2017 Artrock-Festival V in Reichenbach

 

Auf der Eintrittskarte stand Reichenbach-Neuberinhaus. Allerdings ist dies kein Stadtteil, sondern eine Theaterspielstätte in der Kreisstadt Reichenbach im Vogtland. Schon letztes Jahr wurde diese Halle gewählt. Sie ist wetterunabhängig und mit einer ausgezeichneten Technik ausgerüstet.

Die Stern-Combo-Meissen eröffnete fast pünktlich um 18 Uhr das Artrock-Festival 2017 in Reichenbach. Die Bühne wurde sehr eng, da das Symphonieorchester Leipzig dirigiert von Stephan König und der Wilandes Chor Wilsdruff, unter der Leitung von Helmar Federowski, die Band unterstützen. Es wurde das Opus Bilder einer Ausstellung zum Besten gegeben. Nicht mehr und nicht weniger! Die Zuschauer wohnten nicht nur einer Legende bei, sondern wurden Zeuge einer legendären Vorführung. Stephan König ließ es sich nicht nehmen selbst zwei Soli auf einem E-Piano zu spielen. Der Schlagwerker Frank Schirmer gab ein tolles Solo zum Besten, was allerdings in einer skurrilen Aufführung mit Rhythmus-Banane und sinnlosen Sprüchen endete. Kunst eben!(?) Die glockenklare Stimme von Manuel Schmidt bezauberte alle, inklusive Bürgermeister Raphael Kürzinger.

Wer selbst schon ein Konzert veranstaltet hat, weiß, dass eine halbe Stunde Umbauzeit sehr ambitioniert ist. Schlichtweg unmöglich ist das, wenn Orchester und Chor auf der Bühne standen. So verzögerten sich die nachfolgenden Konzerte zu diesem frühen Zeitpunkt schon um anderthalb Stunden. Der Wilandes Chor Wilsdruff ließ es sich nicht nehmen im Foyer aufzutreten und die Menschen mit tollen Gesängen zu unterhalten. Für Essen und Getränke wurde durch ein tolles, freundliches Team vom Bergkeller-Reichenbach gesorgt. Uwe Treitinger vom Bergkeller ist der Veranstalter der Artrock-Festival-Reihe. Drei Verkaufsstände mit CDs, LPs und sonstigen Tonträgern des Progressive-Rock mit allen Nebengenres hatten sich im Eingangsbereich breitgemacht und wurden am ersten Tag sehr gut frequentiert. Platz für die Bands vor und nach dem Konzert für Merchandise und Autogramme war auch vorhanden.

Blind Ego, mit der halben RPWL Besetzung, begannen dann um 21:30 Uhr. Für Kalle Wallner eine Art Heimspiel, da er bei allen vorangegangenen Artrock-Festivals mit an Bord war. Es gab nicht wenige Zuschauer, die nur wegen der Stern-Combo-Meissen gekommen waren. Sie wurden schnell überzeugt, dass hier gute Musiker am Werk waren. Die Qualität behielt Oberhand. Mit Sylvan wurde eine Band verpflichtet, die Melodiebögen mit rockigen Riffs paart. Als letzte Band trat Karnataka auf. Ich blieb nicht bis 1:30 Uhr, der Startzeit der Waliser. Auf Nachfragen befanden alle, die dabei waren, dass die Band einen guten Gig geliefert hat. Soundtechnisch war es wohl besser als in Zoetermeer im Februar.

 

Tag 2 wurde durch Jonas Reingold, u.a. Flower Kings, Agents Of Mercy, und Andy Bartosh, u.a. Karmakanic, eröffnet. Gefühlt drei Stunden Bassläufe mit akustischer Gitarre sind auf Dauer ziemlich anstrengend. Es waren dann laut Uwe, dem Organisator des Festivals, nur eine Stunde und acht Minuten. Die Musik war wunderschön, alleine ein wenig Punsh hätte dem Auftritt gutgetan. Mit Seven Steps To The Green Door, wer hat sich diesen sperrigen Namen einfallen lassen?, kam zum einen Lokalkolorit zurück und zum anderen wurde es wieder proggiger. Hatten sie schon beim letzten NotP-Festival auf der Loreley gefallen, übertrafen sie in Reichenbach alle Erwartungen. Allerdings zeigte sich hier das erste Mal ein kleiner Mangel beim Sound. Die drei Stimmen, immerhin ein zentraler Bestandteil der fast schon theatermässigen Aufführungen von SSTTGD, wurden zu leise abgemischt. Wann das Konzert vom Soundcheck in den Gig überging war nicht wirklich auszumachen. Hauptaugenmerk lag hier eindeutig auf dem Ausnahmewerk "TheBook". AnTon ist ein Projekt mit Jugendlichen mit Handycap. Toll, dass dieser Truppe eine Möglichkeit zum Auftritt gegeben wurde. Allerdings ließ ich auch diesen Auftritt aus und erkundete mit CHF Reichenbach. Obwohl Kreisstadt ist die Stadt mit Außengastronomie und Kneipen nicht üppig ausgestattet. Allerdings lohnt ein Besuch alleine wegen der tollen Villen und des wunderschönem Umland. Die Menschen sind alle sehr hilfsbereit und freundlich bis herzlich.

Mit Red Sand kam der nächste Höhepunkt des Festivals. Leider war das Neuberinhaus heute nicht so gut besucht. Wer den Auftritt der Kanadier miterleben durfte, war restlos begeistert. Diese an Marillion erinnernden Songs wurden durch eine ebenso nach Steve Rothery gefühlvoll singenden Gitarre hervorgehoben. Was danach passierte ist schon fast mit Körperverletzung zu betiteln. Bisher war der Sound vorzüglich, vom kurzen Einwand bei SSTTGD mal abgesehen. Wer auch immer den Sound bei Crystal Breed aus Hannover mischte gehört verklagt. Ein einziger Tonbrei waberte durch die Veranstaltungshalle. Mag Lautstärke bei einem Rock-Festival durchaus Anhänger haben, damit man den Kopf haedbangen kann, ist ein Progpublikum eher an der ganzheitlichen Musik interessiert. Als sich Uli Jon Roth später dazugesellte, wurde es nicht besser. Zwar wurden alte Scorpions-Stücke zum Besten gegeben, Spaß machte das nicht. Ein bekannter Progfestival-Fotograf zeigte der Technik den Vogel. Danach wurde es zwar etwas besser, nun konnte man die Stimme orten, aber die Instrumente durch Rückschall und Lärm nicht. Die Techniker von Chris Thompson machten es etwas besser. Auch sie hatten die Stimme erst im Raum verteilt, bekamen dieses Manko relativ fix in den Griff. Dieser Auftritt machte wieder Spaß. Chris Thompson ist halt ein Vollprofi und weiß genau, was das Publikum möchte. Die Earth-Band Klassiker fehlten natürlich nicht, ebenso wie sein für John Farnham geschriebener Welterfolg 'You`re The Voice'. Unterstützt wurde er durch die Mads Eriksen Band.

 

Tag 3 wurde durch Port Noir eröffnet. Die Schweden waren etwas lauter als Jonas Reingold am Tag vorher. Die Bühne wurde regelrecht gerockt und der Boden für die nächsten Kanadier bereitet, die extra nur für diesen Gig nach Reichenbach kamen. Selbst im Publikum fanden sich einige Fans, die diesen Auftritt von Mystery als ihr persönliches Highlight empfanden. Zwei Stunden wunderschöner Neo-Prog wurde zelebriert. Der letzte Festival-Tag war mit Highlights reichlich versehen. Mit den Franzosen Lazuli kam ein Schwergewicht des Prog auf die Bühne. Zwei Stunden zelebrierten sie ihre Musik, inclusive Léode und Einbeziehung des Publikums. Auch hier waren wieder viele Liebhaber der Band, die das Festival als Anlass nahmen die sympathischen Männer zu sehen. Das sollte mit den darauffolgenden Bands nicht anders sein. Pain Of Salvation aus Schweden stellten ihr neues Album vor. Die neue Härte und die Lautstärke gefiel nicht allen und so füllte sich das Foyer zusehend mit Konzertbesuchern, die aus der Halle herausströmten. Um 21:30 Uhr standen dann die Headliner aus Ungarn auf der Bühne: Omega. Ihr Hardrock schmeichelte das Rockherz. Manchmal war der Gesang nah am Schmalz, aber es passte halt zur Band. Gegen 23:30 Uhr war das  Artrock-Festival V in Reichenbach Geschichte. Uwe Treitinger kündigte allerdings schon an, dass Nummer VI für den 06. bis 08. April 2018 in Planung ist.

Fotogalerie von Andreas Tittmann

alle Fotos mit freundlicher Genehmigung durch Andreas Tittmann

Fotogalerie von Iris Winkler

alle Fotos mit freundlicher Genehmigung durch Iris Winkler