Savoldelli, The Great Jazz Gig In The Sky

Ich hatte Angst! Mir wurde, als absoluten Pink Floyd Fan, das neue Album vom Jazzsänger Boris Salvoldelli zur Besprechung gegeben. Das kann nicht gut gehen! Vorhanden sind House-Mixes, Rock-Einspielungen, selbst eine Trance-CD sind im Bestand. Alle prall gefüllt mit Pink-Floyd Musik. Von Tom Stoppard liegt ein Hörspiel vor und Crippled Black Phoenix haben mit Se Delan von Echoes eine LP herausgebracht. Eines zeichnet alle aus. Sie sind hochinteressant. Allerdings wohnte ich in der Tonhalle Düsseldorf auch mal einer klassischen Interpretation bei und bin in der Pause geflüchtet. Und nun also Jazz? Für Proggies ist wichtig zu wissen, dass hier tatsächlich Jazz und kein Prog gespielt wird.
95 % meiner Klientel braucht sich dieses Werk also nicht antun. Wer aber offen für experimentelle Musik ist, kommt wahrlich auf seine Kosten. Immerhin ist Dark Side Of The Moon eines der meistverkauften Alben der Musikgeschichte. Über 50 Millionen Rundlinge sind bisher verkauft worden. Aktuell liegt nur Thriller von Michael Jackson mit 65 bis 110 Millionen verkauften Alben davor. Man spürt von der ersten bis zur letzten Note den Respekt aller Musiker, die mitgewirkt haben, vor dem Original.
Boris Salvoldelli Stimme wird in der Szene hoch gelobt. Auf The Great Jazz Gig In The Sky hört sie sich ab und an sehr angestrengt an. Jedes Wort wird nuanciert herausgedrückt. Hier versucht ein Italiener so englisch zu sprechen, wie es heute noch in Oxford gesprochen wird. Oder im Sprechunterricht für Schauspieler. Das ist aber auch angenehm, da man jedes Wort sehr gut verstehen kann.
Der Bassist Marco Bardoscia zupft fröhlich an den Basssaiten und wird durch Raffaele Casarano am Saxophon unterstützt. Auf Us And Them wird das Trio durch den Gitarristen Dewa Budjana begleitet. Das war es an Instrumenten. Und doch wird Rhythmus hereingebracht. Sei es durch Fingerschnippen, sei es durch die Atemgeräusche von Savoldelli. Hier wird gemischt, dass einem das Herz aufgeht. Manches Mal erkennt man die Stücke nicht, in der Regel kommen die drei Musiker aber relativ schnell wieder auf den Pfad zurück. An der Aufnahmequalität gibt es nichts auszusetzen, es wurde auf höchstem Niveau abgemischt. The Great Gig In The Sky und Money werden als Medley gespielt. Wie im ersten Teil der weibliche Part interpretiert wird ist große Kunst und macht Spaß. Versucht mal herauszuhören, ob das ein Mann, oder eine Frau singt. Zwischen all den anderen Einspielungen von Pink Floyd Scheiben wird diese CD ihren berechtigten Platz finden und sicherlich nicht versauern. Die Bewertung lässt den Proganteil raus, da bis auf den Grundpfeiler nicht vorhanden, und geht auf das Gesamtkunstwerk ein.

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