschen so zufrieden aus einem Konzert gehen. Wenn sie überhaupt gingen. Man wollte sich noch mit den Männern fotografieren lassen, Autogramme holen, oder wie eine Londonerin es vormachte, mit ihnen ein Glas Wein trinken. Diesen hatte sie selber mitgebracht. So kann man nur hoffen, dass Moon Safari von Musikhörern bald als guter Wein wahrgenommen werden und die bisherige Lagerung im kühlen Keller (Nordschweden) ihrer Karriere gut

Moon Safari am Ende des Auftritts
Moon Safari am Ende des Auftritts

Surftipps:
Moon Safari
The Borderline

Tiger Moth Tales
Soho-Bericht von WE  

 

Setlist Moon Safari:
- A Kid Called Panic
- Emma (Come On)
- Too Young To Say Goodbye
- Mega Moon
- Barfly
- Ghost of Flowers Past
- Southern Belle
- Heartland
- Crossed the Rubicon

 

Zugaben:
- Lover's End Pt. III
- Constant Bloom

 

Setlist Tiger Moth Tales:
Tigers In The Butter
Story Tellers
Calling Her On (Red Bazar)
Spectral Mornings Excerpt (Steve Hackett)
For Absent Friends (Genesis)
Seven Stones (Genesis)
The Musical Box (Genesis)
The Merry Vicar
A Visit To Chigwick