Mr. Brown - Mellan tre Ögon / 1977

Nach dem ersten Durchhören der CD freute ich mich, dass es im Jahre 2006 noch Gruppen gibt, die es schaffen, modernen Sound in guter Qualität auf CD zu bringen. Nun ja – ich war dann doch ein wenig erstaunt, als ich das Jahr der Aufnahme auf dem Cover entdeckte: 1976/77. Darauf wäre ich niemals gekommen. Dafür ist der Sound auf der ganzen CD einfach zu gut.

Ein halbwegs intelligenter Mensch hätte auch anhand der Spielzeit von knapp unter 40 Minuten auf 2 LP Seiten kommen können. Ein halbwegs intelligenter und älterer Mensch natürlich.

Der erste Song bestimmt durch sein gefühlvolles, spärliches Gitarrenspiel. Später gesellt sich noch ein wunderbares Saxophon dazu. (Leider) setzt dann auch der Gesang ein. Um es salopp auszudrücken: der Gesang schwächelt. Und das auf der gesamten Scheibe. Aber dies macht überhaupt nichts. Denn die Musik steht absolut im Vordergrund. Und „suicide“ ist ein Highlight auf dieser Scheibe. Absoluter Anspieltipp!

Der nächste Song „recall the future“ besticht durch sein Flötenarrangement. Später gesellt sich noch das Piano dazu. Ein wesentlicher Faktor auf den restlichen Stücken. Nach fast 9 einhalb Minuten ist dieses Stück zu Ende. Leider! Absoluter Anspieltipp!

Ich will mich nicht der Gefahr hingeben und Vergleiche mit Pink Floyd und Camel ziehen. Aber ich muss!

Und dann kommt „Resan till Ixtlan“. Dieses Piano Solo ist megascharf. Wer auf tolle Musikarrangements steht ist hier genau richtig. Hier stimmt jede Note. Absoluter Anspieltipp!

Mit dem Piano geht es dann genauso weiter. Allerdings dürfen die anderen schwedischen Bandmitglieder wieder mitspielen. „Universe“ mag, auf dieser Scheibe ohne Ausfälle, der einzige Schwachpunkt im Sinne des Progressive Rock sein. Es ist eher ein Popsong. Aber ein gut gemachter.

„Kharma 74“ erinnert mich ein wenig an einen Song von Triumvirat. Mit einem Intro in chinesischem Stil bekommt. Mr. Brown dann doch die Kurve zu wunderbarem Prog-Rock. Zum Ende hin groovt der Beat. Jethro Tull hatten vielleicht Pate gestanden. Absoluter Anspieltipp!

„Liv i stad utan liv“ schwächelt dann richtig am Gesang. Allerdings ist der Song instrumental sehr gut aufgebaut. Hier hat sicherlich das „Alan's Psychedelic Breakfast“ von der Atom Heart Mother-LP als Ideengeber hergehalten. Übrigens mal kein Anspieltipp.

„Tornet“ ist sehr kurz. 57 Sekunden. Es wird ein gregorianischer Choral zum Besten gegeben. Spacig! Anspielen lohnt hier nicht, da das Lied dann auch schon wieder zu Ende ist.

Mit „I`ll arise“ endet diese sehr interessante Platte. Dieses Stück könnte auch am Lagerfeuer entstanden sein. Meine Querverweise beziehen sich auf den Stil der Lieder. Dies bedeutet nicht, dass Mr. Brown eine schwedische Coverband sind. Sie sind sehr eigenständig. Ich möchte mit diesen Verweisen nur ein wenig die Richtung vorgeben. Ich kann nur empfehlen, sich dieser Musik zu öffnen. Dann hat man sicherlich viel Spaß beim Hören und Erleben. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Perlen des Prog in den Archiven schlummern. Mr. Brown wurden aus dem Dämmerschlaf geholt. Und das ist gut so!