(79:16, MARTIGAN, 2008)

Man, also ich, versteht viele Dinge ja nicht. So zum Beispiel, warum eine Band wie Martigan nicht den großen musikalischen Erfolg hat. Ich war bei mehreren Konzerten dieser Band und wunderte mich immer, wie wenig Musikbegeisterte den Weg in die Locations fanden. Natürlich war das „Jaja“ in Hennef bis auf den letzten Platz gefüllt. Aber der Saal hatte die Ausmaße einer Sardinenbüchse. In der Kantine waren beide Male noch viele Quadratmeter frei. Dabei MUSS man doch diese Musik mögen. Und mit diesem Superlativ im Hinterkopf kam nun die neue Martigan CD „Vision“ auf meinen Tisch. Damit hat sie es natürlich sehr schwer, die Erwartungen zu erfüllen. Viele, viele Jahre hat sich die Band Zeit gelassen, ehe der Auswurf nun eintraf. Und dann kam das, womit man eigentlich nicht rechnet. Martigan machen genau da weiter, wo sie mit dem tollen Album „Man of the moment“ aufgehört hatten. Wunderbare Melodien, druckvoller Sound, wunderbarer Neoprog. Trotz über 79 Minuten Spielzeit ist kein Ausfall dabei. Im Gegenteil. Jeder Song ein typischer Martigan. Allein das erste Stück „boatman`s vision“ ist mit der aufgebauten Struktur und Spannung nicht zu überbieten. Dies ist mein Anspieltipp. Dauert auch nur 23:12 Minuten!
Man sollte sich den Anfang von „Snapshots“ mal auf der Hörmuschel zergehen lassen. Pink Floyd lässt grüßen. Großer Sport! „Touch in time“ ist von seinem Aufbau her ein großes Werk. Treibende Drums (Alex Bisch), Spannung erzeugende Keys (Oliver Rebhan), dreckige Gitarren Riffs (Björn Bisch). Und Kay Marckwordt shoutet mit Leidenschaft. In „much more“ geht es treibend nach vorne. Ein wunderbares Keyboard unterstützt die Drums. Kompliment an Oliver. „red and green“ ist für mich das beste Stück der Scheibe. So richtig zum grooven und träumen. Nach diesem über 10 minütigen Song gibt es dann noch einen Longtrack von über 20 Minuten. Prog in Reinkarnation. Wirklich alle Elemente eines tollen Stückes sind vorhanden.

Ich persönlich kann mit der Stimme von Kay nicht mehr so viel anfangen. Sie wird auf Dauer langweilig. Aber sie gehört zu dieser Musik, wie Benzin in den Motor. Mir ist der Gesang oftmals zu textlastig. Ab und zu singt Mirko Bäumer als Gaststar, sorry, als Gastmusiker, mit. Eine tolle Shouterstimme ist ihm gegeben. Im Song „crazy this town“ singen beide. Absolute Spitzenklasse. Diese zwei Wörter kann man getrost auch als Fazit der Veröffentlichung nehmen. Diese CD ist ein MUSS für die, die Martigan mögen. Allen, die mit progressiver Rockmusik etwas anfangen können, sei diese CD empfohlen. Ich tue mich immer schwer, Vergleichbands anzugeben. Wer druckvolle Parts mit groovigen Passagen mag, intelligenten Songpassagen etwas abgewinnt und abwechslungsreiche Musik mag, kommt eigentlich um diese CD nicht herum.

13 von 15