Patagonien und Buenos Aires

Sonntag, der 17. Dezember 2017
Morgens, um 7:45 Uhr wurde ich zum argentinischen Flughafen von Iguazú gefahren. Hier wurde ich nicht nur für den Flug nach Buenos Aires eingecheckt, sondern auch für den morgigen Flug nach Comodore Rivadavia. Man teilte mir Platz 11 L zu. Oh, F kenne ich, sogar H, aber L? Natürlich saß ich nicht auf der Tragfläche. Bei der Hitze jetzt schon vielleicht auch kein schlechter Platz. Der Flug war ziemlich unruhig, aber die Landung war sehr schaukelig. Der Pilot musste mit hoher Geschwindigkeit landen, um Seitenwinden ein Schnippchen zu schlagen. Dementsprechend hart war die Bremsung. Der Transfer war unspektakulär. Im Hotel Bristol war die Gruppe schon in einem Raum versammelt und Claudio, unser Reiseleiter, erklärte den anwesenden Reiseteilnehmern die ersten Schritte in Argentinien. Wir bezogen unsere Zimmer, trafen uns aber eine Stunde später wieder in der Lobby. Eine Stadtführerin gesellte sich zu uns und wir gingen vom Hotel aus los. Vom Obelisken ging es zum Plaza de Mayo, das Herzstück von Buenos Aires. Hier statteten wir der Kathedrale einen Besuch ab. Zwischendurch überholte uns in gemächlichem Tempo ein Rollstuhlfahrer. Das machte Mut für die Wandertour. Dies sorgte natürlich in der ganzen Gruppe für Lacher. Später schlenderten wir durch eine Straße, in der tausende Stände mit allerlei Krimskrams aufgebaut waren. Die Stadtführerin erzählte, dass die Argentinier ein sehr stolzes Volk sind und eigentlich die Besten der Besten sind. Die Amerikaner wären in der Erhöhung der Dinge von den Argentiniern beeinflusst. Selbst wenn etwas klein ist, ist es das kleinste, aber großartigste Teil der Welt. Auf einem Platz wurde Tango getanzt, was wir uns kurz anguckten. Dann fielen wir gegen 18 Uhr in die/das Parilla-Restaurante Des Nivel ein. Hier gab es gegrilltes Fleisch und Fleisch und Fleisch. Wer wollte, konnte auch Flei*** - es ist bestimmt klargeworden, um was es hier ging?! Ein Mädel aus unserer Gruppe bestellte sich nämlich Fisch. Und der war paniert. Der arme Fisch! Dazu gab es etwas Salat für alle und Pommes Frittes. Dann ging es zurück ins Hotel, an dem wir gegen 21 Uhr ankamen. Kompliment an die Truppe, denn die hatten einen megalangen Tag mit Anreise hinter sich.

Montag, der 18. Dezember 2017
Dulce de Leche ist eine klebrige Masse aus Milch und Zucker. Gestern wurde uns in dem Gewusel an einem Verkaufsstand etwas zum Probieren gegeben. Als ich Claudio sagte, es schmeckt wie Karamell, bekam ich einen bitterbösen Blick zugeworfen. Natürlich mit Augenzwinkern. Und eben dieses Dulce de Leche befand sich in meinem Hörnchen, das ich mir zum Frühstück gönnte.
Als wir uns um 9 Uhr trafen, erläuterte uns Claudio, dass es ein echtes Problem gäbe. Ein Generalstreik legte ab 12 Uhr die gesamte Stadt lahm. Die Fluggesellschaften hatten schon am Sonntag um 23 Uhr den Betrieb eingestellt. Das bedeutete für uns, dass wir diese Nacht nicht weiterfliegen würden. Wo, und ob überhaupt wir schlafen würden, stand zu dem Zeitpunkt noch nicht fest. Ein Guide für den heutigen Tag, holte uns ab und wir fuhren bis zum Bahnhof mit der U-Bahn. Diese war für einen Montagmorgen nur mäßig frequentiert. Da hatte ich wahrlich andere Geschichten gehört. Der Zug der Line C war dafür stadtauswärts gut besucht, da die Menschen wieder in ihre Wohnungen fuhren. Unsere Fahrt zur Station Tigre dauerte ungefähr eine Stunde. Hier bestiegen wir als öffentliches Verkehrsmittel ein Busboot. Es gibt wahrlich hässlichere Wohngegenden auf der Welt. Auf einer Insel im Delta stiegen wir aus und gingen keine Stunde zu Fuß über das Eiland. Georg weihte die Wandertour ein, indem er auf dem Schlamm, der durch Hochwasser gestern hochschwappte, ausrutschte. Im Restaurante El Hornero saßen wir wunderbar unter einem grünen Blätterdach Goldregen und bekamen natürlich Fleisch. Die gegrillte Blutwurst war der Hit. Abweichend zu Filet und Schulter, gab es auch Pollo zur Abwechslung. Allerdings gab es auch mehr Salat und eine wundervolle Aioli. Hier fühlten wir uns alle pudelwohl. Im Fernsehen sah ich Livebilder aus der City. Jetzt war es nicht mehr so ruhig. Steine- und Wasserwerfer überall. Bei uns war es viel friedlicher. Gegen 15 Uhr wurden wir auf zwei Taxi-Boote verteilt und zurück zur Tigre-Station geschippert. Hier bekamen wie 15 Minuten Pause, ehe es mit einem Boot, auch öffentlich, nach Buenos Aires zurückging. Tolles Wetter, toller, hellblauer Himmel, den kein Kondensstreifen durchzog, da ja keine Flieger fliegten. ;-) Gegen Ende der Überführungsfahrt öffnete sich der Rio de la Plata zu enormer Größe. Von Buenos Aires bis Uruguay wird er bis zu 220 Kilometer breit. Ein Fluss wohlgemerkt. Hammer! Natürlich der breiteste Fluss der Welt, wie die Argentinier jetzt sagen würden. Nach 2 Stunden Fahrt langten wir im Fährhafen an und gingen zurück zum Hotel Bristol. Wegen dem Streik nahmen wir nicht den direkten Weg. Allerdings normalisierte sich das Leben wieder. Wir bekamen im Hotel unsere Zimmerkarten zugeteilt und gingen dann direkt zur Pizzeria La Gatto (die Katze), da wir alle heute kein Fleisch mehr wollten.

Dienstag, der 19. Dezember 2017
Der Tag begann ohne Reiseleiter. Ob und wie Claudio nach Comodore Rivadavia weggekommen ist, wusste noch nicht mal ich. Ich war nämlich seine Kontaktperson. Als ich noch einen Kaffee im Café Alma trank, meldete er sich und kündigte an, gleich zu uns zu kommen. Die Überraschung war gelungen. Gut, dass Claudio da war, denn unser angekündigter Guide für heute hatte sich abgemeldet. In Buenos Aires war zwar der politische Streik zu Ende, da das Gesetz, gegen das demonstriert wurde, an diesem Morgen vom Parlament verabschiedet wurde, allerdings fuhren noch keine U-Bahnen und auch andere Institutionen waren noch im Streikmodus. Die wahrlich schlechte Nachricht kam aber noch: es regnete. Die Gruppe hatte ihre Regenjacken an und wir trotteten jetzt schon wie in Patagonien durch den Regen. Nur Claudio und ich waren Optimisten und gingen mit Polohemd bekleidet raus. Das rächte sich. Auf unserem Weg lagen zwei erwähnenswerte Bäume, die zur Familie der Gummibäume gehörten. Das Blätterdach war riesengroß, dabei waren die Bäume „nur“ 150 und 200 Jahre alt. Das Highlight war der Friedhof im Stadtteil Recoleta. Claudio wusste von vielen Geschichten zu berichten. Evita Perón war hier beerdigt, aber auch die reichsten der reichsten Familien Argentiniens hatten hier beeindruckende Mausoleen. Wir fuhren mit dem Bus zum Hotel zurück, trockneten uns soweit es ging und verabschiedeten uns von Claudio, der vor flog. Wir gingen zum Café Tortoni, ein Café im Art-Deco Stil. Auf jeden Fall war es hier drinnen trocken. Alleine ging ich nochmal in Richtung Friedhof von Recoleta zurück, da genau daneben ein HRC untergebracht war. Den Friedhof besuchte ich auch noch Mal, da es nicht mehr regnete. Auf dem Weg zurück begegnete ich dem Gros unserer Truppe. Wir gingen noch umher und enterten dann ein Lokal. Um 21 Uhr wurden wir von einem Bus zum Flughafen gefahren. Der verschollene Guide war auch dabei. Er gab freimütig zu, dass er wegen dem Regen heute daheimgebliebenen ist. Nachdem er uns am Schalter abgegeben hatte, war er wieder weg. Auch das rächte sich. Am Check-In Schalter wurde von einem Mitreisenden die Buchungsnummer nicht gefunden. Die Maschine war bis auf den letzten Platz belegt und man wollte ihn nicht mitnehmen. Ich kontaktierte Claudio, der alle Hebel in Bewegung setzte, um ihn irgendwie mitzubekommen. Es half alles nichts, das nächste Flugzeug würde erst am 25.12. einen freien Platz haben. Der Guide kam zurück und nahm sich dem Armen an. Die gesamte Truppe hatte fast bis zum Schluss noch auf uns gewartet, war aber rechtzeitig eingecheckt. Ich musste später auch zusehen, dass ich zum Boarding kam. Kurz flammte Hoffnung auf, da vor mir ein Platz frei blieb. Die Stewardess bestätige, dass das Boarding abgeschlossen sei. Ich ging sofort nach vorne, um das abzuklären. Leider kamen noch zwei Passagiere auf den letzten Drücker in den Flieger. Da war es endgültig vorbei. Um 23:15 Uhr rollten wir relativ pünktlich los, leider mit einem Mann weniger.

Mittwoch, der 20. Dezember 2017
Der Flug schaukelte einen in den Schlaf und gegen 2 Uhr trafen wir Claudio wieder. Mit einem Bus ging es in ein Hotel von Comodore Rivadavia, in dem wir für die halbe Nacht untergebracht wurden. Um 8:30 Uhr ging es schon wieder weiter. Da blieb für ein Frühstück und die Körperpflege nicht viel Zeit. Diese wurde uns aber zum Einkauf zugestanden. Der Bus mit unserem Fahrer holte uns ab und wir fuhren in Richtung Anden, also nach Westen. Der Wind nahm zu und wir blieben unserem Glück treu. Eine Frontscheibe vom Bus drückte sich wegen dem Wind aus ihrer Verankerung. An einer Tankstelle, natürlich geschlossen, da man sich mit dem Generalstreik solidarisch zeigte, warteten wir auf einen neuen Bus, welcher aus Comodore Rivadavia losfuhr. Aus einer Stunde wurden zwei, aber es kam tatsächlich ein Austauschbus. Um 13:15 Uhr ging es weiter. Es dauerte nicht lang, da stoppte Pedro, da ein Scheibenwischer nicht mehr ausging. Wir kamen an Straßensperren vorbei, die von Demonstranten errichtet wurden. Als touristische Gruppe aus Aleman ließ man uns aber jedes Mal passieren. Im Nationalpark von Sarmiento schauten wir uns auf einer kurzen Wanderung den versteinerten Wald an. Hier kamen wir mit dem berüchtigten Wind das erste Mal in Kontakt. Bei uns würden Orkanwarnungen herausgegeben, hier ist das normal. Keine Böen, sondern ein ewiger Wind, mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Über unserem heutigen Guide lachte ich mich kaputt. Er war über 84 Jahre alt und hat vor 10 Jahren für zwei Jahre die Schulbank gedrückt, um Touristenführer zu werden. Sein Wissen teilte er uns mit, in dem er mit dem Zeigefinger auf Schautafeln wischte. Warum er dafür zwei Jahre auf der Schu..., ach, lassen wir das. Zwischendurch mussten wir an einer Brücke länger stoppen, da ein Feld in Flammen stand. Spät kamen wir erst in Los Antiguos an. Alle Zimmer hatten Blick auf den Lago Buenos Aires. Nachdem wir uns kurz auf den Zimmern frisch gemacht hatten, fuhren wir zum Restaurante Taura. Ich bekam eine superleckere Seeforelle mit Muscheln. Das bisher beste Gericht im Urlaub. Nett bedient wurden wir auch noch. Schade, dass wir nur für diese Nacht hiergeblieben waren.

Donnerstag, der 21. Dezember 2017
In das Hotel kamen wir erst kurz nach Mitternacht zurück. Ich schlief bei offenem Fenster und ließ mich durch das gleichmäßige Rauschen vom See in den Schlaf wiegen. Um 5:45 Uhr wurde ich kurz wach und sah eine wunderschöne Färbung über den See und die Andenkette in der Ferne. Leider fuhren wir an diesem morgen früh weiter. Ein kurzer Stopp wurde am Lago Buenos Aires eingelegt. Ich war völlig fasziniert vom Wellengang. Auf einem Bild gibt es keinen Unterschied zu einer Meeresbrandung. Auf dem Gelände der Estancia Casa Piedra meldeten wir uns an und nahmen zwei spanische Touristinnen ein Stück im Bus mit. Eine Film-Dokumentation hätte keine besseren Bilder liefern können. Rinder und Schafe wurden von drei Gauchos zusammengetrieben, ein Guanako stand dekorativ auf einer Hügelkuppe. Der Einzige, der nichts mit der Wildheit anfangen konnte, war unser Fahrer, obwohl schon 4X4 eingelegt, mühte er unseren Bus über die Schotterpisten. Irgendwann war Schluss mit Gemütlichkeit und es ging in die Natur. Es ging anfangs gemütlich abwärts, ehe es ziemlich steil nach unten ging, verstärkt durch losen Sand und Schotter. Unten angekommen liefen wir an einem Fluss entlang. Die Gegebenheiten konnten besser nicht sein. Schönstes Wetter begleitete uns die ganze Zeit. Gegen Mittag machten wir eine kurze Rast. Hiernach ging es noch kurz auf ebenem Weg weiter, danach ging es steil nach oben. Wir waren im Aufstieg zu den Cuevas de las Manos. Hier bekamen wir Helme auf und schauten uns Jahrtausende alte Wandmalereien an. Die Besonderheit hier sind Abdrücke hunderter Hände. Aber auch Jagdszenen und andere Darstellungen, welche das tägliche Leben darstellte. Mit dem Bus ging es jetzt zur nächsten Übernachtungseinrichtung am Lago Posada. Einige Guanako-Herden kreuzten unseren Weg und wir legten einige Fotostopps ein. Am Abend erreichten wir, nach ungezählten Pistenkilometern, unser Ziel für die nächsten zwei Übernachtungen. Wir trafen uns gegen 21 Uhr zum Essen. Hier sahen wir endlich unser verlorenes Gruppenmitglied wieder. Er hatte eine zweitägige Odyssee über Santiago de Chile und einer sechsstündigen Autofahrt hinter sich.

Freitag, der 22. Dezember 2017
Heute konnte man locker ausschlafen, denn es gab erst ab 8:30 Uhr Frühstück. Obwohl das Wort Frühstück vielleicht etwas zu positiv klingt. Obst war Fehlanzeige. Ich holte noch ein Lunchpaket ab und um 9:30 Uhr fuhren wir kurz zum Lago Posado. Eine tolle Wanderung begann. Immer wieder hoch und runter, über Stock und Stein, ging es immer in der Nähe vom Ufer entlang. Das Wetter war herrlich, allerdings (muss ich es betonen?) sehr windig. Mittags legten wir eine kurze Pause ein. Danach gingen wir wieder ins Landesinnere und durchquerten später die kleine Wüste Laguna del Desierto. Ein toller Platz. Gegen 16:30 kam uns Pedro abholen und wir fuhren an einen natürlichen Damm, der aus einem See Zwei machte, nämlich den Lago Posada und den Lago Pueyrredon. Für den Fahrer bedeutete es abermals Schwerstarbeit, als wir eine kleine Brücke überquerten. Das Geländer war für uns weder rechts noch links zu sehen. Für Steine Sammler war das hier ein Paradies, mir war es hier zu windig und als Sammler kleiner Felsbrocken bin ich auch nicht wirklich bekannt. Auf Schotterpisten ging es zurück ins Dorf. Dann ging ich noch durch das Dorf, was eher eine bescheidene Exkursion war. Aber die Sonne schien immer noch. Am Abendessenstisch war es lustig und gegen 23 Uhr sprang spätestens jeder in sein Bett.

Samstag, der 23. Dezember 2017
Um 8:45 Uhr waren wir dann auf der Piste. Eine lange Überführungsfahrt stand an, daher die frühe Abfahrt. Ein paar Guanakos und ein Fuchs waren zu sehen. Bei herrlicher Sicht machten wir einen Fotostop, um uns in der Ferne schneebedeckte Gipfel anzugucken. Zwei Kondore schauten uns dabei aus sicherer Höhe zu. Im Dorf Bajo Caracoles bekamen wir wieder Asphalt unter die Pneus. Die Straße verlief eigentlich nur schnurgerade. Kurven waren Mangelware. Einmal musste der Fahrer kräftig in die Eisen treten, als ein Gürteltier die Fahrbahn kreuzte. Der Tag der Tiere wurde kurz danach noch von einem Choique komplettiert. Das ist die südamerikanische Art vom Vogel Strauß. Allerdings hat ein Choique viel kürzere Beine, aber die selbe Körperform. In Gobernador Gregores legten wir einen Tankstopp ein. Der Besuch einer Bank war wenig erfolgreich, da die ATMs uns Europäern kein Geld herausgaben. Viel später gab es abermals einen Halt im Dorf Tres Lagos. Knapp hundert Kilometer vor El Chaltén kamen wieder weiße Gipfel der Anden in unser Blickfeld. Sehr beeindruckend! Am frühen Abend erreichten wir El Chaltén. Der Bankautomat spuckte Geld aus und danach fuhren wir ans andere Ende vom Dorf und bekamen unsere Zimmer in der Pudu Lodge. Claudio empfahl uns die La Cerverceria. Hier waren Bier und Essen sehr lecker. Die Runde war wieder ausgesprochen fröhlich.

Sonntag, der 24. Dezember 2017
Gegen 7:30 Uhr war ich beim Frühstück. In Patagonien lohnt es nicht über Frühstück zu reden. Um 9:00 kam uns unser heutiger Wanderführer abholen. Es ging direkt in einen Anstieg. Nachdem dieser überwunden war, gingen wir auf und ab, in der Summe aber stiegen wir höher. Wir durchquerten einen Südbuchenwald, der schon im schönsten Wetter urig und verwunschen aussah. Wir bekamen Besuch von einem Specht-Paar, die eher wie Stare aussahen. Aber auch richtig schwarze Spechte mit rotem Kopf waren nicht weit weg. Die heutige Tierwelt komplettierte ein Kondor am Himmel. Mehr brauchte es auch gar nicht, da die Natur an sich schon beeindruckend genug war. Am imposantesten schaute einen der Berg Solo an. Dann das Massiv vom Fitz Roy. Nur der Cerro Torre ließ sich nicht blicken. Nicht weit von unserem Tagesziel nahm der Wind zu. Ich stülpte meine Windjacke drüber. Kurz vor Erreichen der Laguna del Torre nahm der Wind dann Orkan-Geschwindigkeit auf. Durch aufgewirbelten Sand gab es ein kostenloses Peeling im Gesicht und auf den Waden. Im See lagen bläulich schimmernde Eisbrocken, die von der Gletscherzunge abgebrochen waren. Diese kurzlebigen Edelsteine wurden von peitschenden Wellen schwer mitgenommen. Was für Naturgewalten! In einem windgeschützten Waldstück machten wir Pause und gingen auf einem kleinen Pfad zurück, ehe wir wieder den alten Weg fanden, den wir aber auch wieder verließen, um fast genau am Hotel auszukommen. Begeistert waren wir alle! Das Weihnachtsessen nahmen wir am besten Haus am Platz ein. Man braucht jetzt nicht denken, dass es im La Tapera vornehm zuging. Der Cheffe trug immerhin ein AC/DC-T-Shirt. Hier konnte es nicht schlecht sein. Als Vorspeise gab es einen Shrimps-Cocktail. Der einzige Shrimps war am Guacamole-Glas befestigt. Dazu gab es leckeren Toast mit Zwiebeln belegt und Tomaten. Das Lomo, Rinderfilet, war superzart und richtig lecker. Die Krone setzte allerdings die Schokoladenkugel auf. Diese wurde mit heißer Schokolade übergossen und fiel dabei in sich zusammen. Zum Vorschein kam eine Kugel mit Kirscheis. Bevor wir alle platzten, erreichten wir gegen 24 Uhr unser Hotel.

Montag, der 25. Dezember 2017
Die ganze Nacht hatte es geregnet, jetzt war es zwar bewölkt, aber trocken. Wir fuhren bis El Pilar, einem Hotel in einem Seitental, gefühlt 40 Kilometer weg. Durch einen tollen, urigen Wald ging es stetig bergauf. Nach vier Kilometern erreichten wir eine Hochebene und es wurde eben. Na ja. Ein Specht ließ sich von uns aus nächster Nähe bei seiner Futtersuche beobachten. Wir kamen dem Massiv vom Fitz Roy immer näher. An einer Markierung teilten wir uns in zwei Gruppen. Die eine ging bis zur Laguna de los Tres auf ca. 1.150 m Höhe, einem Gletschersee. Der zweiten Gruppe gehörte ich an. Wir gingen noch vier Kilometer recht eben durch Wald, ehe es vier Kilometer bis nach El Chaltén abwärtsging. Ein Weber-Fink ließ sich von mir fotografieren. Eigentlich findet diese Beobachtung keine besondere Erwähnung. Dieser neugierige Kerl setzte sich allerdings in Greifnähe über mir auf einen Ast. Berühmt ist er auch. Dieser Fink gehört nämlich zu einer der drei Arten, mit denen Charles Darwin die Evolutionstheorie erklärte. Wir trafen uns alle abends wieder. Nicht weit entfernt lag das Restaurante La Oveja Negra, das Schwarze Schaf. Dekorativ konnte man von draußen durch eine Glasscheibe große Stücke vom Tier über einer offenen Grillstelle brutzeln sehen.

Dienstag, der 26. Dezember 2017
Ich trank zwar im Hotel einen Tee und setzte mich zur Gruppe, allerdings tat ich dies schon im Stromsparmodus. Ich legte nämlich heute einen Ruhetag ein. Um 8:30 Uhr ging die Gruppe auf eine Wanderung zum Pliegue Tumbado, wo sie den Weitblick in das Gletschertal zwischen Fitz Roy und Cerro Torre genießen konnten, da allerschönstes Wetter sie begleitete. Mich natürlich auch. Ich suchte mir erstmal eine Lokalität, wo ich frühstücken konnte. Ich ging später durch das Dorf El Chaltén. Die Sicht auf den Solo, den Fitz Roy und, oh Wunder, den Cerro Torre war absolut klar. An der Touristeninformation sagte man mir wo die Post ist, aber auch, dass sie heute geschlossen ist. Dafür ließ sich die Klinke zum Office aber gut durchdrücken. Allerdings hatten sie keine Briefmarken! Eine Post hatte keine Briefmarken!?! Da die Beamtin nur Spanisch in Stakkato sprach, war eine Verständigung sehr schwierig. Gegen 12 Uhr kam ich an La Wafleria vorbei. Das traf sich aber gut, eine Waffel aß ich auch. Sie war kaum belegt. Nur etwas Sahne, etwas Beereneis und ein paar Kirschen zierten sie. Später traf ich noch Claudio in dem Laden, in dem ich mein Frühstück eingenommen hatte. Um 17 Uhr waren alle wieder zusammen und wir fuhren mit einem Mercedes Sprinter bin nach El Calafate, zu unserer neuen Unterkunft. Als wir das Hotel erreichten, meinte Claudio, dass wir uns im 20:45 Uhr zum Abendessen treffen sollten. Ich war völlig irritiert, was wir so lange machen sollten. Irgendwann realisierte ich, dass es schon nach 20:15 Uhr war. Eine kleine Gruppe ging in ein Restaurante direkt gegenüber vom Hotel. Als Gruß aus der Küche kamen Stücke vom Lamm! Und dann!!! ungelogen: eine Menge an Fleisch, wo wir alle ungläubig drauf guckten. Eine von uns bekam Spaghetti Bolognese. Die Portion war so groß, dass wir alle sie damit aufzogen, sie möge doch endlich anfangen zu essen. Sie ließ sich ein Doggypack packen. Da waren immer noch über 400 Gramm drinnen. Auf jeden Fall wurde viel gelacht und wir fühlten uns hier sehr wohl. Wir anderen schaffte es nicht, das ganze Fleisch aufzuessen. Zwischendurch kam dann auch noch gegrillte Rindswurst. Wahnsinn.

Mittwoch, der 27. Dezember 2017
Erst um 8 Uhr war Abfahrt mit dem Bus Wir bekamen heute einen weiblichen Guide. Sie führte heute ihre erste deutsche Reisegruppe. Einer von uns unterhielt sich mit ihr auf Spanisch. Ich fragte, ob sie bitte deutsch reden könnten und was sie gesagt hatten. Unser Guide sagte dann, dass er sie fragte, wo sie wohne. Das Gelächter war groß. Ich sah mehrere Charango-Geier und einen Schwarzbrust-Adler. Der erste Stopp war planmäßig, um über den Lago Argentinos zu gucken. Er ist drei Mal so groß wie der Bodensee. Der zweite Stopp war unplanmäßig, da sechs Kondore über uns kreisten. Nun, nicht über uns, eher für uns. Um 10 Uhr waren wir alle, ohne Reiseleiter, auf der Victoria Argentina, ein Boot, welches uns und Hundert andere, zum Perito-Moreno-Gletscher fuhr. Das war eine wunderbare Erfahrung. Das Wetter spielte mit und einen kleinen Abbruch konnte man auch erleben. Mit dem Bus ging es dann noch zehn Minuten weiter. Hier gingen wir einen Rundweg entlang und sahen hier das ganze Ausmaß von der Eiszunge. Um 14 Uhr sammelten wir uns wieder am Bus. Bisher hatten wir auch heute abermals tolles Wetter. Nach kurzen Instruktionen für den morgigen Tag schlief ich bis El Calafate durch. Es bildeten sich kleine Grüppchen zum Nachhauseweg. Unsere aß zuerst ein leckeres Eis, dann kaufte ich mir auf Anraten eines Reiseleiters neue Wanderstöcke. In einem Supermarkt deckte ich mich für drei Tage mit Wanderproviant ein, ehe es in das Hotel Hainen zurückging. Später ging es 200 Meter zum Restaurante Don Pichon. Spezialität? Fleisch!!! Claudio empfahl patagonisches Lamm, gegrillt an reduzierter Calafate-Sauce. Das war ziemlich lecker. Auf Initiative von Claudio sind wir zu viert zu Mattias gegangen. Das ist der Koch/Chef von gestern. Wir Zwei begrüßten uns wie uralte Freunde. Er selbst spielte Saxophon mit zwei Begleitern an der Gitarre. Danach ging es ins Bett.

Donnerstag, der 28. Dezember 2017
Ich wachte um 5:37 Uhr auf, wusste es nur nicht. Kurz vor 6 Uhr war ich dann im Frühstücksraum und wunderte mich, dass niemand anderer da war. Ich war auch deshalb irritiert, da schon alles fertig war, obwohl es erst ab 6:30 Uhr Frühstück gab. Um 12:30 Uhr waren wir am argentinischen Zoll. Gegen 13 Uhr waren wir in Chile. Der Grenzübertritt glich dem zwischen zwei deutschen Staaten vor vielen Jahren. Rucksack und Koffer wurden durchleuchtet. Dann wechselten wir vom argentinischen Bus in einen aus Chile. Als Zugabe bekamen wir eine neue Nationalpark-Guide dazu. Wie in „Willkommen bei den Scht‘is“ fing es, nach dem Grenzübertritt fürchterlich an zu regnen und zu stürmen. Auf der Weiterfahrt war ein Highlight die Sicht auf die Torres del Paine, ein anderes ein sehr blauer Bergsee. Am interessantesten waren aber zwei Herden Guanakos. Beim zweiten Stopp tanzten die Hormone der Tiere Samba und es ging richtig zur Sache. Wir erreichten gegen 17 Uhr unsere Estancia. Zu vier Männern teilten wir uns ein Zimmer. Es gab eine Einführung für den morgigen Wandertag, ehe wir essen gingen. Der Lachs mit Erbsenpüree war sehr lecker. Obwohl es noch hell war, war das Gros der Truppe um 22 Uhr schon auf den Zimmern.

Freitag, der 29. Dezember 2017
Die Nacht verlief ohne Schnarchen und sonstigen Zwischenfällen. Unter meinen vier Decken war mir auch nicht kalt, obwohl man das durch das offene Fenster und den Sturm erwarten konnte. Um 7:45 Uhr war Abfahrt. Um 8:15 Uhr brachen wir dann zur Wanderung auf. Zwei Stunden später waren wir klitscheklatschenass am Refugio Chileno angekommen. Wir entschieden nicht höher zu gehen, da die Schneegrenze sehr niedrig war und zwei Ranger gerade den Weg nach oben sperrten. Hose und Schuhe von mir waren nicht mehr trocken, aber die Wetterjacke leistete gute Dienste. Das Brötchen und eine Cola sollten hier auf der Berghütte 18 USD kosten. Nein, da habe ich mal abgelehnt. Dafür warf mir Claudio einen Orangensaftkarton und ein Brötchen mit Salat rüber. Für lau. Als wir aus der Hütte traten sahen wir ein Huemul. Das ist eine südamerikanische Hirschart. Claudio war hin und weg, hatte er hier im Park noch nie eines dieser possierlichen Tierchen gesehen. Der Abstieg begann mit einem Aufstieg, aber es war natürlich derselbe Weg zurück. Das Wetter war jetzt etwa gnädiger, aber immer noch mit Regenschauern versehen. Am Bushalteplatz waren meine Klamotten aber schon trocken. Punkt 15 Uhr erreichten wir die Unterkunft Cabeñas del Paine, am Ufer des Río Serrano gelegen. Von hier öffneten sich wundervolle Ausblicke auf die Torres del Paine-Gebirgskette. Wenn sie nicht durch Wolken verhangen wären.

Samstag, der 30. Dezember 2017
Das Frühstück war für patagonische Verhältnisse mehr als ausreichend. Statt Toast mit Käse und Schinken oder Schinken und Käse, gab es zwar auch Schinken und Käse, aber auch Salami, Rührei und Obstsalat. Zuerst fuhren wir zum Informationszentrum vom Nationalpark. Danach ging es zum Lago Grey. Wir starteten hier eine ca. zweistündige Wanderung. Man konnte auf den Glacier Grey gucken. Das war aber nicht das Spannendste. Ein riesiger, wundersam bläulich schimmernder Eiskoloss lag vor einer Felsspitze, die wir umrundeten. Auf dem Rückweg beobachteten wir einen Kondor, der sich in einer Felswand das Gefieder trocknete. Weiter ging es dann zum Lago Nordenskjöld. Dieser lag immer noch in Südamerika und nicht in Skandinavien, auch wenn der Name das vermuten lässt. Hier blies uns ein harter Wind entgegen. Auch diese Wanderung war knapp zwei Stunden lang. Eine Herde Guanakos äste am Wegesrand und ließ sich fast nicht stören obwohl auch ganz junge Lämmer dabei waren. Am Wendepunkt der Wanderung guckte man auf das Massiv der Cuernos del Paine. Am Tor des Nationalparks verabschiedeten wir uns von unserer Nationalpark-Guide, die hier abgeholt wurde. Wir fuhren zum Hotel zurück. Um 19:30 Uhr gab es eine Einweisung für die nächsten Tage. Das hier jetzt aufzuzählen macht kaum Sinn, da ich ja darüber berichten werde. Nach dem Abendessen saß ich noch mit Claudio zusammen, da alle anderen schon von dannen geschlichen waren.

Sonntag, der 31. Dezember 2017
Vor dem Haus stand ein Hengst und äste. Und pinkelte. Was für eine Begrüßung. Wir kamen überpünktlich von unserer Unterkunft am River Serrano weg. Um 11 Uhr erreichten wir Puerto Natales. Mehrere Schwarzhalsschwäne schwammen Spalier. Im Dorf bekamen wir eine Stunde Freizeit geschenkt. Ich ging in die Kirche, in der gerade eine Messe stattfand. Dann ging ich noch etwas bummeln. Wirklich erheiternd war es hier nicht. Das lag nicht nur am windigen Wetter. Am Meer gab es einen Platz an dem WiFi angeboten wurde. Ich wählte ZonaChile, da mir der Provider Slave nicht geheuer war. Gegen Mittag Uhr befanden wir uns auf der Ruta fin del Mundo, die Straße am Ende der Welt. Im Ort Villa Tehuelches, benannt nach den Ureinwohnern, gab es eine kurze Pause. Nachmittags erreichten wir unser Hotel Plaza in Punta Arenas. Zu Zweit drehten wir eine Runde durch die Stadt. Wir gingen an das Denkmal von Herrn Magellan und besuchten die nach ihm benannte Wasserstraße. Anfangs bekamen wir noch Regentropfen ab. Das Wetter kehrte sich aber um und ich krempelte die Arme vom Hemd hoch. Um 20 Uhr trafen wir uns alle in der Lobby, um mit einem Bus zur Estancia Rio de los Ciervos zu fahren. Wir bekamen einen Film im alten Hühnerstall zu sehen, der die Besiedelung in patriotischen Tönen lobte. Hier gab es auch einen Gang mit mehreren Schaufenstern, der die Besiedelung vom ersten Anlanden und der Pionierleistung zeigte. Dann ging es in das Haupthaus. Hier wurde noch geschmückt. Die Zahl 2018 war noch unvollständig. Mehrere Tische waren eingedeckt und ein Buffet wartete auf uns. Langsam füllte sich der Saal mit sehr gut angezogenen Menschen. Der Kontrast zu unseren Wanderhemden und -Schuhen konnte größer nicht sein. Kinder wuselten um unseren Tisch herum, ein DJ legte noch verhaltene Rhythmen auf. Hier gefiel es uns. Extrem lecker war das Ceviche. Das ist roher Fisch, egal welcher, gebeizt in Zitrone. Die Stimmung war gut, hatte aber mit dem was dann kam nichts zu tun. Kurz vor 24 Uhr wurden Partyhütchen, Masken, Krawatten-Attrappen und Pfeifen verteilt. Da machten von uns alle mit. Die Uhr wurde runter gezählt, ein DJ drehte die Regler hoch…

Montag, der 01. Januar 2018
…und dann begann die Party. Auch die anderen Tische legten den Schalter um. Der ganze Saal schüttelte die Muskeln auf der Tanzfläche aus. Ob jung, ob alt, völlig egal, es wurde fröhlich getanzt. Selbst eine Polonaise bildete sich. Wirklich klasse war die Feierlaune in unserer deutschen Gruppe. Wir haben bestimmt zur positiven Wahrnehmung deutscher Bürger im Ausland beigetragen. Ich weiß nicht genau wann wir im Bett waren, aber der Wecker ging definitiv zu früh. Der Reisebus kam uns direkt am Hotel abholen. Was für ein Service. Gegen 9:30 Uhr waren dann auch weitere Passagiere an der Haupt-Busstation eingestiegen und der Bus setzte sich in Bewegung. Um 11:30 Uhr fuhren wir auf die Fähre. So richtig just in time. Kaum fuhren wir auf das Schiff schloss sich die Rampe und los ging es. Hier war mit vier Kilometern die engste Stelle der Magellanstraße. Keine zwanzig Minuten später betraten wir den Boden von Feuerland. Dann ging es mit dem Bus wieder weiter. Um 15:10 Uhr hatten wir die chilenischen Ausreiseformalitäten erledigt und es ging mehrere Kilometer bis zum argentinischen Grenzposten. Auch hier ging es ganz zügig mit den Einreisestempeln vonstatten. Alle waren im Bus und es konnte weitergehen. Wäre dem Zoll da nicht die Idee gekommen, dass wir unser gesamtes Gepäck durchleuchten lassen sollten. Fehlten in Patagonien die großen Schafherden, nachdem drei Vulkanausbrüche kurz hintereinander die Population dezimierte und die Haltung unrentabel machte, sah man auf Feuerland große und kleine Herden. Das Land war relativ eben und man konnte mehrere Kilometer in jede Richtung gucken. Bäume waren Mangelware. Alles schimmerte in vielen Beige- und Grüntönen. Ab und an tauchte der Atlantik links auf. Das Ganze wurde noch mit einem weißblauen Himmel gekrönt. Ganz allmählich wandelte sich die Landschaft. Wälder mit Südbuchen tauchten auf. Um 19 Uhr gab es einen Tankstopp. Ab hier waren es noch 100 Kilometer bis Ushuaia. Jetzt wurde die Überführungsfahrt aber richtig lang. Vor Ushuaia musste der Bus die südlichen Anden überqueren. Hier waren wir wieder in einer absoluten Bergwelt unterwegs. Schneebedeckte Gipfel, Wälder an den Hängen und blaue Seen. Einfach wunderschön. Alleine das Wetter änderte sich jetzt. War den ganzen Tag Sonnenschein, regnete es hier. Wenn nicht, war alles von Wolken verhangen. In Ushuaia angekommen wechselten wir den Bus. Hinterm Beagle-Kanal sahen wir den hellsten, leuchtesten Regenbogen ever! Da wir erst sehr spät ankamen, gingen wir in das Restaurante Mi Vida in der Nähe. Es gab Salat, Aufschnittplatte, gefüllte Espanadas und Erbsensuppe.

Dienstag, der 02. Januar 2018
Nach der Einfahrt in den Tierra del Fuego Nationalpark besuchten wir das südlichste Postamt der Welt. Hier ließen wir uns einen Stempel in den Reisepass drücken. Kostete schlappe 50 Pesos. Aber es gab dazu einen Aufkleber, wie eine Briefmarke gestaltet, mit dem Konterfei des Beamten! Das war neu. Der Nationalpark wollte das Geschäft in der Vergangenheit an sich ziehen, aber der Postbeamte war schlauer. Kurzerhand baute er einen Steg über den Strand. Denn über dem Strand gehört nicht zum Park. Danach begann die Wanderung durch einen verwunschenen Wald. Am Evergreen Beech Tree, auf Spanisch Cohiue genannt, sahen wir uns die Knoten, verursacht durch schwammig aussehende Pilze, an. Die Knoten entstehen als Gegenmaßnahme zu den Pilzen und sind hartes Holz, welche den Eindringling umschließen. Dann kamen wir wieder in den Bereich der Südbuchen. Diesmal hatte es mich erwischt. Auf einem Wurzelgeflecht rutschte ich aus. Zum Abstützen benutze ich die rechte Hand. Diese war im Laufe der weiteren Wanderung nur noch unter Schmerzen zu bewegen. An unserem Pausenpunkt an der Lapataia Bay wartete ein Chimango Caracara auf Futter der Touristen. Das ist ein Falke. Er kam auf einen Meter heran. Im Besucherzentrum gab es wieder einen Stempel vom Nationalpark in den Pass. Der war kostenlos. Wir machten noch einen Stopp, auf Wunsch von Christiane, am Ende der Ruta 3. Hier ist der südlichste Punkt dieser Straße, die in Buenos Aires begann und zur Panamericana gehört. Gegen 15:30 Uhr waren wir wieder im Hotel. Hier pflegte ich mich etwas. Nicht dass es meinem Zeh wieder sehr gut ging, aber das schmerzende Handgelenk brauchte ich jetzt nicht. Da wurde sogar Strumpfanziehen zu einer Qual. Um 17 Uhr bestiegen wir zu Dritt ein Taxi ins Centrum von Ushuaia. Nach dem Besuch vom Hardrock Café stolperte ich über eine Stufe im Asphalt. Ich musste mich abstützen. Eine aus der Gruppe stand neben mir und ich konnte sie als Puffer benutzen. Mit der rechten Hand. Das war ein Fehler! Das waren mal richtige Schmerzen. Wir besuchten ein Café, in das die anderen Zwei gerne rein wollten. Dann traf sich die ganze Gruppe und ging in das Restaurante La Estancia. Claudio besorgte mir Eisspray und Schmerztabletten. Eine Teilnehmerin war so nett und schnitt mir das Fleisch klein. Sie machte das zu Hause für ihren Enkel auch. Der ist ein Jahr. Dementsprechend klein waren die Stückchen, bis ich sie bat, doch etwas großzügiger abzuschneiden. Ich hatte zwar Buffet bestellt, aber gar nicht viel Hunger. Mit vier Taxis ging es dann in das Hotel zurück.

Mittwoch, der 03. Januar 2018
Tatsächlich heilte die Hand in der Nacht sehr gut. Es war noch nicht zu 100 % gut, aber mit dem Heilungsprozess hätte ich nach dem zweiten Abstützen nicht mehr gerechnet. Draußen sah es kalt aus. Die höheren Berge rundherum waren nun vollständig Weiß mit Schnee bedeckt. Um 9 Uhr legte unser winziges Bötchen vom Hafen ab. Eigentlich sollten wir mit einem Katamaran über den Beagle-Kanal fahren. Das sympathische auf diesem Schiff war, dass nur 40 Pasajeros darauf passten. Der erste Stopp war an einer Kormoran-Kolonie. Das Gewusel war nett anzusehen. Dann ging es zu einem Felsen, auf dem sich Seelöwen tummelten. Ein Bulle und ein paar Kühe lagen mit vielen Jungen schlafend auf nacktem Stein. Vielmehr passierte nicht. Es kam noch ein Halt an einem Leuchtturm, ehe wir eine ganze Zeit den Kanal durchpflügten. Im Prinzip fuhren wir die ganze Zeit über die Grenze zwischen Chile und Argentinien. Wir landeten an der ersten Estancia von Feuerland an. 1870 von dem Engländer Thomas Bridges gegründet, ist sie heute Ausgangspunkt für Zodiakfahrten zur Pinguinkolonie. Im Restaurante Estancia Haberton aß ich eine gleichnamige Suppe. Bisserl Fleisch, bisserl Gemüse, bisserl Geschmack. Dann ging es auf das Zodiak. Erfreulicherweise war der Sitzraum mit einer Zeltplane geschützt. In schnellen Tempo ging es zur Hammer-Insel, Isla Martillo. Hier leben drei verschiedene Pinguinarten. Die größte Population stellen die Magellan-Pinguine, gefolgt von den Papua, oder auch Yantu genannten Pinguine. Auf Deutsch heißen sie Eselspinguine, oder auch Rotschnabel-Pinguine. Diese zeichnen weiße Augenbrauen, rote Füße und eben rote Schnäbel aus. Dann lebt noch ein Paar Königspinguine auf dem Eiland. Diese haben sich erst vor drei Jahren auf die Insel begeben. Fortgepflanzt haben sie sich auch noch nicht, sodass man von zwei Jungs ausgeht. Mit dem Zodiak ging es zur Estancia zurück. In einem kleinen Museum waren angeschwemmte Skelette von Delphinen und Walen ausgestellt. Der Geruch war recht beißend. Mit einem Reisebus ging es zurück nach Ushuaia. Wieder ging es in das Restaurante Mi Vida. In unserer Ecke war gute Laune angesagt. Vier von uns hatten Hähnchen, der Rest Lachs. Zur Feier gab es Legis. Das ist ein Zuckerrohrschnaps mit Kräutern. Sehr lecker!

Donnerstag, der 04. Januar 2018
Um 0:20 Uhr waren die letzten Sieben zurück im Hotel. Mit Gekicher und Gegacker. Im Frühstücksraum trudelte man dann auch etwas später ein als sonst. Dann gingen wir bei schönstem Wetter zum Beagle-Kanal. Chile, auf der anderen Seite vom Wasser, zeigte sich von seiner besten Seite. Schneebedeckte Gipfel spiegelten sich wunderbar im Wasser, da wir einen wunderschönen, sonnigen Tag hatten. Auf dem Rückweg flogen noch mehrere Ibisse Australis über uns vorbei. Ein tolles Schauspiel, wenn sie laut gackernd vor uns die Flucht ergriffen. Um 11:30 Uhr saßen wir im Bus zum Flughafen. Diesmal kamen alle mit ins Flugzeug. Claudio hatte mit einer Amerikanerin einen Heidenspaß. Sie wird ein paar Tage später noch eine Rolle in diesem Tagebuch einnehmen. Der Anflug auf Buenos Aires war atemraubend. Über den Fluss fliegend, konnte ich auf der Backbordseite den Moloch sehen. Was für ein Schauspiel. Auf dem Vorfeld wartete schon ein Bus auf die Passagiere. Fast alle Gepäckstücke waren auf dem Band und wir konnten gehen. Nur ein Koffer tauchte nicht auf. Nach anderthalb Stunden war die ganze Gruppe immer noch am Band.
Um 19 Uhr waren wir dann ohne Koffer zum Hotel unterwegs. Wieder wurden wir in das Hotel Bristol einquartiert. Die Henkersmahlzeit wurde im Restaurante La Estancia eingenommen. Diesmal allerdings in Buenos Aires und nicht in Ushaia. Zu dritt haben wir eine Fleischplatte für Drei nicht aufbekommen! Das war echt zu viel. Wieder wurde es ein langer Abend.

Freitag, der 05. Januar 2018
Wieder kamen wir, diesmal alle, erst um 0:20 Uhr ins Hotel. Eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit war mein Fahrer bereits da. Da ich mich noch von allen verabschieden wollte, musste der Fahrer halt bis zur vereinbarten Zeit warten. Die gute Nachricht bekam ich auch noch mit. Der Koffer war aufgetaucht und würde noch vor der Abreise der Gruppe im Hotel sein. War es gestern brütend heiß und sonnig, sah das heute etwas anders aus. Der Fahrer sagte zu mir, in zehn Minuten würde es regnen. Was soll ich sagen, es regnete bei Ablauf der Frist. Im Sicherheitsbereich des nationalen Flughafens, also der, in dem ich schon dreimal war, tat sich lange gar nichts. Das Problem mit einem Rückstau entstand an der Passkontrolle. Aber ich war rechtzeitig, sodass das ich den Flieger erreichte. Sogar für einen Café con leche hatte ich noch Zeit. Mein allerletztes argentinisches Geld wurde ich aber erst kurz vor Abflug los. An einem Kiosk gab es für 45 Pesos eine Packung Kekse. Auf dem Weg in die Kabine erwischten mich noch Regentropfen. Jetzt wurde ich etwas schwermütig. Argentinien hatte mir wirklich gut gefallen. Die Landschaften, das Essen und die Menschen lohnen bestimmt einen erneuten Besuch.

 

es geht jetzt bei der Osterinsel weiter