(80:32, CD, Deutsche Grammophon/Universal, 2015)

Das wird voraussichtlich nicht oft vorkommen, dass eine Veröffentlichung der Deutsche Grammophon bei uns gewürdigt wird. Im Fall von Pete Townshend erübrigt sich allerdings die Diskussion, ob dies standesgemäß ist. Mit dieser Bearbeitung wird die Rockoper auch von dem klassischen Publikum wahrgenommen (werden müssen). Das Werk wurde auf einen Silberling geschaufelt. Mit über 80 Minuten Spielzeit ist die CD restlos ausgeschöpft.

Es folgt ein Statement vom Meister himself, das von der Agentur-Website Networking-media.deentnommen ist und auch so im Booklet steht:

“Neben meiner Arbeit für The Who und meiner eigenen Solokarriere habe ich eine Sammlung von Songs geschaffen, die auf Geschichten basieren. Ich habe beschlossen, einige Jahre (wahrscheinlich den letzten Teil meines kreativen Lebens) an einem neuen Magnum Opus zu arbeiten, aber ich plane auch eine endgültige Sammlung aller Projekte zu machen, in denen ich involviert war und die ebenfalls aus einer Geschichte heraus entstanden sind. Das Magnum Opus ist immer noch in Arbeit, aber “Quadrophenia” war eines der ersten Stücke, bei dem ich bereit war, es in die Hände eines anderen Komponisten zu geben.

Die vorliegende Version von “Quadrophenia” ist aus diesem Prozess heraus entstanden. Ich bat meine Partnerin Rachel Fuller, sich ein wenig Zeit zu nehmen, um eine komplette Orchesterpartitur dafür zu schreiben, die so arrangiert werden sollte, dass zukünftige Entrepreneure die verschiedensten Versionen daraus machen können – je nachdem, wie sie damit arbeiten wollen  (das Wort Entrepreneur steht eigentlich für Unternehmer und ist hier vermutlich sicherlich nicht ganz die ideale Übersetzung, KB). Rachelbegann mit einer Partitur für ein riesiges Orchester samt Chor und legte damit den Grundstein, aus dem sich alle möglichen Kombinationen aus Orchestern und Bands nähren können – und die bis hin zu einer einfachen Klavier- und Gesangspartitur heruntergebrochen werden kann. Ihrer Arbeit ist zu verdanken, dass dies auf bestimmte und vollständig erprobte Weise möglich ist. Uns beiden war es wichtig, die “Art und Weise” und “Mission” meiner Rock-Oper für The Who und deren Beteiligung daran als Musiker und Sänger in den Jahren 1972 und 1973 zu würdigen.

Als die Arbeit fortschritt, baute sich Rachelmit Hilfe ihres Assistenten Martin Batchelar ihr eigenes Studio – das erste, bei dem sie das Gefühl hatte, sie müsse es sich selbst zusammenbauen. Es erlaubte ihr, synthetisierte, Samplebasierende Demoversionen ihrer Arbeit zu erstellen. Wir müssen meinem Freund Hans Zimmer dafür danken, dass das Studio durch seine Aufsicht so gebaut wurde, wie wir es jetzt haben. Die Demos erlaubten mir, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Musik mit einem echten Orchester anhören würde. Natürlich gab es keine Gesangsstimmen, aber als die Musik sich in Größe und Rhythmus weiterentwickelte, begann ich daran zu glauben, dass dies eines Tages ein wundervolles Ballettstück werden könnte. Ich denke, dass Rachels Arbeit ausschlaggebend war, wusste aber nicht, was als nächstes passieren würde. Dann brachte Paul Curran, der meine kreativen Projekte regelt, die Demos zu Mark Wilkinson von der Deutschen Grammophon und er schlug vor, dass Alfie Boe die Leadstimme sein könnte. Damit nahm das Projekt seinen aufregenden Lauf. Mit der Hilfe von Mark und der DGG konnten wir die Aufnahmen mit Alfieund des Royal Philharmonic Orchesters vervollständigen. Wir haben nun diese wunderbaren Aufnahmen und freuen uns auf eine Reihe von Konzerten in den kommenden Jahren. Ich habe am Ende mehr bekommen, als ich erwartet habe. Ich wollte eine Sammlung – wirklich, nur ein Buch voller Musik. Jetzt stecke ich in einem neuen Abenteuer. Bis hierher war es eine außergewöhnliche Reise für mich. Die Musik wuchs innerhalb eines engen Kreises aus Freunden und echter Familie heran. Das letzte Mal, als ich mit einem Orchester-Arrangeur in einem großen Studio mit klassisch ausgebildeten Musikern arbeitete, war in den späten 70er Jahren mit meinem Schwiegervater Edwin Astley. Für mich schließt sich hier also der Kreis. Selbst Universal Music war seit Anbeginn meiner Karriere ein Teil meiner Familie. Das Herz all dessen ist Rachel. Als wir uns vor ungefähr 17 Jahren trafen, beauftragte ich sie damit, an der Orchestrierung von “Lifehouse Chronicles” zu arbeiten. Seitdem ist unsere Liebe gewachsen und es ist etwas ganz Überwältigendes, auf diese Weise auch noch heute zusammenzuarbeiten. Es ist eine perfekte Ehe.
Pete Townshend"

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Die Qualität der Aufnahme ist sensationell gut. Wie nicht anders zu erwarten. Die Dynamik steht Erich Kunzel in nichts nach, obwohl der Dirigent Robert Ziegler heißt. Alfie Boe ist ein berühmter Tenor, der den Part von Jimmy Cooper übernimmt. Und das macht er großartig. Pete Townshend singt den Patenonkel und schwingt in “I`m the One” und “Drowned” die Gitarre. Billy Idolist mit seiner rauen Stimme vier mal zu hören und Phil Daniels, der schon im Film “Quadrophenia” mitwirkte, immerhin als Jimmy, singt auf zwei Liedern den Vater. Der Rockoper fehlte bisher vielleicht noch die Krönung zu einem absoluten Meisterwerk. Das ist nun nachgeholt worden.
15 von 15
 

PS: CLASSIC QUADROPHENIA live in Deutschland
Auf zwei exklusiven Konzerten in Deutschland – am 13. Oktober in Köln und am 26. Oktober in München – sollte die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Robert Zieglerund die Stimme des neuen Albums, der britische Tenor Alfie Boe, sowie ein großer Chor “Classic Quadrophenia” interpretieren und das Publikum begeistern. Leider sind die Konzerte abgesagt worden.