Tokyo 2017

Montag und Dienstag, 19. und 20. Juni 2017
Herr O. (Name der Redaktion bekannt) war so nett und fuhr mich nach seinem Feierabend um 12 Uhr zum Bahnhof Euskirchen. Das hatte für ihn den Vorteil, dass er ziemlich sicher sein konnte, dass er mich für eine Woche los war.
Der Zug nach Köln kam 5 Minuten zu spät, was allerdings nicht ins Gewicht fiel, da der ICE nach Frankfurt-Fernbahnhof fast 30 Minuten Verspätung bei der Einfahrt in Köln hatte.
Vom Flughafen-Terminal schickte man mich, nachdem ich meinen kleinen Koffer aufgegeben hatte, der übrigens leichter als mein Rucksack mit der Kamera war, in den Wartebereich zum Flieger nach Tokio. Mit einer Boing 747-8 ging es dann ostwärts. Da wir auf einer direkten Fluglinie, was im Flieger ja Sinn macht, flogen, wobei wir Finnland überquerten und Sankt Petersburg nördlich passierten, wurde es nicht dunkel. Ich schlief mehr schlecht als recht und beendete den Versuch tief zu schlafen zweieinhalb Stunden vor der Landung. Der Flug war auch recht unruhig, immer wieder wurden wir durch Turbulenzen durchgeschüttelt. Wirklich schlimm waren sie nicht, da die Anschnallzeichen nicht aufleuchteten. Wir flogen zwischen zwei ...rovks, was auf tiefes Sibirien deutet, nämlich Khabarovsk und Shimanovsk.
Ziemlich genau um 12 Uhr landeten wir auf dem Haneda-Airport von Tokyo.
Zoll und Gepäckabholung waren easy zu bewerkstelligen. Beim Geldabheben wurde es schon etwas schwieriger. Der zweite ATM war dann so nett und gab mir Geld. Restlos überfordert war dann der Ticket-Automat. Egal wie ich die Karte einführte, er wollte sie nicht. Beim vierten Einzug stellte sich das Ding auf stur und behielt die Kreditkarte einfach ein. Unter lautem Gebimmel wurde mir ein Service-Mitarbeiter angekündigt. Eine Luke öffnete sich vor mir und ein Mann gab mir meine Karte zurück. Das war schonmal gut. Dann sagte er mir, Kreditkarten würden nicht funktionieren. Aha! Aber Bargeld würde gehen. Das hatte ich auch schon probiert, alleine, es klappte nicht. Dann probierte ich einen weiteren Einzugschacht und schon bekam ich ganz viel Wechselgeld zurück. Ich fuhr bis Shinagawa, wo ich umsteigen musste. Wieder ging es an einen Ticket-Schalter. Diesmal von der JR-Line. In Shimbashi musste ich abermals die Linie wechseln. Am Kartenautomat hatte ich nun Routine. Drei Stationen ging es mit der Ginza-Line, ehe ich in Akasake-mitsuke ausstieg. Aus der Dunkelheit der U-Bahn kam ich ans Licht. Am Kartenautomat hatte ich nun Routine. Drei Stationen ging es mit der Ginza-Line, ehe ich in Akasake-mitsuke ausstieg. Aus der Dunkelheit der U-Bahn kam ich ans Licht. An der nächsten Ampel fragte ich jemandem nach dem Prince-Gallerie-Hotel, da ich Null Orientierung hatte. Er guckte mich verdutzt an und zeigte auf das nächstgelegene Hochhaus vor uns. Tatsächlich, es war mein Hotel. Hinter einer Schiebetür zum Hotel empfing mich eine junge Dame und fuhr mit mir in den 36. Stock. Sie fragte nach meinem Namen und als ich an die Rezeption kam, war da auch schon ein Anmeldezettel mit meinem Namen. Wie das ging fand ich nicht raus, war aber beeindruckt. Mein Zimmer 3436 lag im 34. Stock. Der Blick aus dem Fenster war atemberaubend. Ich guckte direkt auf den Kaiserpalast und ungefähr 450 Hochhäuser. Ich legte mich für eine Stunde hin, da ich doch recht matt war. Ist meine Geberit-Toilette ja schon der reinste Luxus, ist das WC hier State of the Art. Nach dem Öffnen des Raumes, geht der obere Toilettendeckel automatisch hoch. Wenn man Platz genommen hat, wird der Popo wohl temperiert. Die Wäsche nach getaner Arbeit wurde vorzüglich ausgeführt. Aber dann: man steht auf und alles andere geht automatisch. Deckel verschließen, Spülung, Licht aus, alles vollautomatisch. Die Dusche ist mit einer Glasscheibe vom Hauptraum getrennt. Da sollte man bei einer Zweierbelegung den Partner aber gut kennen. Gegen 18:00 Uhr ging ich nach draußen. Es war unglaublich! Ich lief an hunderten Restaurants und Imbissbuden vorbei. Aber mein Magnet war eingeschaltet. Gute zwei Stunden lief ich in straffen Tempo bis zum Hardrock Café. Hier aß ich einen Burger und trank ein Kirin Icheban vom Fass. Überall kamen mir tolle Gerüche entgegen. In einen Spielsalon mit tausend Spielautomaten bin ich mal rein. Hier war eine unglaubliche Lautstärke. Es gab Automaten in Rosa für Mädels und welche in Silbern, für echte Männer. Klimpern und klingeln und sonstige Geräusche aller Art sind hier wohl an der Tagesordnung. Später ging ich wieder zu Fuß zum Hotel zurück. Irgendwie war ich doppelt so schnell unterwegs, obwohl ich mich auch mal verlief. In der Skybar, auf dem 35. Stock, bekam ich ein iPad als Getränkekarte. Das Bier und das Wasser kosteten zusammen 2500 YEN. Das sind ziemlich genau 20 Euro. iPads wollen bezahlt werden. Gegen 23:30 Uhr schaltete ich das Licht aus. Jetzt war ich wahrlich hundemüde.

Mittwoch, der 21. Juni 2017
Gegen zwei Uhr nachts wurde ich mal wach, schlief danach aber wieder ziemlich schnell ein. Was für ein Glückspilz! Normalerweise würde man wegen der gewohnten Zeit daheim nicht mehr einschlafen. Der Wecker klingelte dann um halb acht, damit ich in einen Rhythmus kam. Tokyo empfing mich heute mit einer grauen Wolkendecke. Ich fand im Bad den Schalter, der die Glasscheibe der Dusche blickdicht machte. Ich werde nicht verraten, wo er zu finden ist. Der Frühstücksraum im 36. Stock, bediente alle Geschmacksrichtungen. Ich beließ es bei Obst und Brot und einem dänischen Teilchen. Bei uns Plunder genannt. Wieder zurück im Zimmer, lernte ich, dass Technik auch irren kann. Das Fensterrollo und die Gardinen gingen zu, als ich die Tür öffnete, anstatt tagsüber aufzubleiben. Nun gut, die Aussichten waren trübe, was sicherlich der Grund für die Entscheidung des Computers war. Am Cocierge-Deck ließ sich eine Gruppe ganz Japan erklären. Eine Dame an der Rezeption erbarmte sich meiner, ehe ich vor Langeweile einschlief. Sie bestellte mir für Samstag eine Karte für das Konzert von Herrn Järvi in der NHK-Hall. Den Dirigenten hatte ich im Flieger kennengelernt. Aufgrund der Sprachbarriere konnte ich das nicht alleine machen. Das war jetzt keine Sache von fünf Minuten, sondern dauerte eine gute halbe Stunde. Von Japanerin zu Japanerin. Später verließ ich das Hotel, bewegte mich in der U-Bahn-Station und wurde so nicht nass. Neugierig ging ich durch einen Elektronikmarkt. Auch hier wurde tausendfach auf die Kundschaft eingehämmert und gebimmelt. Wieder draußen, kam der Regen jetzt nicht mehr von oben, sondern waagerecht. Auch hatte der Niederschlag zugenommen. Ich ging noch ein paar Meter, entschied dann aber den Rückzug anzutreten. Im Hotel ging ich zuerst auf mein Zimmer. Von hier aus konnte man den Hochhaus-Wald hinter dem kaiserlichen Park nicht mehr sehen. Gutes Wetter, um sich nun ganz nass zu machen. Im hoteleigenen Bademantel sah ich bestimmt lustig aus. Noch nicht einmal wegen meinem Bauch. Der wurde erstaunlicherweise vollständig bedeckt. Die langen Ärmel sahen an mir eher wie ein Kurzarm-Shirt aus. Über die unzüchtige Länge konnte man hinwegsehen, da ich ja eine Badehose trug. Später ging ich in die Club-Lounge und las ein wenig. Das Beste, was man mit der Zeit anfangen konnte. Mein zweistündiges! Mittagsschläfchen hatte ich von 12 bis 14 Uhr schon gehalten. Gegenüber gestern war es hier gut besucht. Kein Wunder, denn, falls ich es noch nicht berichtet hatte, es regnete über Tokyo. Allerdings hörte der Regen gegen 18 Uhr auf. Ich schlenderte durch den Stadtteil Akasaka und begutachtete tausende von Restaurants und Imbissbuden. Dann sah ich aus einer Seitenstraße einen Shinto-Schrein auf einem Hügel. Ich erklomm den Gipfel, ca. 130 Stufen ging es naufi, stand aber vor verschlossenen Türen. Es war hier alles sehr erhaben. Wieder zurück im Restaurant-Distrikt, fand ich ein kleines Restaurant, mit Namen Manmiya, wo zwar Gerichte als Plastiken in einem Schaukasten dargestellt waren, aber keine englische Schrift zu finden war. Ich fotografierte meine Speisenreihenfolge und zeigte sie der Chefin. Sie verstand sofort, sprach aber auch englisch, und brachte zuerst drei kleine Schälchen "amuse bouche" mit verschieden eingelegten Gemüsen. Das fing gut an. Dann kam eine Suppe, die viele Europäer ihres Aussehens wegen vielleicht nicht probieren würden. Das Omelett war köstlich und scharf. Den Glasnudelsalat empfand ich als laff, was allerdings auch durch die Schärfe der anderen Köstlichkeiten ausgelöst sein könnte. Zum Schluss kam noch ein nicht zu definierendes Gericht aus dem Ofen auf den Tisch. Auf jeden Fall viel Kohl. Da nur drei weibliche Gäste hier aßen, dämmerte es mir langsam. Später kamen noch zwei Frauen dazu. Ich war bei Vegetariern. Aber trotzdem lecker. Das stimmte so natürlich nicht, waren auch Grillgerichte auf der Karte zu finden. Ich bummelte zum Hotel zurück und trank einen Mocktail in der Skybar. Gegen 22 Uhr war ich dann richtiggehend hundemüde, allerdings erst kurz vor 24 Uhr im Bett. Und dann schlief ich nicht ein.

Donnerstag, der 22. Juni 2017
Der Wecker ging heute wieder um 8 Uhr und holte mich aus einem tiefen Schlaf. Als ich das Rollo hochlaufen ließ, konnte ich bis auf die Bucht von Tokyo gucken. Ziemlich genau gegenüber, noch hinter dem großen kaiserlichen Park, dem Kitanomaru National Garden, steht der Skytree, das im Moment zweithöchste Gebäude der Welt. Die Sonne kämpfte sich langsam durch die helle Wolkendecke. Das ging ja gut los heute. Denselben Blick hatte ich dann auch beim Frühstück. Gegen halb Zehn ging ich auf Pirsch. Es ging in Richtung kaiserlichen Palast. Sehen kann man ihn nicht, da er auf einem Hügel liegt, der vollständig von einem Wassergraben umschlossen ist. Eine Brücke, über die man gekonnt hätte, war allerdings so gut bewacht, einmal von Polizei, einmal von einer kleinen Schar Presseleute, sodass ich den Versuch einer Okkupation von vornherein fallen ließ. Dafür besuchte ich einen Ehrenfriedhof für Kriegsopfer, ehe ich durch das Tor Sakuradamon den Kitanomaru Park durchforstete. Als erster Höhepunkt kam ich an der berühmten Budokan-Halle vorbei. Später fotografierte einen kleinen, sprudelnden Wasserfall und wunderte mich, dass auf der zweiten Aufnahme weniger Wasser kam. Kaum war dieser Schuss im Kasten versiegte der Strom vollends. Glück gehabt. Ich suchte den Weg über die verschlungenen Wege hinaus. Am Gate gab ich einen Chip ab, den ich am anderen Eingang erhalten hatte. Im Stadtteil Marunouchi suchte ich eine U-Bahn-Station und fuhr für 170 YEN mit der Marunouchi Line von Otemachi bis Akasaka-mitsuke, meiner Haltestelle. Im Hotel überbrückte ich mit duschen und schlafen die Zeit, bis Keiko mich abholte. Wir trafen uns um 16:30 in der Lobby. Für mich bleibt es ungewohnt, dass die Lobby zwei Stockwerke über meinem Zimmer liegt. Ich drückte jedes Mal die "Nach unten"-Taste. Keiko überreichte mir ein paar leckere Spezialitäten aus Japan, danach nahmen wir die U-Bahn nach Shibuja-Station. Im 9. Stock gab es mehrere Restaurants und wir aßen eine Kleinigkeit. Zuerst gab es einen Tee auf's Haus. Ich verzehrte Tempura und Sashimi. Ohne Keiko wäre ich hier niemals hingekommen. Echt klasse. Keiko hatte Nudeln. Ich sah so glibberiges, durchsichtiges Zeugs unter ihren Nudeln. Da ich von Grund auf neugierig bin, fragte ich, was das sei. Die Antwort war dann doch überraschend: Eis. Im Sommer würde man in Tokyo halt Nudeln auf Eis essen. Nach dem Essen bekam man dann noch einen Tee. Auf direktem Wege ging es dann zur Halle Tsutaya O-East. In West spielte eine andere Band, aber morgen werde ich von hier berichten. Man verweigerte mir zwar nicht den Backstagepass, das Management bat mich aber heute keine Fotos zu machen. Ich ging zu den Schweden in die Garderobe und stellte meinen Rucksack dort ab. Das Hallo war natürlich groß. Keiko, Keyboarderin und Mastermind von Ars Nova, hatte uns links außen Karten in der dritten Reihe besorgt. Man musste beim Eintritt noch einen Verzehrbon von 500 YEN kaufen. Eh, die Eintrittskarte hatte 105 Euro gekostet. Aber nicht genug an Strafe. Ich bestellte mir ein Bier, in freudiger Erwartung einer lokalen Spezialität und bekam ein Heineken aus der Dose. Barack Project begannen Punkt 19 Uhr. Was für ein geniales Konzert. Die Italiener waren super drauf und gaben in ihrer Spielzeit von einer Stunde alles! Wow! Das Publikum war aus dem Häuschen. Pünktlich um 20:30 Uhr, mit Umbauzeit, kamen Moon Safari auf die Bühne. Auch sie hatten nur eine Stunde. Aber was für ein Auftritt. Für mich das beste Konzert bisher. Was gingen die Jungs ab. Hinterher warteten am Hinterausgang noch Fans auf Fotos und Autogramme. Geduldig ließen sie das über sich ergehen. Dann gingen wir alle zusammen was essen. Im Restaurant bekamen wir die last-order angesagt. Ich nahm ein paar Sushi. Eine Mitarbeiterin von Akiko sah mein Bild vom Essen von gestern und meinte nur, dass das koreanisches Essen war. Hahaha, da war ich das erste Mal in Tokyo vermeintlich japanisch essen und dann das. Die Schweden waren durch den Jetlag völlig fertig und gegen 23:30 Uhr lösten wir uns auf. Ich trank noch ein Wasser und heute mal einen Cocktail in der Skybar vom Hotel.

Freitag, der 23. Juni 2017
Der Wecker klingelte trotzdem unbarmherzig um 8:20 Uhr. Die Sonne schien zwar über Tokyo, allerdings sah man das Wasser nicht, dafür war es dann zu diesig. Ich frühstückte nochmals über den Hochhausdächern und bestellte mir pochierte Eier. In der Zeit, in der Amerikaner einen ihre pochierten Eier anbieten und mir versprechen, we will boiled it to your perfection, steht hier das perfekte Ei schon vor einem. Ohne großes Getue. Wie alles in diesem Hotel absolut unaufgeregt passierte.
Bevor ich auscheckte, ging ich noch zu dem Schrein, der mit vorgestern verschlossen blieb. Auf dem Weg zurück sah ich an einem "Rauchen verboten"-Schild einen Ausländer heimlich an seiner Zigarette ziehen. Ich sprach ihn an und er meinte nur: "Was soll ich denn machen, ich habe Schmacht?" Völliger Wahnsinn ist, dass man, wenn man auf der Straße raucht, 2000 YEN Strafe zahlen muss. In den Restaurants ist es gestattet. Irre! Ich habe mal vom Einzug der 2000 YEN abgesehen. Meine Schwester fragte in einer What'sApp, ob zwischen all den Hochhäusern denn nicht nur Schatten wäre. Es ist, wie fast alle im Leben ein bisserl schizophren. Hat man Schatten, wünscht man sich die Sonne herbei. Ist diese da wünscht man sich Schatten. Ich wünschte mir heute das Eis von Keikos Nudeln, so laugte einen die Sonne aus. Die Sonne steht hier um 11 schon so senkrecht, dass die Häuser kaum Schatten werfen. Dazu sind die Straßen fast alle megabreit. Bis 12 Uhr durfte ich im Zimmer bleiben. Das nutze ich weidlich aus. Die Strecke der U-Bahn kannte ich von gestern, halt andersrum. Als ich in Otemachi ausstieg war ich verloren. Es gab keinen Ausgang. Kilometerlange Gänge wurden von Millionen wuselnden Menschen in Einheitstracht bevölkert. Alle hatten Anzüge, oder Kostüme an. Also Business-Kostüme natürlich. Die Zeit der japanischen Trachten ist wohl schon länger vorbei. Es war keine so gute Idee während der Lunchtime U-Bahn zu fahren. Aber natürlich hochinteressant! Irgendwann fand ich ans Tageslicht und wusste schon vorher, wo ich herauskam. Genau da, wo ich gestern vom Park in die Katakomben gestiegen bin. Hinterm Bahnhof war ich verloren. Wie sollte ich bloß das Hotel finden? Ich hatte keine W-Lan-Verbindung und die Menschen beachteten mich nicht. Die Lösung war mal wieder simpel. Ich brauchte nur meine Augen nach oben hieven, schon stand da mein Hotel. In der 37. Etage war alles noch ein bisschen gediegener, als im vorherigen Hotel. Auch waren die Damen noch netter und zuvorkommender. Kaum zu glauben, dass es noch eine Steigerung geben konnte. Ich erfrischte mich und ging dann in den Untergrund. Knapp einen Kilometer musste ich gehen, ehe ich zur Hanzomon-Line kam. Und den ganzen Weg wurde ich nicht nass. Nun ja, es regnete aber gar nicht. So fand ich aber heraus, dass ich den Ausgang B8 suchen musste, um zum Hotel zu kommen. Ich fuhr sechs Stationen bis Oshiage. Alles schlief in der Bahn. Da war es gar nicht so einfach sich wachzuhalten. Vor allen Dingen zur Siesta-Time. Die Station heißt Oshiage-Skytree, womit ich mein Ziel preisgab. Die Schlange zur Kasse war nicht sehr lang und ich erwarb für 2060 YEN eine Karte. Auf Stockwerk 345 kaufte ich dann noch eine zusätzliche Karte, für 1030 YEN, um zum 450 Stockwerk zu fahren. Das waren knapp 29 Euro, aber das war es wert. Während Stockwerk es nicht ganz trifft, es sind wohl eher Meterangaben. Ich stand wohl am höchsten Punkt auf 451,2 Meter. Heute lohnte sich der Aufstieg alleine schon wegen des Wetters. Felder oder Wälder suchte man am Horizont vergeblich, es war ein unglaubliches Betonhäusermeer. Ach, war das schön. Wieder unten ging es unweigerlich durch den Skytree-Shop. Was meine Gelüste aber mehr befriedigte, kam einer Nötigung gleich: um zur U-Bahn zu kommen musste man durch einen Feinkostsupermarkt. Oh Mann, die Fischtheke wollte gegessen werden. Ich begnügte mich mit ein paar Fotos. Die Oshiage-Station war nicht leicht zu finden. Dann saß ich in der Hanzomon-Line, auf direktem Wege nach Shinbuya. Ich versuchte mich krampfhaft wach zu halten. Das war nicht einfach. Einmal merkte ich, wie ich nach einer Bremsung vom Sekundenschlaf befreit wurde. Gut, dass wir auf Schienen fuhren. Gut, dass ich wach war, denn mit einem Mal kam eine Geisha an mir vorbei. Die sieht man auch nicht allzu oft im Stadtbild. In Shibuya war ganz Tokyo auf den Beinen. Es gibt dort eine Kreuzung, auf der alle Fußgängerampeln gleichzeitig auf Grün schalten. Tausend Leute gingen da gleichzeitig locker drüber. Jetzt hatte ich richtig Hunger. Da traf es sich gut, dass ich in den Keller vom Restaurant Senkushiya hinabstieg. Hier verstand mich niemand und umgekehrt genauso. Aber dadurch wurde viel gelacht. Dann bekam ich ein kaltes Zitronenwasser. Allerdings kam die Zitrone mit Presse roh dazu. Ich bekam zwei Spieße mit Hühnchenfleisch serviert. Mehr kam nicht. Das war aber gut so, denn es war bereits 18:40 Uhr. Jetzt musste ich mich sputen! Aber es klappte alles gut und um kurz nach Sieben starteten die Schweden ihr Konzert vor ausverkauftem Haus. Ich durfte mich überall bewegen. Akiko war gestern etwas verwundert, "etwas" trifft es nicht ganz, als ich sagte, ich würde auch auf die Bühne gehen. Das tat ich natürlich nicht, aber unter, neben, über, trifft es ganz gut. Die Jungs wurden wie Rockstars gefeiert. Ihr Konzert war aber auch echt gut. Am Hinterausgang ging es dann aber zur Sache. Nachdem die Band VIPs kurze Zeit in der Garderobe ermöglichten, warteten draußen Hundert Fans auf die Jungs. Polizei kam, um das alles in geordneten Bahnen zu halten. Nun ja, es waren zwei Sheriffs, aber sie wussten gar nicht wie ihnen geschah. Eine Frau aus Hongkong wollte von mir die Setlist haben. Ich gab sie ihr. Sie war fest überzeugt, ich gehörte zur Band. Das muss ein anderer Mann auch gedacht haben, denn er schenkte mir ein Bier. Ich ließ Johans Vater antrinken, man weiß ja nie. Ich half beim Einladen der Ausrüstung, ehe wir alle mit mehreren Taxis zum Hotel der Schweden fuhren. Interessant war, dass Johans Freundin in einem anderen Hotel untergebracht war. Ich bot ihr an, ...aber da hatte Johan was dagegen. Simon ging es nicht so gut und Pontus blieb mit ihm im Hotel. Wir anderen wurden von Akiko und Yoko zu einem koreanischen Restaurant geführt. Auch hier hieß es wieder, last order in ten minutes. Joko übernahm das. Sie bestellte gefühlt die gesamte Speisenkarte. Johan und seine Leute saßen an einem eigenen Tisch, Mikael, Sebastian, Petter, ich und eben Akiko und Yoko gemeinsam an einem. Es gab Korean-Barbecue. In den Tischen gab es Grillplatten, auf denen Fleisch, Gemüse und Fisch gegrillt wurde. Dazu gab es Salat und Mixed-Pickels. Gegen 24 Uhr trennten wir uns und ich fuhr mit der U-Bahn vermeintlich bis zu meiner Haltestelle. Im Zug stand ein junger Mann und filmte mit dem Smartphone seine gesamte Fahrt. An jeder Station hielt er das Telefon raus, während der Fahrt filmte er den Anzeigebildschirm. Vier Stationen vor Oshiage kam eine unglaublich laute Lautsprecherdurchsage. Daher wohl der Name. Tja, dann war Schluss, Aus, Ende. Ein Mitarbeiter sagte lapidar:"Taxi". Öfter mal was Neues. Ich reihte mich draußen in die kleine Schlange ein, in der alle auf einen Mietwagen warteten. Ich war Nummer Elf. Ich war völlig aufgeschmissen. Ohne W-LAN wusste ich ja noch nicht einmal wo ich war, geschweige denn mein Hotel. An der Kiyosumi-shirakawa-Street Haltestelle gingen derweil die Jalousien runter. Es war jetzt schon 1 Uhr. Am Ende stand ich allein auf weiter Flur. Aber selbst freie Wagen rauschten jetzt reihenweise vorbei. Einer hielt dann doch und ich musste nochmals 1590 YEN berappen. Gegen 1:20 Uhr war ich im Hotel. Na, da ist mal gründlich was schiefgegangen. Was aber wäre ein Urlaub ohne solche Überraschungen?
 

Samstag, der 24. Juni 2017
Heute ging der Wecker um 8:15 Uhr. Ich frühstückte und ging es gemütlich an, irgendwie hatte ich den Tag gestern noch in den Knochen. Vor 11 Uhr ging es raus auf die Straße. Ich bummelte, immer im Schatten der Hochhäuser, durch die Straßen in Richtung Ginza. Staunend stand ich vor einem Parkhaus. Man fuhr nicht etwa rein, sondern stellte sein Fahrzeug in eine Art Paternoster. Das Parkhaus gehört zum Nobelwarenhaus Takashimara. Das Viertel Ginza ist wegen ihrer Prachtmeilen berühmt. Und wirklich, hier wird dem Mammon gefrönt. Ein riesiger Musikladen zog mich in das Kellergeschoß. Hier, in Yamano Music, kaufte ich mir die neue CD von Roger Waters. Während ich im Laden war, hatte man die Straße für den Autoverkehr gesperrt. Jetzt waren Tische, Stühle und Sonnenschirme aufgebaut. Irgendwie surreal. Im Sapporo-Ginza-Building ist ein Nissan-Showroom untergebracht. Der Schatz aber verbirgt sich im Keller. Dort ist die Bierhalle Ginza-Lion untergebracht. Die gekachelten Wände und Tische aus Eiche Rustikal sollen wohl bayrische Gemütlichkeit vorgaukeln. Die musikalischen Töne verstärkten den Eindruck. Ich ließ es mir nicht nehmen, eine Brezel zu essen und ein Bier zu trinken. Die Bedienung gab mir ein Los, was hier wohl der Appetizer ist. Und tatsächlich, ich gewann ein kleines Bier. Beim nächsten Besuch einzulösen. Immer diese Pferdefüße. Ich ging jetzt wieder in Richtung Hotel zurück. Natürlich nicht auf direktem Weg. Leider kam man im Hauptbahnhof nicht auf die Bahnsteige. Das hätte mich interessiert. Zurück im Hotel nahm ich eine Dusche und trank einen Tee. So langsam war ich platt und spürte das am Körper. Aber es nützte nichts, ich musste weiter. In der Bahn lebte jemand eine kleine Neurose aus, indem er sich einen weißen Handschuh auf die linke Hand zog, um sich an einem Griff festzuhalten. Das hatte ich so noch nicht gesehen. Die Nasenmasken gehören ja zum Stadtbild dazu. In Shibuya war wieder die Hölle los. Meinen Weg zur NHK-Hall kreuzte ein Record-Store. Was für ein Zufall. Also fast. Natürlich wusste ich das im Vorhinein. Sie hatten tatsächlich CDs von der schwedischen Truppe, die mir den Anstoß gab, nach Tokyo zu fliegen. NHK ist ein riesengroßer TV- und Radiosender. In der Halle hörte englisch dann endgültig auf zu existieren. Ich sah nur ganz wenige westliche Gesichter. Die Übergabe der vorbestellten Eintrittskarte klappte reibungslos, wenn man davon absieht, dass die junge Frau mich nicht verstand. Aber auf einem Umschlag stand mein Name. Ich kaufte mir einen Eiskaffee. Dazu wurde aufgelöster Zucker in einem Päckchen gereicht. Statt Milch war Zucker drinnen. Damit man eine Vorstellung der Verpackung hat. Apropos Vorstellung der Verpackung: wenn der Dirigent sagt, es würden fröhliche, französische Tänze aufgeführt, rechnet man wohl kaum mit jazzigen Rhytmen und kakophonischen atonalen Tönen. Wenn das erste Stück für Herrn Järvi fröhliche Musik war, möchte ich ihn nie deprimiert erleben. Es war Henri Dutilleux "Métaboles". Im zweiten Teil wurde ein Grand-Piano vor das Dirigentenpult gefahren und die Solistin Hisako Kawamura setzte sich davor. Jetzt wurde es für meine Ohren angenehmer. Es wurde von Camille Saint-Saëns das Piano-Concerto No. 2, Opus 22 zum Besten gegeben. Das war aber gleichzeitig auch fatal. Denn trotz Eiskaffee nickerte ich weg. Das Finale bekam ich wieder mit und war pünktlich zur Pause wieder wach. Maurice Ravel ist ja für seine Basssalven mit der Decke Trumm bekannt. "Valses nobles et sentimentales" und "Daphnis et Chloé", Suite No. 2 rundeten den Konzertabend ab. Kurz vor 20 Uhr war es dann vorbei. Die Safarians schrieben mir, dass sie in den Star-Club gehen würden. Die Adresse fand ich raus. Ich ging ein Stück zu Fuß, nahm für eine Station die U-Bahn, um dann in ein Taxi zu steigen. Er entließ mich irgendwo, wo viele Kneipen waren. Ich fand den Club ums Verre... nicht, ich glaube, es ist klar was da steht. Ich fand ihn nicht! Ich fand diesen schei..., ich lasse es jetzt, Club nicht. Ich drehte mich im Kreis. In einem Starbuck's hatte ich WiFi. Nur, damit das Internet mir sagt, der Star-Club hat Dich dreimal schon gebissen. Dann fand ich Fotos im WWW. Eine Szene erkannte ich. Ich bin dahin, allerdings war da nur ein thailändisches Restaurant. Die Chefin nahm mich an die Hand, führte mich 50 Meter weiter die Straße runter. Sie entließ mich in ein Treppenhaus, in den Keller runter. Unglaublich, hier gab es noch drei Restaurants. Aber kein Star-Club. Ich ging mit einer Vorahnung zurück zum Thailänder. Es stand nicht dran, aber ich ging die Treppe hoch. Was fand ich? Was fand ich? Man errät es nie. Da war er, der Star-Club. Mit Nintendo-Memorablias eingerichtet. Aber keine Schweden. Und jetzt kommt der wirkliche Hammer! Wo hielt vorhin das Taxi? Genau! Genau davor! Unglaublich, aber wahr! Ich hatte jetzt einen Bärenhunger. Ich fand ein traditionelles japanisches Restaurant und fühlte mich direkt wohl. Zwei japanische Gäste an der Theke, Vater und Tochter waren für den Service im "Yahei" zuständig. Der Fisch vom Sashimi war phänomenal gut. Es lief klassische Musik, genau solcher Art, wie ich sie mir vom Herrn Paavo Järvi gewünscht hätte. Nicht falsch verstehen, das Konzert war super, halt etwas sperrig. Als ich sagte, dass ich bei einem Konzert war, war das Eis gebrochen. Natürlich kannte der Chef den Dirigenten Järvi. Als ich seine Frage beantwortete, wo das Konzert gewesen war, bekam er vor Glück fast einen Herzinfarkt. Das Gemüse war vorzüglich, das Hähnchenfleisch war lecker, aber etwas paniert. Ich verließ meine neuen Freunde und suchte meine alten. Aber sie waren nicht aufzufinden. Im Star-Club waren sie nicht. Jetzt suchte ich eine U-Bahn-Station. Um 23 Uhr nicht so einfach. Manche Eingänge waren einfach schon verriegelt. Selbst in der größten Stadt der Welt fahren nachts keine U-Bahnen. Shibuya bildet da als das wuselige Zentrum keine Ausnahme. Dann hatte ich den Einfall, mit dem Zug bis zur Tokyo-Station zu fahren. Netter Versuch, leider falscher Bahnanbieter. Also bin ich wieder raus aus dem Bahnhof und ging anderen U-Bahn-Schildern nach, bis ich die Marunouchi-Line gefunden hatte. Oh Mann, heute hatte ich aber Kilometer gemacht. Aber ich war ja noch nicht am Ende. Gefühlt schon, aber noch nicht beim Hotel. B8, mein Ausgang hatte ja schon zu. So ging ich B8a raus. Und wurde wieder sehr weit geschickt, ehe ich in die laue Nacht entstieg. Jetzt hatte ich die Orientierung verloren. Ich ging unter den Schienen durch und war es dann leid. Ich bestieg ein Taxi.

Sonntag, der 25. Juni 2017
Das Taxi fuhr wieder unter den Schienen durch und stoppte hundert Meter hinter diesen. Hier bin ich vorher ungefähr rausgekommen. Boah, jetzt war ich auch echt in der Birne Matsch. Es ist in Tokyo und auch Japan völlig unüblich Trinkgeld zu geben. Wirklich nirgendwo, noch nicht einmal dem Taxifahrer. Das macht Tokyo gegenüber den USA wieder interessant, da man dort immer noch 15 bis 20 Prozent dazurechnen muss. Gegen 0:15 Uhr erreichte ich den 27. Stock vom Hotel und trank ein Wasser und ein Draught local Beer. Das nenne ich mal verdient! Mein "ich versklave Dich"-iPhone-App zeigte fast 18 abgelaufene Kilometer an. Dann komme ich ausgelaugt auf dem Zimmer an, im Geist völlig leer und werde von einem Moment zum anderen wieder gut gelaunt. Da stand auf meinem Bett eine geflochtene Kiste, ca. 40X20X15 Zentimeter groß. Ich dachte noch, bevor ich den Inhalt kannte, jetzt übertreiben sie es aber mit dem Schuheputzen-Service. Ich öffnete die Kiste und fand meine gewaschene Wäsche vor. Darauf lag ein kleines Stoffsäckchen mit Kräutern. Das nenne ich echt Stil. In der Form habe ich das noch nicht erlebt. Wieder wurde ich zur unmöglichen Zeit 8:20 Uhr geweckt. Besser wäre ich mal liegengeblieben. Draußen regnete es und es war wieder demoralisierend trüb. Eigentlich muss es hier die Möglichkeit geben, sich den ganzen Tag im trockenen aufzuhalten und trotzdem ganz viel zu erleben. Meine Huevos Benedictos sind eine kleine Abwandlung herkömmlicher Egg Benedict. Lachs, Avocadomouse und eine würzige Sauce mit Chorizzo rundeten die Speise ab. Plötzlich stand eine junge, fröhliche Frau vor mir, textete mich zu und stellte ihren Teller auf der anderen Seite des Tisches ab, bzw. war fast davor dies zu tun, als sie die Verwechslung bemerkte. Ich versuchte alles, sie zum Bleiben zu überreden, alleine es nütze nichts. Später wollte ich ein wenig ruhen. Im Poolbereich war es mir zu laut, im Spabereich war es mir zu teuer. So relaxte ich ein wenig auf dem Zimmer. Ich kam erst nach 14 Uhr vor die Tür. Der Bahnhof ist in unmittelbarer Nähe zum Hotel. Es wäre gestern Nacht so einfach gewesen. Ich kaufte am Schalter ein Ticket nach Ueno und fuhr eine Station mit dem Zug bis dorthin. In diesem Bahnhof gab es eine Showtruppe, die Lose verteilte. Man musste sich einreihen. Ich zog natürlich eine Niete. Danach befriedigte ich meine Sucht und kaufte im zweiten Hardrock-Café von Tokyo den Rock-Shop leer. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen einen Local-Burger zu bestellen. Das einzige was ich hier nicht bekam, war Rockmusik. Es lief dieser fürchterliche Quitschie-Pop, der mich normalerweise aus jedem Etablissement flüchten lässt. Zum Schluss gab es noch eine fürchterliche Aufregung. Nun ja, ich regte mich auf. Japaner regen sich nicht auf. Sie sind so gefasst, dass es niemandem einfallen würde, bei Rot über eine Ampel zu gehen. Man tut das nicht! Das habe ich noch nie in irgendeiner Stadt, ob groß, ob klein, erlebt. Selbst Fahrradfahrer hielten sich daran. Der Grund der Aufregung war, dass man mir die Einlösung meiner Gutscheine verweigerte. Ich verstand das nicht, ergab mich aber in mein Schicksal. Wieder aus dem HRC draußen stellte ich mich wieder in die Reihe mit den Losen. Und verlor wieder. Der Weg zurück war sogar für meine Verhältnisse simpel. Ich musste nur am Schienenstrang entlanggehen, um zum Hauptbahnhof zu kommen. In diesem Viertel war auch jede Menge los. Selbst die Geschäfte hatten geöffnet. Ich fand eine Straße mit tausenden Restaurants, denen irgendwann Galerien folgten, ehe ich einsam und alleine weiterging. Dann kam ich abermals in ein wuseliges Viertel. Ich ging in einen Elektronikmarkt, der sich über 8!!! Etagen erstreckte. In meinem Leben habe ich noch nie so viele Regalmeter mit nur iPhone 7 Hüllen gesehen. Nur für das 7 waren mehrere Meter aufgebaut. Und das auf beiden Seiten und mindestens vier Regale. Wahnsinn! Nur für das... Die anderen Exemplare und Marken hatten eigene Regale. Die Fotoabteilung auf der 3. Etage machte sogar der Photokina Konkurrenz.
Ich kam alsbald aus dem Viertel wieder in ruhigere Gefilde und kam gegen 18:30 Uhr im Hotel an. Ich packte meine Taschen fertig, duschte und suchte mir etwas zu essen. Die Dame an der Horizon-Club-Lounge schickte mich nach draußen. Aber ich hörte nicht auf sie, sondern fuhr auf die 29. Etage, da hier das edle Nadaman beheimatet ist. Ich wählte das große Menu (es gab nur eins) und war überglücklich! Alles richtig gemacht! Diese Explosionen in der Mundhöhle, diese verschiedenen, exotischen Geschmäcker begeisterten mich. Das gezapfte Asahi-Beer war traumhaft lecker. Ich bestellte ein Glas Sake, der, ich hatte es bereits erwähnt, im Sommer kalt serviert wird. Alles wurde sensationell gut angerichtet. Ohne Übertreibung, dies war eines der besseren Restaurants, in denen ich je war. Nur ein kleines Beispiel: das Sushi, welches in der Mitte Thunfisch beherbergt und von Gurke begleitet wird, final von einem Algenblatt eingepackt ist, kennen wir alle. Aber hier sind noch Kräuter eingearbeitet, die das Erlebnis wirklich perfekt machen. Ein Aha-Erlebnis der besonderen Art. Gegen 22:30 Uhr war man froh, als ich ging, war man doch schon auf Feierabend eingestellt. In der Bar genehmigte ich mir noch ein Bier und war noch vor 24 Uhr im Bett.

Montag, der 26. Juni 2017
Klar wurde ich dann gegen 6:20 Uhr wach. Ich ging es gemütlich an. Meine Henkersmahlzeit nahm ich auf der obersten Etage ein. Na klar, meine Lieblingsspeise, immerhin seit gestern, vorher kannte ich das ja nicht, Eggs Huevos Benedictos mussten verzehrt werden. Der Regen verzog sich und man konnte den Skytree und die Bucht von Tokyo erblicken. Der Kartenkauf und der Weg zur Hamamatucho-Station waren locker bewerkstelligt. Etwas komplizierter wurde es, als ich den Bahnanbieter wechseln musste. Das konnte man nur mit dem JR-Ticket. Dieses hatte ich wohl verloren. Ein Mitarbeiter ließ mich dennoch passieren und ich kaufte für 490 YEN eine Karte für die Monorail-Schienenbahn bis zum Haneda-Airport. Lufthansa schickte mich laut Handy-Bordkarte zum Terminal 1, obwohl es ein internationales Terminal gab. Als ich dort war, musste ich mich entscheiden. Südflügel, Nordflügel? Völlig egal! Natürlich musste ich zum International-Terminal. Ein Shuttlebus brachte mich dann dorthin. Der Flughafen ist riesig. Es gibt nämlich auch ein drittes Terminal. Alle mit mehreren Flügeln, alle weit voneinander entfernt. Ich checkte ein, passierte die Ausweiskontrolle und wurde am Sicherheitsgate Zeuge einer Unglaublichkeit. Hier flippte eine japanische Frau völlig aus. Sie schrie die Securitymitarbeiterin an. Diese lächelte auch noch, als sie geschlagen wurde. Nun kam ein Polizist dazu, der aber auch nur leise auf das wütende Etwas einredete. Ich weiß nicht, wie diese Episode ausging, da ich den Schauplatz verließ. Von meinem Warteplatz hatte man einen wunderbaren Blick auf einen Teil des Vorfeldes. Eine ANA-Maschine war als R2-D2 bemalt und trug den Schriftzug "Star Wars". Lustige Episode! (für Fans ein Insider). Ich muss eingenickert sein, denn plötzlich war es 12:15 Uhr. Jetzt waren es nur noch 75 Minuten bis zum Check-in. 11975 Kilometer, 11:45 Stunden waren die Eckdaten vor dem Start. Nachdem der Start erfolgt war, konnte ich von meinem Sitz wunderbar auf das Betonmeer gucken. Nördlich Vladivostok, sehr weit nördlich, erreichte die Boing 747-800 wieder Festland. Von meinem Platz konnte ich auf den Nordpol gucken. Wenn da die doofe Erdkrümmung nicht wäre. Dann stellte ich die Zeit um sieben Stunden zurück und schon landeten wir um 18:50 Uhr in Frankfurt. Ich ging bis zum Gepäckband zu Fuß, endlich konnte ich etwas laufen. Am Laufband stand ich dann wieder. Mehrere Gepäckstücke kamen schon an mir vorbei und mir war klar, der Zoll hatte mein Gepäckstück in Begutachtung. Nachdem so gar nichts passierte, außer dass viele andere Koffer an mir vorbeidefilierten, fiel es mir schlagartig wieder ein. Ich musste ja zum Airrail-Terminal zwischen Flughafen und Bahnhof. Ich war sehr froh, dass mein Koffer noch nicht da war, so hatte ich keine Zeit verloren. Der Zug nach Köln kam fast pünktlich und ich konnte wieder sitzen. Was ich eigentlich gar nicht wollte, war ich doch im Flieger schon in einer Zelle gefangen gewesen. Ich bestellte mir einen Pfefferminztee und bekam dazu ein Päckchen Zitronensaft aus Zitronensaftkonzentrat gereicht. Ah ja, also erst Saft, dann Konzentrat, dann wieder Saft. Verstand ich das richtig?
Expedia wollte wissen, wie ich mit dem über sie gebuchten Hotel zufrieden war. Das wollte das Hotel auch. Das andere Hotel wollte dies auch und erst recht die Lufthansa über den Hinflug. Ja spinnen die denn alle? Ich habe alle Umfragen nicht beantwortet.
Habe ich für die Eintrittskarte viel Geld bezahlt, damit ich für mein erstes Japan-Konzert einen Beweis habe, fiel mir daheim dann auf, dass ich genau dieses edle Stück verloren hatte. Keiko war so nett und schickte mir ihre Karte zu.