Südafrika Simbabwe 2015

Sonntag, der 30. August 2015

Der Flug war mit 10,5 Stunden recht lang. Ziemlich genau 9000 Kilometer betrug die Flugstrecke von Frankfurt nach Johannesburg. Als ich den Zoll passiert hatte, kam ich zum Gepäckband, auf dem in genau diesem Augenblick meine Reisetasche vorfuhr. Ich sah kein Wikinger-Reisen-Schild und wartete erstmal in der großen Ankunftshalle auf die Dinge die da kommen würden. Hier fand ich eine bunte Mischung an Menschen vor. Langweilig war das hier wahrlich nicht. Keine halbe Stunde später waren wir alle auf dem Weg zu unserem Bus für die nächsten fast drei Wochen, mit dem unser Fahrer Chris, vorfuhr. Es ging schnurstracks auf der N12 in Richtung Osten. Bei Middelburg gab es einen 20 minütigen Tankstopp. Chris erzählte mir, dass er schon viel von mir gehört hätte und bat um tolle Fotos. Da hat Mike, der Reiseleiter meiner 2012er Tour zu den Naturwundern Südafrikas,  wohl gepetzt. Tatjana, unsere eingesprungene Reiseleiterin, kannte meinen Namen auch schon. Wie früher in meinen zahlreichen Schulen. Die Lehrer kannten mich auch alle schon, bevor ich überhaupt im Klassenraum saß (oder auch, der Ruf eilt einem voraus). Vor Belfast bogen wir auf die R33 ab, um im Dorf auf die R540 zu fahren. In Dullstroom gab es erneut eine 20 minütige Pause. Der Ort liegt auf 2040 Meter. Dies ist ein pittoreskes Dorf, welches auf Touristen eingestellt ist. Ich kaufte bei Michael, einem fliegenden Händler, ein Paket Macadamia-Nüsse für 30 Rand (im Nachhinein war es ein Fehler, nur eine Tüte zu erwerben, denn nur einmal wurden uns noch frische, geröstete und gesalzene Macadamia-Nüsse angeboten, danach nie wieder). Bei einem Butcher erstand ich ein kleines Paket Biltong, auf deutsch Trockenfleisch. Der Tadel der Gruppe war eindeutig, als ich zwei Minuten zu spät am Bus war: "wir haben schon wieder! auf Dich gewartet." Das ist umso erstaunlicher, da ich bei unserem ersten Stopp mit Chris zusammen auf der Fahrerseite stand. Natürlich war das alles nicht böse gemeint. Oder? Von hier ging es in Richtung Mashishing auf der R540 weiter. Die Landschaft war sehr weitläufig. Grün sind nur die Bäume, der Boden ist hellbraun. In Leidenbergh, heute Mashishing, was "der Wind im langen Gras" bedeutet, machten wir um 13 Uhr Mittag. Tatjana kaufte für die Gruppe für die nächsten drei Tage ein, damit wir in der Wildnis des Krüger National Parks überleben würden. Ich selber kaufte einen Stromadapter und eine Schüssel Salat, der für 20 Rand mein Mittagessen darstellte. Aus Deutschland braucht man gar keinen internationalen Stromadapter mitnehmen. Der passt nämlich nicht. Dem Platz, auf dem ich mein Mittagessen einnahm, fehlte die Romantik, aber egal, es schmeckte sehr gut und ich ließ die Wintersonne auf mich scheinen. Ab jetzt schraubten wir uns auf der R37 zum Long-Tom-Pass hoch. An der Mysty Mountain Lodge ging es vorbei, um bei wunderbarem Wetter an der Long-Tom Kanone einen Fotostopp einzulegen. Um ziemlich genau 15 Uhr kamen wir an unserer heutigen Unterkunft an. Ich bekam ein Appartement mit Blick auf die Hügellandschaft, weit weg von der vorbeiführenden Straße gelegen. Was für eine tolle Aussicht! Nachdem ich mich und meine Klamotten sortiert hatte, duschte ich und begab mich danach auf einen kleinen Fotorundgang. Gegen 18:30 Uhr fanden sich alle im Hauptgebäude ein. An einer langen Tafel nahmen wir Platz. Für 100 Rand bekam ich folgende Speisenfolge: Peri Peri Chicken-Livers gab es als Vorspeise. Liver ist die Leber. Danach gab es eine Hähnchenbrust, gefüllt mit asiatischem Gemüse mit Koriandersauce. Die ersten zwei Castle Lite Biere schlugen mit je 17 Rand zu Buche, das dritte dann mit 35 Rand. Huch, eine Verdoppelung. Es war eine andere, lokale Sorte, so erklärte sich das. Eine kleine Runde von uns blieb noch bis 20 Uhr sitzen, allerdings drängte das Personal auf unser Gehen. Die Mädels wollten Feierabend machen. Um kurz nach 21 Uhr war ich auf dem Zimmer und entzündete den Kamin. Nicht weil es bitterkalt war, sondern wegen der Gemütlichkeit. Eine Jacke war abends schon nötig gewesen, mir reichten aber Sandalen an den nackten Füßen. Vor 22 Uhr machte ich das Licht aus und guckte vom Bett aus in das Feuer. Die Phase bis zum Wegschlummern dauerte daher nicht allzu lange.

 

Montag, der 31. August 2015

Dadurch wollte ich um kurz vor 6 Uhr nicht mehr weiterschlafen. Ich bekam einen wunderschönen Sonnenaufgang mit. Der Blick von meinem Appartement war auch jetzt noch genial. Und dann wurde auf der Terrasse vom Hauptgebäude das Frühstück serviert! Was für ein Platz! Was für ein Wetter! Was für ein Blick! Ein Pool mit abfallender Kante gab die Silhouette der geschwungenen Hügelkette gegenüber preis. Zum Obstteller bestellte ich pochierte Eier a la Benedikt. Unten lag eine Scheibe geröstetes Toastbrot, dann kam eine Schicht Spinat und dann die pochierten Eier. Lecker! Um ziemlich genau 8 Uhr fuhren wir von diesem tollen Ort in der Nähe von Sabie fort. Was war das für eine tolle Aussicht! Falls ich das noch nicht gesagt hatte! Aber selbst auf der Fahrt hatten wir tolle Blicke. Unser erster Stopp war in Graskopp. Hier kauften wir unseren Lunch selbstständig ein. Dann ging es zum Aussichtspunkt "God`s Window". Dies ist eine hochgelegene Bergwand, steil abfallend, von der wir heute einen tollen Fernblick auf das Lowfeld mit dem Krüger Park und bis nach Mozambique hatte. Bei ganz guten Tagen, und wir waren ganz dicht dran, kann man von hier sogar den Indischen Ozean erblicken. Heute ging es Schlag auf Schlag. "Bourke`s Luck Potholes" waren die nächste Attraktion. Wasser schuf in Jahrmillionen durch permanente Strudel runde Löcher, die Potholes. Dort, wo der Treur River in den Blyde River fließt, ist durch Erosion des fließenden Wassers in das Dolomitgestein ein Canyon entstanden, der später in den Blyde River Canyon übergeht. Benannt wurde die Sehenswürdigkeit nach dem Goldsucher Tom Bourke, der an diesem Ort eine geringe Menge Gold fand. Die zugehörige Goldader befand sich jedoch außerhalb seines Claims. Der Flusslauf, der dieses Naturschauspiel formte, war sehr schön anzusehen. Weiter ging es zum Blyde River Canyon. Er gilt als eines der großen Naturwunder Südafrikas und als einer der größten Canyons der Welt. Hier besuchten wir einen Aussichtspunkt und hatten tolle Blicke auf Magabolle, Magoladikwe und Maseroto, auch die 3 Rondavels genannt. Der Legende nach sind die 3 Schwestern die aufmüpfigsten Frauen von Chief Maripi Mashile, der Häuptling der Shungaan. In der Natur sind es drei runde, ausgewaschene und von der Erosion freigelegte Felsformationen, welche an die Rundhütten der Einheimischen erinnern und auf fast 2000 Metern ü/M stehen. Wir unternahmen auf dem Kardishi Trail eine kleine Wanderung. Diese dauerte im Gemütlichkeitsgehmodus ca. anderthalb Stunden. Am Abholpunkt wartete Chris und wir machten noch kurz Mittagsrast. Jemand gab mir eine Dose Cider zu trinken. Man verschwieg mir, dass "Savannah" 6% Umdrehungen hat. Ich hatte recht schnell einen in der Krone. Jetzt gab es bis zum Krüger National Park nur noch einen Fotostopp auf dem Abel Erassmus Pass. Und so konnte ich auf der weiteren Fahrt meinen Rausch ausschlafen. Gegen 15 Uhr erreichten wir das Orpen-Gate vom Krüger Park. Auf dem Weg dorthin sahen wir schon ein weibliches Kudu, mehrere Zebras, Giraffen und Impalas, die „Mc Donalds“ des Busches. Sie werden wegen der Zeichnung am Hinterteil, die aussieht wie ein "M" eben dieser Hamburger-Braterei, so genannt. Im Park überschlugen sich die Ereignisse. Elefanten, Gnus, Zebras, ein Geier im Nest, Hornvögel, Warzenschweine und noch viele Tiere mehr kreuzten manchmal sprichwörtlich, manchmal direkt unseren Weg. Tatjana gab ihren Vordersitz frei und ich durfte dort sitzen. Es war eine wunderschöne Tageszeit, da die Sonne langsam unterging. Pünktlich nach Sonnenuntergang, gegen 17:45 Uhr, erreichten wir das Satara Camp. Ich kaufte ein Sixpack Castle Lite. Lite kommt wohl von "leiden". Eine Dose hatte ein Loch und mein Tagesrucksack war im Innenraum natürlich nass. Die frisch imprägnierte Regenjacke natürlich auch. Statt gemütlich anzukommen war erstmal säubern angesagt. Als ich nach draußen ging, bot der Sternenhimmel ein gigantisches Schauspiel. Ich staunte über den Anblick von Millionen leuchtenden, funkelnden Sternen. Der Weg zum Gebäude D86, dem Chalet von Tatjana und Chris, war gar nicht so leicht zu finden. Obwohl ich der Ausschilderung nach "D" gefolgt bin, stand ich plötzlich im Bereich "E". Da ich vom Rondavel F39 gekommen war, konnte etwas nicht stimmen. Dies ging dem Rest der Truppe genauso und ich war sehr froh, dass das mal nicht auf mein nicht vorhandenes Orientierungsvermögen zurückzuführen war. Die Odyssee dauerte "nur" 15 Minuten, bis ich an meinem Ziel ankam. Ich half beim Schnibbeln von Salat und bereitete die Vinaigrette zu. Tatjana hatte Spaghetti mit Bolognese Sauce zubereitet. Ich durfte mich durch drei Rotweinsorten durchprobieren, die drei Mitreisende angeboten hatten. Es war ein netter Abend. Der Vollmond schluckte auf dem Rückweg leider viele leuchtende Sterne. Da wir in einer kleinen Gruppe zurückliefen, war die Wegezeit auch definitiv kürzer. Um 22 Uhr war ich dann wieder in meiner Hütte.


                                                                       Dienstag, der 01. September 2015

Am hellen Tag war der Weg zwar nicht einfacher, aber man sah wenigstens den Absolut-Tour Bus mit seinem orangenen Streifenmuster recht schnell. Ab 7 Uhr gab es Frühstück und um 8 Uhr war Abfahrt bis zur Lobby des Satara Camps. Dort reservierten wir für fünf Leute eine Abenddämmerungsfahrt im offenen Wagen. Kaum waren wir aus dem Camp raus, waren wir wieder mitten in der Wildnis. Der Höhepunkt war die Sichtung eines Löwen. Mir persönlich zeigte er sich ca. fünf Sekunden, dann legte er sich hinter einen Baum in den Schatten. Damit war er unsichtbar und die restliche Truppe sah ihn einfach nicht. Heute war der Tisch an Wild nicht so reich gedeckt. Zebras und Warzenschweine und ein Gnu und ein Kudu zeigten sich. Ich war allerdings über mehrere Gabelracken hoch erfreut. Eine Riesentrappe und eine Giraffe liefen noch vor meine Kamera. Spannung kam an einem Wasserloch auf, da alle Antilopen in eine Richtung guckten und langsam zur anderen Seite wegpirschten. Ein Raubtier zeigte sich uns aber nicht. Auf einer Brücke konnten wir aussteigen. Hier waren ein Wasserbüffel, mehrere Nilgänse, ein Nimmersatt, ein Wasserbock und ein Waran die Stars. In der Ferne sah man eine kleine Gruppe Elefanten. Weiter ging es zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir eine große Herde Flusspferde sahen, die am Ufer in der Sonne lagen. Gegen 13 Uhr sind wir im heutigen Letaba Camp angekommen. Drei von den fünf Abendtourern schwenkten auf eine geführte Buschwanderung um. Diese dauerte zwei Stunden und kostete 335 Rand, 90 mehr als die drei Stunden dauernde Fahrt. Umgerechnet sind dies ungefähr 25 Euro. Wir bezogen unsere Zimmer, während Chris und Tatjana das Mittagessen an einer öffentlichen Kochstelle zubereiteten. Als ich mit dem Sortieren meiner Utensilien fertig war, ging ich zu den Beiden rüber und schnibbelte Käse und Babymais klein. Es gab Wraps zum selber füllen. Hähnchenfleisch, Gurken, Tzaziki und eben Käse gab es als Füllung. Um 15:15 Uhr sammelten sich die Buschläufer, um mit Jon und Oscar gemeinsam einen offenen Jeep zu entern. 14 Kilometer fuhren wir auf staubigen Pisten, ehe wir am Letaba River entlang liefen. Die beiden Ranger vorne weg, mit durchgeladenem Gewehr, dahinter wir in einer Reihe. Gerd, Maja, Birgit, Klaus, Gabi, Jana, Bettina und ich waren das Fußvolk. Das sind natürlich Erlebnisse, die mit nichts zu vergleichen sind. Flusspferde, Elefanten und Krokodile waren recht nah. Zwei Giraffen ästen an der Uferböschung. Schreiseeadler kreuzten in der Luft. Das waren nur ein paar wenige Höhepunkte. Für mich zum wiederholten Male ein absolutes Afrika-Highlight. Wieder zurück duschte ich, ehe ich zu Tatjana rüber ging. Meine Vinaigrette-Künste waren wieder gefragt. Heute gab es ein Braai, das ist Afrikaans für Barbecue. Es gab Kartoffeln, die mit Knofi und Kräutern verfeinert wurden und Kohl der in Alufolie garte. Das Geheimnis hierbei war eine Zwiebelsuppenmischung, die mit in die Folie gegeben wurde. Mais gab es auch. Und natürlich Salat. Der heutige Königstitel aber gebührte Chris, der das Rindersteak und die Boerewors à point grillte. Ich gehörte mal wieder zu den Letzten, die das Feld räumten und war gegen 22 Uhr in meinem Rondavel.


Mittwoch, der 02. September 2015

Um 5:30 Uhr saß ich schon frisch rasiert am Aussichtspunkt und beobachtete zwei Elefanten, die ruhig im Fluss lagen. Als es allmählich hell wurde, entpuppten sich die allerdings als zwei große Büsche, die ruhig im Fluss lagen. Die Stimmung war sehr friedlich, nur das Gezeter der Nilgänse und anderem Geflügel durchbrach ab und an die Ruhe. Die Sonne ging langsam als glutroter Ball auf und spiegelte sich im Fluss. Die Temperatur war mehr als angenehm. Das änderte sich sehr schnell nach unserem eingenommenen Frühstück, welches wieder im Appartement der Führungsriege bereitgestellt war. An meinem Körper verteilten sich durch die Wärme sehr gleichmäßig Schweißperlen. Um 8 Uhr war Abfahrt mit unserem "Absolut Tour" Bus. Am Anfang der Pirsch hielt sich der Wildbestand noch versteckt. Wir kamen an einem Feld vorbei, welches auf vielen Kilometern verbrannt war. Hier hielt sich kein Tier auf. Es war ein recht trostloser Anblick. Aber dann! Elefantenherden, Giraffen, Büffel, Zebras, alles zeigte sich in ausreichender Anzahl. Gegen 10:30 Uhr legten wir im Mopane Camp unseren ersten Stopp ein. Hier blieben wir nicht lange. Und wieder wurde es artenreich. Ich fotografierte eine Leierantilope. Diese Spezies ist recht selten anzutreffen. An einem Flusslauf entdeckte ich einen Schreiseeadler und einen Graufischer, der zur Familie der Eisvögel gehört. An mehreren Wasserreservoirs versuchten Elefanten Wasser dadurch zu saufen, indem sie den Rüssel über die Mauer hoben. Den größten afrikanischen Adler, der Kampfadler, machte auch noch seine Aufwartung. Kurz vor dem Shingwedzi Camp entdeckten wir mehrere Weißrücken-, Ohren- und Kapgeier, die sich an einem Elefantenkadaver gütlich labten. Ein Marabu wartete in der Nähe auf seinen Einsatz und nahm ihn dann auch wahr. Im Camp waren alle Tische durch Schulklassen belegt und ich bemerkte, dass Tatjana jetzt unruhig wurde. Immerhin war die Essenspause per Dekret, also der Ausschreibung im Prospekt, ein fester Bestandteil der Reise. Aber wie immer ging alles gut. Ich kaufte ihr ein Päckchen Nervennahrung in Form von frisch gebackenen Keksen. Das diese noch eine wichtige Rollen spielen sollten, konnte man weder ahnen, noch hätte sich jemand die Situation gewünscht. Darauf komme ich aber erst später in Zimbabwe zurück. Wir belegten uns die Brote mit unseren mitgebrachten Leckereien. Glanzstare, Gelb- und Rotschnabeltokos und ein Haubenbartvogel warteten hier auf Futter in Form von Essensresten. Wieder zurück im Park benötigten wir für 200 Meter knapp eine halbe Stunde. Das Highlight waren hier zwar auch wieder die Geier, aber der eigentliche Star war ein ausgewachsener Elefant, der am Kadaver seines ziemlich ramponierten Artgenossen Wache schob. Etwas weiter fochten dann zwei Elefantenbullen ihren Rang aus. Später hielten wir für Gauckler abermals kurz an. Dies ist eine für Adlerverhältnisse sehr farbenfrohe Art mit einem roten Schnabel. Der nächste Stopp galt einem sehr attraktiv am Straßenrand stehenden Steinböckchen. Vom Shingwedzi Camp bis zum Punda Maria Camp waren es ungefähr noch 70 Kilometer. Das Wetter wurde später angenehm. Es war leicht bewölkt, was die Temperaturen im Bus erträglich machte. Chris fuhr zügig, allerdings nie mehr als 50 km/h, die im Park erlaubt waren. Es gibt tatsächlich Geschwindigkeitskontrollen hier. Elefanten- und Büffelherden verleiteten abermals zu Stopps. Es war tatsächlich nach 17:30 Uhr, als wir das Punda Maria Camp im Norden des Krüger Park erreichten. Wir gaben vorab unsere Essenswünsche zum Abendessen ab, welches wir ab 19 Uhr im Restaurant einnehmen wollten. Ich bestellte eine Spinatsuppe, ein halbes Hähnchen mit Fritten und teilte mir mit Margreth einen Salat. Mein Zimmer war sehr einfach, wie eigentlich alles im Camp. Das soll es aber nicht schmälern. Hier war alles sehr ordentlich und sauber. Bevor ich in den Speisesaal ging setzte ich mich auf eine Bank und lauschte den Geräuschen der Nacht. Ein penetranter Frosch war nicht zu überhören. Mit ziemlicher Sicherheit habe ich auch einen Löwen brüllen hören. Der Wind nahm an Fahrt auf und es wehte eine heftige Brise. Der Sternenhimmel konnte mit dem von Sonntag auf Montag nicht mithalten. Bei der Gruppe eingetroffen, bekam ich statt einer Spinatsuppe eine Kürbissuppe. Da sie fast kalt war, ließ ich sie zurückgehen. Die Spinatsuppe hatte dann dieselbe Temperatur. Das Hähnchen war okay. Eine Gruppe Mädels und ich blieben noch etwas länger, bis ca. 21:15 Uhr. Es wurde viel gelacht. Das Personal war aber sehr froh, als wir gingen. Gegen 22:10 Uhr löschte ich das Licht.


Donnerstag, der 03. September 2015

Heute gab es erst um 7:30 Uhr Frühstück. Mein Schlafgeist war gnädig zu mir und ließ mich bis 6:50 Uhr schlafen. Als ich die Tür öffnete sah und roch ich Regen. Es hatte auch merklich abgekühlt. Auffällig war, dass wir Männer alle in kurzer Kleidung unterwegs waren, während die Frauen hingegen lange Hosen und Fleece- bzw. Regenjacken anhatten. Auf einer Magnettafel im Hauptgebäude des Camps waren die Tiersichtungen durch farbige Punkte markiert. Auffällig war ein roter Punkt mitten im Camp. Rot war die Farbe für Löwen. Ich hatte direkt den richtigen Filou in Verdacht. Als ich Gerd fragte, ob er den Punkt in das Camp verschoben hat, antwortete er zwar nicht. Am Gesichtsausdruck war die Antwort aber abzulesen. Um 8:20 Uhr kamen wir aus dem Punda Maria Camp raus. Die Stimmung war ausgelassen. Es gab noch eine kurze Pirschfahrt, allerdings sahen wir nicht viel, außer Impalas, Büffel und  mehrere Vögel. Ursula meinte ganz trocken: ,,ich mache meinem Mann gerne mit Vögeln eine Freude!" Man kann sich das Gelächter im Bus wohl ausmalen. Auf der R524 ging es jetzt in das ca. 25000 Einwohner zählende Dorf Louis Trichardt in der Limpopo Provinz. Kurz nach 11 Uhr waren wir am Pick'n'Pay und Tatjana machte einen Großeinkauf. Wir anderen kauften Getränke und für unser Mittagessen ein. Hier war es so kalt, dass ich tatsächlich meine Regenjacke aus der Gepäcktasche angelte. Sie roch immer noch nach Bier. Im kleinen Dorf Alldays, kein Witz, gab es einen Toilettenstopp. Dann ging es weiter bis zum Leokwe Main Gate vom Mapungubwe National Park and World Heritage. Seit 2003 gehört dieser 92000 ha. große Park zum UNESCO-Weltkulturerbe. Besonders ist, dass sich der Park über die Länder Südafrika, Zimbabwe und Mozambique erstreckt und die Grenzzäune abgebaut wurden. Hier gab es ein wenig Unruhe, da sich neun Leute zum Morning Drive am nächsten Tag gemeldet hatten, plötzlich waren es aber elf. Zehn haben aber nur auf dem offenen Jeep Platz. Fair war das von den Beiden nicht. Unsere Unterkünfte waren der Hammer. Mein Haus Nr. 11 war ein riesengroßes Rondavel mit Küche, Wohn- und Esszimmer, einem Schlafraum und ein Bad mit angeschlossener Außendusche. Trotz der Kälte nahm ich eine Dusche. Ach, was war das herrlich. Ich wusch ein paar Klamotten durch und ging dann zur Nr. 17 rüber. Übrigens fast der größtmögliche Abstand im Camp. Das Leokwe Camp hat keinen Zaun. Das bedeutet, dass alle Tiere hier ungehindert durchwandern können. Alle! Was Elefantendung am Wegesrand eindrücklich verdeutlichte. Schon die Anfahrt zum Camp, die nur Übernachtungsgäste befahren dürfen, war toll. Große Baobab-Bäume, Affenbrotbäume, säumten den Weg. Das Camp selber liegt an einer spektakulären Sandsteinformation. Um 18 Uhr war ich im „Häuptlingszelt“ und machte den Abwasch von gestern Mittag. Auch wurde ich wieder zum Salatdressingmachen eingeteilt. Tatjana hatte ein Beef Stroganoff aus Kudufleisch zubereitet. Bevor es Abendessen gab, schaute ich mir noch eine Tanzeinlage durch Einheimische an, die am Hauptgebäude auf einem patiogleichen Gelände stattfand. Zurück im Rondavel führte ich einen Regentanz auf. Das sollte sich noch rächen. Während des Abendessens besuchte uns eine Ginsterkatze, welche durch ihre Scheuheit bekannt ist. Ich sah leider nur noch das Hinterteil und den gestreiften Schwanz. Recht früh ging ich auf mein Rondavel, da der Wecker sehr, sehr früh klingeln würde.


Freitag, der 04. September 2015

Ab 3:30 Uhr konnte ich nicht mehr schlafen. Das war ein bisschen schade, denn ich hatte fast noch eine Stunde Zeit. So war ich früh fertig. Maja und Birgit haben heute früh einen Elefanten im Camp gesichtet. Mir blieb der Anblick seines frischen, duftenden Dunghaufens. Die Gruppe zur morgendlichen Pirschfahrt im südlichen Afrika sah eher aus wie eine Arktis-Expedition. Mit meiner kurzen Hose wurde ich als Verrückter eingestuft. Eine Jacke hatte ich aber übergezogen. Chris fuhr uns vom Camp zum Main Gate. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen, wenn man die Uhrzeit bedenkt. Wir waren pünktlich am Treffpunkt, aber um 5:30 Uhr war noch kein Guide zu sehen. Johannes war aber noch zur Africatime zur Stelle, sprich fünf Minuten nach Halb ging es auf einem offenen Geländewagen in den Busch. Anfangs war es noch stockdunkel, gegen 6 Uhr wurde es aber relativ schnell hell. Aber es war wirklich arg kalt. Da ich neben Johannes im Führerstand saß, konnte ich glücklicherweise meine Hände an den Lüftungsschlitzen wärmen. Gesehen haben wir nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Impalas, Paviane und Helmperlhühner, deren charakteristische Kennung das graue Gefieder und der blaue Kopf ist. Ein Gnu stand fotogen auf einer Anhöhe, eine Riesentrappe lief hektisch herum, als sie uns erblickte. Auch neu auf der Häkchenliste war ein Schakal. Dies ist deshalb erwähnenswert, da Mapungubwe "der Ort, an dem der Schakal frisst" bedeutet. Er war aber recht weit weg und immer in Bewegung und hat auch nicht gefressen. Ein Elefant tauchte auf einem Felsgrat auf, ein Junges im Schlepptau. Johannes war so nett und brachte uns um 8:15 Uhr vor das Rondavel Nr. 17, wo die restliche Truppe Frühstück bereitet hatte. Dieses vertilgten wir nun. Der Höhepunkt war ein frisch geschnibbelter Fruchtsalat. Auf dem Weg zu meiner Morgenwaschung sah ich noch einen neugierigen Elefanten ganz dicht an einer unserer Hütten. Um 9:30 Uhr holte uns Chris wieder ab und wir fuhren alle zum Main Gate. Eine Elefantenherde tauchte auf und war einen Fotostopp wert. Am Gate hieß es wieder umsteigen. Cedric beförderte uns auf einem Großjeep in 15 Minuten zu unserem nächsten Halt. Wir stiegen aus und wanderten zu der Ausgrabungsstelle, wegen der die Unesco diesen Platz zum Weltkulturerbe erklärte. Dass wir uns immer noch in der Wildnis befanden, konnte man am Gewehr bei Cedric erkennen. Mir ist dabei immer etwas mulmig. Nicht wegen dem Gewehr, sondern wegen der lauernden Gefahr im Busch. Die Überdachung der Ausgrabungsstätte wurde mechanisch zurückgefahren und wir bekamen einen interessanten Vortrag zu hören, ehe wir den Mapungubwe Hill hochstapften. Vor 800 Jahren war dies wohl die erste Hochkultur in Afrika, die die Könige vom Volk trennte. Von hier hatten wir phantastische Ausblicke rundum. Unten am Fuß des Hügels wohnten zur Zeit der Nutzung bis zu achttausend Menschen. Von hier hatte man Handelsrouten gebildet und Handel unter anderem nachweislich mit China betrieben. Cedric führte uns ausgezeichnet und natürlich freute es ihn, dass ich ihm das auch sagte. Gesichtet hatten wir Impalas, Helmperlhühner, einen Elefanten und einen Klippschliefer, genetisch der nächste Verwandte der Elefanten. Zurück am Gate bestiegen wir wieder unseren Bus und fuhren wenige Minuten bis zum Museum, in dem mehrere Artefakte dieser Grabungsstätte ausgestellt sind. Tatjana fragte den Wärter, ob er wüsste, dass das Haus eine Auszeichnung erfahren hätte. Seine Antwort bezog sich auf ein völlig anderes Thema. Zu Birgit sagte ich, dass man die Intelligenz förmlich aus seinen Augen rausquellen sehen könnte, so, äh, schlau guckte er. Der Höhepunkt ist "das Goldene Nashorn", welches eine Grabbeigabe war. So klein, wie es in Wirklichkeit ist, hatte ich es mir nicht vorgestellt. Auch war das Gold nur eine Hülle und nicht massiv. Mich persönlich hatte aber die Architektur des Museumsgebäudes völlig in den Bann gezogen. Die südafrikanischen Architekten Peter Rich, Michael Ramage und John Ochsendorf haben diese runden, geschwungenen Pavillons in verschiedenen Größen aus Ziegelsteinen erschaffen. 2012 gewannen sie dafür den Brick Award. Immerhin setzten sie sich gegen 49 Mitbewerber durch. Seit 2004 wird dieser, jetzt schon renommierte Preis für herausragende Ziegelbauten vergeben. Meiner Meinung nach völlig zurecht. Hier hatte ich das Vergnügen, einen Rotbauchschmätzer in voller Pracht zu fotografierten. Mit seinem roten Bauch und dem pechschwarzen Fell ein echter Hingucker. Wieder einmal ging es in den Bus und wir wurden in das Leokwe Camp zurückgefahren. Auf der Fahrt wurde der Himmel Schwarz und es fing zu regnen an. Wie vermutet wirkte mein Regentanz wohl. Ich sah einen Elefanten oben auf den Sandsteinhügeln, nicht weit von unseren Häusern entfernt. Spannend! Um 14:15 Uhr trafen wir uns wieder im Appartement Nr. 17 zum Mittagessen. Ein Gewitter zog nun über das Camp und unser Strom fiel aus. So entzündeten wir 2 Kerzen und genossen unseren Nudelsalat in romantischer Stimmung. Um 16 Uhr wurden wir schon wieder abgeholt. Die erste Station war beim Treetop Walk. Dies ist ein Pfad, der auf Holzpfählen und Bohlen über 200 Metern Länge zwischen Bäumen und mit Sicht auf den Limpopo River führt. Leider regnete es Bindfäden und wir sahen nicht viele Vögel, die sich sonst hier tummeln. Auf dem Rückweg begegneten uns dann mehrere Elefanten, von denen einer sehr nervös wegen unserer Anwesenheit war. Er hätte uns bestimmt gerne angegriffen, war sich aber der Situation nicht ganz sicher, da wir Menschen statt auf dem Boden irgendwie in der Luft hingen. So zog er irritiert von dannen. Auf der anderen Seite vom Limpopo liegt Botswana. Darauf hatten wir einen guten Blick. Vom nächsten Haltepunkt war die Aussicht noch wesentlich besser. Zum einen, weil man höher war, zum anderen, weil man vom Confluence Viewpoint auch noch auf Simbabwe guckte. Auf dem Weg zurück sichteten wir „Berlüner“, das war sächsisch für Helmperlhühner, bei uns seit der ersten Sichtung und dem Ausruf von Gerd nur noch als Berliner bezeichnet. Interessanterweise dachte unsere Reiseleiterin von Weitem, es wären Gnus. The next Stopp war bei einer kleinen Elefantenfamilie, bestehend aus Vater, Mutter, Kind. Der letzte Halt wurde für drei Klippspringer eingelegt, von denen man erstaunlicherweise aber immer nur zwei sah. Diese Art gehört den Antilopen an. Die Tiere erreichen ein Gewicht von bis zu 13 Kilo und eine Schulterhöhe von 60 Zentimetern. Markant sind die nach oben stehenden 20 bis 25 Zentimeter langen Hörner. Dieser Ausflug war nicht sehr lang, da wir kurz vor 18 Uhr wieder im Camp waren. Nach meinem üblichem Gewurschtel ging ich im Dunkeln alleine zum Rondavel von Chris und Tatjana. Ich muss zugeben, dass mir durch das Rascheln im Gebüsch hinter mir doch ein wenig mulmig wurde. Das Rascheln entpuppte sich allerdings als Lasche meines Regenschirmes, die durch den Wind bewegt wurde und auf der Schutzhaut entlang wischte. Ich bereitete das Knoblauchbrot vor, welches auf den Grill gelegt wurde und bei der Gruppe super ankam. Dazu gab es gegrilltes Kudufleisch, gebratenes Huhn und Kürbis mit Maisfüllung. Butternut, auch Flaschenkürbis genannt, wurde mit einer würzigen Sauce gefüllt und schmeckte vorzüglich. Dazu gab es noch Kartoffeln in Alufolie. Heute gab es sogar einen Nachtisch. Tatjana ritzte die Schale einer Banane ein, stopfte zwei Stücke Schokolade in das Fruchtfleisch, wickelte Alufolie herum und ab damit in die Kohlen. Nicht verkehrt! Um 20:30 Uhr brachte ich eine Mitreisende zu ihrem Rondavel und ging dann alleine weiter durch das Camp ohne Zaun, zu meiner Hütte. Ich werde es niemals zugeben, aber Adrenalin wurde in meinem Nebennierenmark schon produziert. Vor allen Dingen hatte uns Chris noch erzählt, dass er zwischen dem Maingate und unserem Lager auf der Strasse am Morgen, als er uns zum Morning Drive abgeliefert hatte, einem Löwen begegnet war.

 

Samstag, der 05. September 2015

Die ganze Nacht hatte es geregnet und gedonnert, was natürlich einen Stromausfall zur Folge hatte. Ab 6:30 Uhr gab es bei Tatjana und Chris Breakfast. Es kam alles auf den Tisch, was noch da war, da wir alle Lebensmittelreste dem Personal vom Mapungubwe Leokwe Camp überließen. Nach 8:30 Uhr kamen wir weg. Allerdings hinderte uns ein Elefant an der Weiterfahrt, da er mitten im Park auf der Straße stand und unsere Anwesenheit nicht lustig fand. Irgendwann gab er den Weg doch frei und wir benötigten noch eine gute Stunde bis zur Grenze. Es wurde noch ein Tankstopp eingelegt. Vor dem Ausreiseamt auf südafrikanischer Seite standen wir ziemlich lange im leichten Regen, ehe wir ins Gebäude kamen. Dann wurden wir in einen anderen Trakt geführt und hier ging die Ausreiseformalität recht zügig vonstatten. Hier war Afrika wie man es sich vorstellt. Ein Gewusel durch und durch. Es wurden von einem Grenzbeamten zwei Schlangen gebildet, die sich aber gegenseitig blockierten. Als man den Ausreisestempel im Pass hatte, musste man sich durch Menschen, Taschen und sonstigem Gepäck den Weg nach draußen suchen. Einige von uns beobachteten, dass Korruption recht offen gehandhabt wurde. Etwas stimmte mit dem Pass nicht? Der ungestempelte Pass ging zurück zum Besitzer, wurde mit ein paar Scheinen gefüllt, das Ausweisdokument ging zurück zum Zöllner, das Geld wanderte in ein lilafarbenes Portemonnaie und schon gab es den Stempel. Die Gruppe wurde recht zügig abgefertigt. Jetzt fuhren wir über den Limpopo River nach Simbabwe. Hier wurde es noch wuseliger und afrikanischer. Wir kamen an einen eigenen Immigrant Schalter, wo wir unsere Reisepässe mit je 30 USD und einem Immigration Formular abgaben. Tatjana bat uns im Vorfeld inständig, nur einen 20 und einen 10 Dollar-Schein in den Pass zu legen. Denn die Nummern der Geldscheine wurden einzeln abgeschrieben! Das Beobachten der Menschen entschädigte für die Warterei. Wir Europäer waren wirklich die Ausnahme. Alles Mögliche wurde auf dem Kopf transportiert. Die Kleidung war farbenfroh und die Altersspanne reichte vom frisch geschlüpften Baby bis zum Greis. Ein babylonisches Stimmengewirr waberte durch die Halle. Ein ewiger Strom aus Menschen schlängelte sich hier durch. Es gab einige Personen, die ich mindestens drei Mal an einer Schalterschlange sah. Interessant war auch, was auf dem Parkplatz passierte. Wir beobachteten, wie zwei Transporter ihren auf dem Dach hochgestapelten Hausrat abladen mussten. Matratzen, ein Kühlschrank und Badewannen waren sichtbar. Tatjana war sehr froh, wie schnell das gegangen ist. Sie meinte, dass der Grenzübertritt bei manchen Reisen ein ganzer Programmpunkt ist. Daher wollte sie auch unbedingt vor 10 Uhr an der Grenze sein. Um kurz nach 14 Uhr waren wir in Simbabwe. Ein, den Weißen wohl nicht recht positiv zugetaner Mann, begrüßte uns stilecht mit einem nach oben gereckten Mittelfinger. Ich empfand es als sehr angenehm, seine Sprache nicht zu verstehen, da er Worte zu seiner Handbewegung hinterher schickte, welche die Geste wohl nochmals unterstreichen sollte. Nach der Abgabe der Zollpapiere an einem Wärterhaus gab es gleich den ersten Polizeistopp. Als wir den überwunden hatten, bogen wir bei einer Tankstelle zur Pinkelpause ein. Ich empfand es hier mehr als dreckig. Menschen kamen und wollten uns alles Mögliche verkaufen. Angefangen von Obst über Telefonkarten und Geldwechseln. Anhalter standen überall und warteten gestikulierend auf Mitnahmemöglichkeiten. Ein kleines Wunder passierte auch. Die Sonne ließ sich blicken. Bevor wir in die zweite Polizeikontrolle rauschten, bogen wir in Richtung Masvingo rechts ab. Der Seitenstreifen auf beiden Seiten der Straße war immer mindestens zehn Meter breit. Er war die ganze Strecke über mit Müll bedeckt. Die Landschaft, durch die wir fuhren war eben, der Boden rötlichbraun und mit Bäumen bewachsen. Anfangs wuchsen noch Affenbrotbäume, die Baobab. Wahrscheinlich waren das alles mal gut bestellte Acker, ehe die weißen Farmer vertrieben wurden. Geschätzt lebten im Jahre 2014 insgesamt 13 Millionen Menschen im ehemaligen Südrhodesien. Davon ungefähr noch 20.000 Weiße. Simbabwe ist ungefähr so groß wie Deutschland und Belgien zusammen. Vor dem Ort Runde River tauchten wieder so langsam Hügel auf. Wenn Wohnsiedlungen zu sehen waren herrschte die typische afrikanische Rondavelbebauung vor. Das Wetter wurde schlechter. Die Sonne war jetzt nicht mehr zu sehen und Nebel zog auf. Die Stimmung wurde zusehends schlechter im Bus. Draußen wurde es dunkel und Chris musste sich sehr konzentrieren. Wo es dunkel wird ist es auch hell. Um ein Sprichwort von Licht und Schatten ein wenig umzuwandeln. Denn nach der fünften Polizeikontrolle kam wegen der Uhrzeit keine mehr. Um 19 Uhr erreichten wir in unsere Unterkunft Norma Jeane`s Lakeview Resort. Wir waren echt fertig und froh, jetzt endlich auf unsere Zimmer zu kommen und dann unser Abendessen einzunehmen. Aber damit nicht genug. Karin trat vermeintlich auf einen Stein, aber da war gar keiner und fiel so schwer hin, dass Tatjana sich um eine medizinische Versorgung kümmern musste. Währenddessen saß ich schon im Speisesaal, der sehr fein eingedeckt war. Ich bestellte ein Stoney. Das war eine gute Idee. Auf Alkohol hatte ich nämlich keine Lust mehr. Mangels alkoholfreiem Bier war Gingerbier genau das Richtige. So langsam trudelte der Rest ein. Klaus schaute kurz in die Karte und war dann wieder weg. Es gab ein Menu. Zuallererst kam eine Süßmais-Quiche, gefolgt von einer hausgemachten Creme von Champignons. Das Hauptgericht konnte entweder Fisch oder ein Roastbeef sein. Meine Portion Fleisch war sehr übersichtlich. Aber alles war sehr lecker und natürlich ausreichend. Als Dessert stand Marmalade-Sauce auf der Karte. Es entpuppte sich als Rührkuchen mit Orangeat- und Zitronat-Stücken, unter Vanillesauce. Danach gab es noch einen Kaffee. Das war schon mal sehr gut. Die Stimmung war wegen der schlechten Nachricht anfangs getrübt und viele guckten auch in ihren Internet-Account. Das legte sich aber später. Zurück im Zimmer fand sich in meinem Kulturbeutel dann noch eine Überschwemmung in Form von Duschgel, welches aus einem Loch im Flaschenboden quoll. Ich füllte den Rest in eine leere Colaflasche und wusch Beutel und Inhalt aus. Da heute Samstag war, blieb ich superlange auf und löschte erst gegen 22:30 Uhr das Licht. 

 

Sonntag, den 06. September 2015

Nebel empfing meinen ersten Augenaufschlag, um kurz nach 6 Uhr in die Gartenlandschaft vom Resort. Statt eines Spaziergangs zum Mutirikwi-Lake blieb ich länger liegen und duschte danach warm. Es war ziemlich klamm und mir war kalt. Eine Heizung gab es im Zimmer nicht und so kroch frühlingshafte Kälte in den Raum. Thermopen-, geschweige denn eine Doppelverglasung sind hier nicht vorhanden. Alles roch sehr nach Geschichte. Nicht muffig, aber so ein wenig nach Museum. Um 7 Uhr ging ich in den viktorianischen Speisesaal. Hier saßen Chris, Tatjana und Gabi. Klaus war nicht dabei, da er sich wohl den Magen verdorben hatte. Daher sein fluchtartiger Aufbruch beim Abendessen. Das war aber noch die gute Nachricht. Die Schlechte folgte direkt. Der worst-case war eingetroffen. Karin hatte sich den Oberschenkel gebrochen. Sie wurde gestern in einer Krankenstation in Masvingo von einem guten Arzt untersucht. Tatjana hatte sich gestern Abend in der Abulanz von meinen Keksen ernährt, die ich ihr als Nervennahrung beim Shingwedzi Camp geschenkt hatte und von denen ich ja schon berichtet hatte, dass sie noch eine Rolle spielen werden. Tatjana wurde wieder zum Krankenhaus gefahren, um weitere Schritte abzusprechen und organisatorische Dinge zu erledigen. Das Wetter wurde auch traurig und ergoss sich in elefantentränengroßen Tropfen. Unglaublich, was hier runterkam. Chris sammelte uns um 8:30 Uhr ein und brachte uns zum nächsten World Heritage. Das Gebiet nennt sich Great Zimbabwe und ist der Namensgeber dieses Landes. Dazu muss man wissen, dass Zimbabwe in der Sprache der Shona "Große Steinhäuser" bedeutet. Riesengroße Mauern aus Granitquadern ohne Mörtel umschlang das Gebiet. Der König des Munhumutapa-Reiches wohnte hoch oben auf einem Hügel. Wenn er Lust auf eine seiner 200 Frauen hatte, rief er den Berg runter. Durch ein Echo und gute Akustik war dies machbar und sein Liebchen konnte dann mit einem Krug Wasser auf dem Kopf nach oben wandern. Na ja, das verklärt ein wenig die Geschichte, da dies nur zur Hochzeit Usus war. 1.200 Nachkommen sollen das Ergebnis von einem König sein. Puh! Ananis war unser Guide und führte uns durch das Gelände. Ich kann nur jedem Reisenden des südlichen Afrikas dieses Highlight empfehlen. Waren wir, bis auf einen Griechen, die einzigen Weißen bei unserem Besuch, ist dieser Platz zu Recht Weltkulturerbe. Back on the Road fuhr Chris nach Masvingo zur Krankenstation. Tatjana schickte uns zu einen Pick'n'Pay Supermarkt, wo wir für unser Mittag selbsttätig einkauften. Was für ein Gewusel. Chris fühlte sich hier nicht wohl und wollte schnellstmöglich wieder weg. Statt auf Tatjana zu warten, fuhren wir zu ihr. Karin musste operiert werden und sollte am gleichen Tag nach Harare, der Hauptstadt von Zimbabwe geflogen werden. Man merkte uns allen an, dass uns das sehr nahe ging. Unser Trip ging trotzdem weiter. Wäre ja auch etwas eng in ihrem Zimmer geworden, wenn wir dageblieben wären. Um 12:30 Uhr waren wir in Richtung Vumba Berge unterwegs. Am Wegesrand sah man am heutigen Sonntag viele in Weiß gekleidete Menschen, die alle der Zionistischen-Christlichen-Kirche angehörten. Der Wegesrand war nicht mehr ganz so mit Müll übersät und nach zwei Stunden Fahrt änderte sich auch das Landschaftsbild. Große Felsformationen bildeten große Hügel, ähnlich dem Sylvan Lake in den USA, nur höher und zahlreicher. Die typischen Wohnhütten waren aus gebrannten Ziegeln gebaut. 90% der Häuser waren Rundhütten. An der Birchenough Bridge, einer 378 Meter langen Stahlkonstruktion von 1934, wurden wir herausgelassen, um über die 10 Meter breite Fahrbahn zu Fuß über den Save Fluss zu gehen. Wir waren hier genauso Exoten, wie wir es andersherum auch dachten. Am Brückenkopf wollten sich mehrere Frauen mit ihren Kindern mit Christine und Maja fotografieren lassen. Mit ihren Handys, nicht primär mit unseren Kameras! Dies machte ich gerne, machte selbst aber auch mit ihrer Zustimmung schöne Bilder. Wir legten noch einen Tankstopp ein. Hier stand ein riesengroßer Baobab-Baum. Die daran gelehnten Menschen sahen winzig aus. Kurz vor unserem Ziel kamen wir an Mutare vorbei. Wir dachten schon, hier wäre unser Hotel. Ich fand hier alles sehr heruntergekommen. Allerdings war der Markt hoch interessant, leider stiegen wir nicht aus. An einem Abzweig ging es dann wieder in die Berge. Diese haben den tollen Namen "Vumba-Berge", was übersetzt Nebelberge meint. Es war wieder nach 17 Uhr, als wir das Hotel mit dem Namen "Inn on the Vumba" erreichten. Ich sortierte mal wieder alles aus den Taschen, da wir drei Nächte bleiben würden. Bis auf einen Raum hatte kein Zimmer eine Dusche, sondern nur eine Badewanne. Ich kniete mich hin, um irgendwie Wasser an mich ranzulassen, dass ich durch einen Stöpsel am Wannenboden gesammelt hatte. Wenn man bedenkt, dass hier überall Schilder zum Wassersparen aufforderten, stimmte da der Ansatz mit den fehlenden Duschen nicht. Das Zimmer 5 war auch schon sehr betagt und nicht klinisch rein. Aber auch nicht wirklich unsauber. Der Teppich lag mit Sicherheit schon fünfzig Jahre dort und sah dementsprechend abgelaufen aus. Um 19 Uhr ging es zum Abendessen. Ich hatte ein Stück Fleischpastete mit würziger Teriyaki-Sauce, dann eine Hühnersuppe, später als Hauptgericht Hühnerstücke und als Nachtisch einen Apfelstreuselkuchen. Ein paar von uns trafen sich noch in der Lobby. Eine Katze mit rötlichbraunem Fell, die sehr gepflegt aussah und einen sehr gleichmäßig gestreiften Schwanz hatte, erkor meinen Bauch als Liege- und Schmuseplatz. Die Katzenmamas unter uns, an vorderster Stelle Bettina und Birgit, waren irritiert, dass die Stubentiger mich als Wohlfühlstation auswählten. Eine zweite Katze, wahrscheinlich der Bruder, kam auch noch, sah dass der beste Platz vergeben war und legte sich auf einen freien Stuhl. Gegen 22 Uhr war ich dann aber auf meinem Zimmer.

 

Montag, der 07. September 2015

Mein Handy war morgens nur zu 73% geladen, obwohl es die ganze Nacht am Ladekabel gehangen hatte. Der Grund war einfach. Stromausfall. Für unser Frühstück wurde der Generator hochgefahren. Als Eva als Letzte ihr Omelette bekommen hatte, wurde der Generator wieder ausgeschaltet. Die Lodge hing im Vumba, also im Nebel und es war kaum zu glauben, dass ab Mutare die Sonnenstrahlen die Erde berührten. Die Fahrt in den Chimanimani National Park dauerte 2,5 Stunden. Eigentlich wären wir dort untergebracht gewesen, aber das für uns bestimmte Hotel hatte den Betrieb eingestellt. Die Straßen waren eh schon stoßdämpferunfreundlich. Aber in den Chimanimani-Bergen wurden wir richtig rau durchgeschüttelt. Das Leben rechts und links der Fahrbahn war schon ein Highlight. Von Rindern auf der Straße, über Menschen, die Pakete auf den Köpfen trugen, die größer als sie selber waren. Wäsche hing über mehrere Büsche verteilt zum Trocknen aus. Wir kamen zwar an drei Polizeikontrollen vorbei, wurden aber nicht angehalten. Um 11 Uhr hielten wir am Standort Outward Bound und wanderten durch den Chimanimani-Bergwald. Es ging erst durch ein Sumpfgebiet und ich schreibe jetzt mal ein Zitat von einer Mitstreiterin auf, als sie vor mir im Wasser stapfte: "Jetzt bin ich schon ganz nass. Untenrum." Ich wäre fast in den Sumpf gefallen. Die Landschaft war traumhaft. Ein grüner Wald mit vielen Bäumen, die sich zu dieser Zeit verfärbten. Ich sagte, dass das ja logisch sei, da ja September wäre. Tatjana guckte mich verdutzt an, akzeptierte dann aber die Erklärung lachend, hoffentlich nicht auslachend. Zum besseren Verständnis sei darauf verwiesen, dass die Jahreszeiten auf der nördlichen- und südlichen Erdhalbkugel gegensätzlich sind. Margreth war schon nach wenigen Höhenmetern aus der Puste. Tatjana musste entscheiden, wie es weiterging. Brian, unser Wanderführer, meinte, dass es nicht mehr hoch sei. Nur der erste Hügel. Der erste Hügel entpuppte sich als Grat, der ganz oben lag. Die Reise war als 1 Stiefel Reise deklariert. Das bedeutete laut Ausschreibung: "Typische 1-Stiefelwanderwege sind breit und gut ausgebaut und verlaufen meist eben ohne größere oder häufigere Höhenunterschiede. Die Gehzeiten betragen durchschnittlich 3 - 4 Stunden bei nur geringen Höhenunterschieden zwischen 100 und 200 Metern. Steinige, unebene Pfade sind eher die Ausnahme, sodass diese Programme auch gut für Wandereinsteiger geeignet sind." Ich ging hinten und folgte der armen Margreth, die aber trotzdem hochkam. Ich fiel leider auch mal unglücklich bei einer Bachüberquerung auf meine Hand und stauchte mir meinen rechten Zeigefinger. Damit hatte ich einige Tage Spaß. Gegen 14 Uhr waren wir oben und aßen in einer traumhaften Kulisse unsere Lunchpakete. Hier wuchsen mehrere Prachtexemplar einer Leucospermum conocarpodendron genannten Blume, auf deutsch Nadelkissen. Margreth kämpfte sich weiterhin tapfer durch. Ehrlicherweise muss geschrieben werden, dass dies wohl mindestens eine 2 Stiefeltour war und Margreth mein größter Respekt gebührt. Ich schätze mal, dass wir 350 Höhenmeter bewältigt hatten und ein gut ausgebauter Wanderweg sich nicht auf unserer Route befand. Gegen 16 Uhr waren wir zurück am Ausgangspunkt. Wir anderen waren von der Wanderung begeistert und das Wetter war auch noch ideal gewesen. Der Wald war mit Farben reich gedeckt und viele exotischen Blüten erfreuten mein Auge. Gegen 19 Uhr waren wir wieder zurück im "Inn on the Vumba". Ich unterzog mich einer kurzen Katzenwäsche, dann ging ich in den Speisesaal. Ich zähl jetzt nicht auf, was ich so hatte, aber es war alles sehr lecker. Hinterher sammelten wir uns für einen Kaffee wieder in der Lobby. Nach kurzer Zeit blieben wieder nur die üblichen Verdächtigen und ich übrig, wieder mit Katze auf dem Schoss, ehe gegen 21:30 Uhr die müde Runde sich aufgelöste.


Dienstag, der 08. September 2015

Um 6 Uhr umwaberten Nebelschwaden das "Inn on the Vumba". Gegen 8 Uhr sind wir diesmal in die gleichnamigen Berge rein gefahren. Am Leopard Rock trafen wir unseren Guide Peter mit seiner Schwester. Unsere Wandertour ging ziemlich direkt in den Dschungel rein. Der Boden war so weich, dass ich mich freute ein Stück barfuss zu gehen. Peter erzählte uns ziemlich viel vom Wald und ab und an erahnten wir exotische Vögel, wie z.B. den Silberbackenhornvogel. Der ist so selten, dass ich ihn bei der Recherche zu diesem Tagebüchlein noch nicht mal im WWW fand. Ich werde Tatjana nochmals fragen müssen, welche Gattung sie meinte. Dann stoppte die ganze Gruppe bei einer Schlange. Leider bekam ich sie nicht zu Gesicht. Peter war froh, dass die Baumschlange das Weite suchte. Sie gilt als äußerst giftig. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Schuhe immer noch aus. Nach 1,5 Stunden waren wir wieder an unserem Mercedes-Sprinter. Strategisch günstig hatten sich hier Frauen mit ihren Handarbeitswaren, in diesem Fall Decken, postiert. Ursula und Gerd kauften natürlich eine Decke mit Berlinern. Dann fuhren wir ein kurzes Stück zum Leopard-Rock Hotel und starteten abermals eine kleine Wanderung. Ab jetzt begleitete uns Peters Frau Kathrin. Obwohl ich mir nachträglich nicht sicher war, ob anfangs seine Schwester dabei war und dann erst seine Frau. Ich werde jetzt nicht auf das Klischee verfallen, dass ja alle Farbigen gleich aussehen. Das tun sie nämlich nicht und ich behaupte mal, dass das an meiner Gesichtserkennungssoftware im Gehirn lag. Allerdings war ich nicht der Einzige, der am Ende irritiert war. Auf den Bildern konnte dann auch ich deutliche Unterschiede ausmachen. Vorher machten wir im Clubhaus dieser elitären Anlage noch einen Toilettenstopp. Die Sitzmöbel im Clubhaus waren so abgesessen, die würden bei uns in keinem Jugendzentrum mehr Anwendung finden. Etwas erhöht liegt ein Castel und wir hatten das Glück, dass Tedias gerade den Eingang säuberte. Er gab uns eine Führung durch das Gemäuer. Wieder auf dem Weg querten wir den Golfplatz und sahen überaus seltene Weißkehlmeerkatzen in den Akazienbäumen turnen. Gegen 13:30 Uhr waren wir im "Inn on the Vumba" zurück und hatten wirklich frei. Einen ganzen Nachmittag. Ich wusch ein wenig und hing die Wäsche zum Trocknen auf ein Geländer außerhalb meines Zimmers. Dann holte ich mir an der Rezeption zwei Handtücher für den Pool und aß erst noch ein Sandwich mit Hühnerfleisch. Ich wanderte zum Pool, stellte fest dass die Liegestühle festgekettet waren. Ich brachte die Mitarbeiter an der Rezeption mit meinem Wunsch, einen Liegestuhl zu nutzen, dafür müssten sie aber bitte das Schloss aufschließen, mächtig in Zugzwang. Zurück am Pool harrte ich der Dinge, die da kommen würden. Und tatsächlich, zehn Minuten später kam ein Mitarbeiter mit dem Schlüssel, drei Auflagen und Jana und Eva im Schlepptau. Ich lag alleine in der Sonne, aber nicht sehr lange, dann kamen die Zwei, aber auch Christine und Bettina dazu. Unsere ganze Truppe breitete sich im Gartengelände aus und nutzte die freie Zeit bei tollem Wetter. Gegen 16:30 Uhr ließ ich die Wanne einlaufen und nahm ein Bad. Dann packte ich meine Kamera und wanderte auf einem Pfad aus der Hotelanlage heraus. Überall standen Schilder, die darauf hinwiesen, auf dem Weg zu bleiben. Dies respektierte ich natürlich. An einem Acker bog ich auf einen Feldweg ein, um zur Straße zu gelangen, als kurz darauf ein Mann hinter mir her kam. Er war aufgebracht da ich durch Private Property gehen würde. Ich sagte, ich wollte über einen Feldweg zur Straße gehen. Natürlich gab ich nach, was ihn wohl bewog, mir doch Durchgang zu gewähren. Ich sollte das aber nicht noch mal machen, kam als Drohung hinterher. Bedrohlich war diese Situation allerdings auch nicht. Ich suchte eine schöne Stelle, um den Sonnenuntergang auf Chip zu bannen. Wieder zurück packte ich meine Taschen und trank dann auf der Hotelterrasse ein Bier. Der Strom fiel mal wieder aus, kam aber nach zehn Minuten zurück. Einem Notstromaggregat sei Dank. Die Gruppe einigte sich darauf, am nächsten Morgen um 6:30 Uhr ohne Frühstück abzufahren. Wir wären sogar noch früher los, aber Chris gab zu bedenken, dass der Vumba schon hell sein sollte und nicht mehr dunkel. Chris aß heute mal bei uns am Tisch mit, sodass die gute Laune die schlechte Stimmung am Tisch aufhob. Hier hatten sich nämlich 2 Gruppen gebildet und ich saß meistens mit Tatjana bei Gabi und Klaus. Der obligatorische Kaffe mit einer Kraulekatze auf dem Schoß fand hinterher auch noch statt. Zum Ende hin gingen wir üblichen Verdächtigen um 9:30 Uhr auf unsere Räume.

 

Mittwoch, der 09. September 2015

Um kurz nach 5 Uhr wurde ich wach, blieb noch etwas länger liegen und war rechtzeitig am Bus. So langsam trudelten alle ein. Die Lunchpakete stapelten sich in der ersten Reihe. Da saß übrigens ich. In Mutare gab es noch einen Tankstopp. Wir kamen recht gut voran, ehe die erste Polizeistreife uns hinter Nyazura anhielt. Chris fragte den Polizisten, wie die Straßenverhältnisse weiterhin wären. "A little bit okay" kam als Antwort. Die Landschaft war hier traumhaft schön. Die Mtukwa Berge erhoben sich wie einzelne Kegel in die Höhe. Rundhütten waren vereinzelt zu sehen. Selbst die Seitenstreifen waren hier nicht mit Müll übersät. Ochsenkarren bestimmten das Straßenbild. Autoverkehr fand hier so gut wie nicht statt. Ich sah Paviane auf der Straße und sagte dies laut. Tatjana freute sich. Ihr Fehler mit den Gnus war durch meine Verwechslung von Menschen mit Pavianen mehr als ausgeglichen. In Chivu bogen wir wieder auf die Hauptstraße Richtung Harare ab. Von den Straßenverhältnissen her merkte man das nicht. Die sechste! Polizeikontrolle war dann die intensivste. Ein Polizist hatte ein Bündel Geldscheine in der Hand. Da war eigentlich klar, um was es ging. Nachdem Chris die Diskussion, ob drei Feuerlöscher wirklich nötig sind, obwohl nur zwei vorgeschrieben sind, gewonnen hatte, konnten wir ohne Bakshish zwei Kilometer bis zur siebten Polizeikontrolle weiterfahren. Bis zum Antelope Park bei Gweru zählten wir neun Kontrollen. Wir waren richtiggehend enttäuscht, nun gut, Chris vielleicht nicht, dass es nicht zehn wurden. Eine Kontrolle wurde erst dann als Strich in die Wertung von Margreth aufgenommen, wenn Chris den Wagen stoppen musste und mindestens eine Begrüßung erfolgte. An mindestens drei Kontrollpunkten wurden wir heute durchgewinkt. Kurz nach 13 Uhr waren wir im Camp angekommen. Wir bekamen eine kurze Führung durch das Gelände, ehe wir unsere River Lodges, oder Zelte zugeteilt bekamen. Mein Zelt Nummer 4 hatte schon bessere Tage erlebt, aber ich hätte mit nichts auf der Welt tauschen wollen. Es gab eine Terrasse, von der aus man auf einen Seitenarm vom Shangani Fluss gucken konnte. Das Zelt stand auf einer Holzbalkenkonstruktion, diese war mit Fliesen beklebt und hatte am hinteren Ausgang ein angebautes Badezimmer in Komplettaustattung. Dusche, Waschbecken, Toilette. Im Zelt stand eine Truhe, zwei Betten, sowie Nachttische und ein Highboard. Ich schlenderte später zum Coffee Shop und trank einen Eiskaffee. Zum Lunch gönnte ich mir einen Chickenburger. Da ich mein Handy vergessen hatte, holte ich es zwischenzeitlich. Dann wollte ich 25 Postkarten bezahlen. Das war nicht so einfach. Da ich mit Kreditkarte bezahlen wollte, wurde ich zum Rezeptionsgebäude geschickt, da nur dort ein Kartenlesegerät stand. Hier aber fragte man nach einem Zettel, auf dem der Betrag stand, den ich zu bezahlen hatte. Ich war verdutzt. Eine Postkarte kostete 2 USD, was ersten Hochrechnungen zufolge 50 USD ausmacht. Da ich für diese Art der Bürokratie kein Verständnis aufbringen konnte, durfte die Dame vom Counter selber zum Coffee Shop gehen. Die wahrscheinlich über mich eingebildeten Touristen dasselbe dachte. Sie kam zurück, ich zahlte, ging zurück zu der Verkäuferin, bezahlte dort die Briefmarken in bar, bekam die Postkarten und brachte alles auf mein Zimmer. Dann war eine Einweisung zum folgenden Löwenspaziergang angesetzt. Gary Jones, der General Manager vom Antelope Park, guckte auch mal rein und begrüßte uns. Wir gingen dann in das Wildgehege und warteten auf die Löwen. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Zu unserer Gruppe mit Jana, Eva, Bettina, Maja, Birgit und mir gesellte sich noch die Dänin Maja. Der Rest unserer Reisegruppe ging mit den Löwen Africa und Alica auf die Pirsch. Wir begleiteten Arusha und Armani. Auch wenn die zwei 14 Monate alten Löwenmänner von klein auf großgezogen wurden, waren dies keine Schmusekatzen. Vier Begleitpersonen, u.a. Gerard, der uns direkt zugeteilt wurde und die 21 Jahre junge Israelin Nama, die ein vierwöchiges Volontariat absolvierte, sowie der "Vater" der Löwen und Becky, achteten auf unsere Sicherheit. Was für ein tolles Erlebnis, mit zwei (halb)wilden Löwen durch den Busch zu laufen. Im Hintergrund hörte man einen ausgewachsenen Löwen brüllen. Die meiste Zeit des Lionwalks war zwar ein Fotoshooting, aber egal, das Erlebnis war toll. Die zwei Halbstarken taten eh was sie wollten. Natürlich war dieses Erlebnis viel zu kurz, aber es nützte nichts, um 17:45 Uhr waren wir wieder im Camp. Nach dem gemeinsamen Dinner löste sich die Gruppe auf. Ich ging noch zur Bar und bestellte mir eine Cola Zero. Bettina kam auch noch dazu und wir tranken einen Amarula, ein Baileys auf afrikanisch. Mein erster in diesem Leben. Der Sternenhimmel war zauberhaft und im Hintergrund hörte man die Löwen brüllen und auch sonstige Laute der Wildnis drangen in mein Zelt. Was für ein Erlebnis!

 

Donnerstag, der 10. September 2015

Was für eine tolle Nacht! Geschlafen habe ich gefühlt nur sehr wenig. Wenn ich dahindämmerte sog ich die Geräusche in mich ein und war glücklich. Das Löwengebrüll und die Vögel in all ihren verschiedenen Tönen war ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Art. Wer hatte eigentlich gesagt, dass Löwen 21 Stunden am Tag schlafen? Hier im Park wohl eher nicht, so oft hörte man sie. Nachdem ich dann doch bis 6:20 Uhr schlief, duschte ich und setzte mich auf die Terrasse. Ich genoss die aufgehende Helligkeit und wartete mit meiner Kamera auf die schönsten Vogelaufnahmen. Die aber nicht kamen. Ich schrieb stattdessen Postkarten und ging gegen 8:30 Uhr zum Frühstück. Meine Truppe war schon vollständig anwesend und hatte wie ein Heuschreckenschwarm alles abgeäst. Verhungert bin ich aber trotzdem nicht. Vier unserer Mädels machten noch eine Elefanten-Interaktion mit. Sie kamen absolut euphorisiert zurück und schwärmten von dieser Erfahrung. Im Fluss frühstückende Elefanten waren vor unserer Abfahrt eine beruhigende Augenkur und wir konnten von diesem Schauspiel gar nicht genug bekommen. Allerdings drängte Tatjana auf die Abreise. Um Punkt 10 Uhr ging es weiter. Vor Bulawayo kamen wir an einer Mautstation vorbei. Die Mitarbeiterin wollte unsere erworbene Mautbescheinigung nicht akzeptieren und ließ uns nur durch Chris entschlossenen Einsatz ohne erneute Gebühr weiterfahren. Gegen 12 Uhr waren wir in Bulawayo und stoppten an einem Supermarkt. Die Stadt hat immerhin eine Bevölkerung von über 650.000 und ist die Hauptstadt der Provinz Matabeleland Nord. An unserem zweiten Polizeistopp hatte der Polizist kein Einsehen mit uns und reklamierte erstaunlicherweise unseren Voucher, der in diesem Gebiet nicht gelten würde. Chris war außer sich. Der wichtige Schutzmann, noch imposanter mit einem tollem Hut, nahm ihm 20 USD ab. Auf dem Strafzettel stand von dem eigentlichen Verstoß nichts. Da las man nur, dass wir gegen Regierungsvorschriften verstoßen hatten. Der Polizist hatte Chris mit Brother angesprochen. Das brachte ihn so richtig auf die Palme. Die Polizeikontrolle zwei! Kilometer weiter ließ uns ohne Anhalten passieren. Ein Abzweig gab es zwischendurch nicht. Irgendwann lachte unser Chris dann aber wieder und gegen 14 Uhr sind wir an unserer "Farm-House-Matopos" Lodge angekommen. Im Livingroom wies ein Schild darauf hin, keine Lebensmittel offen herum liegen zu lassen. Der Affen wegen. Am Haus ging direkt ein Pfad steil auf einen der Felsen hoch, die diese Gegend berühmt gemacht hatten. Nachdem ich wieder mal alles sortiert hatte, wanderte ich den Weg nach oben. Die Landschaft besteht aus Hunderten kleiner Hügel, die auch Kopjes genannt werden. Manche sehen aus, als würden sie balancieren, mal auf der Erde, oftmals auf einem anderen Fels. Mit meiner Phantasie gelang es mir oft, in den Felsen alle möglichen Dinge zu sehen. Felsbrocken in jeder Größe, vom Hochhaus bis zum Kleinwagen, türmten sich hier auf. Sie waren von Flechten und Bakterien bevölkert, die wunderbare Farben in verschiedensten Rot-, Gelb- und Grüntönen produzierten. Aber nicht nur die Felsen waren bunt. Hier wuselten auch bunte Eidechsen umher. Waren sie farbig, handelte es sich um Männchen, waren sie Beigebraun handelte es sich um Weibchen. Wären die lästigen Fliegen nicht gewesen, die einen hier zu Hunderten umschwirrten und gerne in den Gehörgang flogen, wäre dies ein echter Kraftplatz für einen Schamanen. Von oben konnte ich beobachten, wie Tatjana, Birgit und Maja von einem Reitausflug wiederkamen und die Pferde an der Lodge abgaben. Sechs aus unserer Truppe gingen irgendwann wieder nach unten und ich war zum Sonnenuntergang alleine und fand es hier ausnehmend schön. Ehe die Sonne ganz unterging beging ich den Abstieg. Im Dunkeln hätte ich keine Chance gehabt den Weg zu finden. Um 19 Uhr gab es Abendessen. Wieder mal, wie in fast allen Unterkünften in Zimbabwe, waren wir die einzigen Gäste. Seit 2012 entwickelt sich der Tourismus erst wieder ganz allmählich. Schade eigentlich, das Land hat mehr Devisen verdient. Es gab heute Einheitsessen für alle. Eine Süßmaissuppe kam zuerst, dann eine Portion Fleisch mit Kartoffeln und Gemüse. Der Nachtisch war eine Creme mit Bananen. Da ich einen Korkenzieher dabei hatte, wurde ich von meinen Nachbarinnen zur Rechten auf die Terrasse eingeladen und trank ein Glas Rotwein mit. Gegen 22:30 Uhr löschte ich das Licht. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, in meinem Haus.

 

Freitag, der 11. September 2015

Der Morgen begann wolkenlos. Pferde zogen grasend durch das Gelände. Alleine das beruhigt ja schon den Geist. Aber auch so war eine tolle Grundstimmung auf der Lodge. Ich setzte mich mit zwei Glas Tee, um den Teebeutel bis auf das letzte Teeblatt auszunutzen, auf meine Veranda und genoss den beginnenden Tag. Ein paar wenige vorbeifahrende Wagen auf der nahen Straße durchbrachen ab und an die Ruhe. Nach dem Frühstück holte uns John mit einem offenen Safarifahrzeug ab, um zum Nashornreservat vom Matopos National Park zu fahren. Der Park ist ca. 3.000 km² groß, davon standen bei unserem Besuch 400 km² den zwei Nashorngattungen Spitzmaul und Breitmaul zur Verfügung. Die Fahrt dorthin genossen wir alle. Ein kühler Wind umwehte unsere Nasen. Wir sind noch keine drei Minuten auf der Pirsch gewesen, als sich uns drei Breitmaulnashörner zeigten. John war über unser Glück sehr erstaunt. Wir folgten ihnen ein Stück zu Fuß. Wieder im Wagen sichteten wir fünf Minuten später einen einzelnen Bullen. Jetzt fragte uns John, was wir denn zum Frühstück gehabt hätten? Soviel Glück wäre nur wenigen Menschen beschieden. Nach diesem tollen, spannenden Wildlife-Erlebnis ging es nun tief in den Matopos National Park rein. Wir fuhren zum Grab von Cecil John Rhodes, der auf dem World´s View genannten Granitfelsen seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Margreth blieb als Einzige im Wagen, da sie befürchtete, den Weg nicht zu schaffen. Welch ein Irrtum, es ging nur sehr moderat auf blankem Fels hoch. Man konnte von hier oben kilometerweit in die Ferne schauen. Dieser Felsen gehört heute noch dem Stamm der Ndebele, der für sie heiliger Boden ist. Sie gaben die Erlaubnis, dass der Namenspatron Rhodesiens hier seine Ruhestätte bekam. Obwohl Herr Rhodes für seinen Reichtum alles tat, gegen Menschen Krieg führte und von der englischen Krone Unterstützung auch durch Betrug abschwatzte, wurde und wird er von der schwarzen Bevölkerung verehrt. Die Geschichte dieses Mannes ist übrigens wirklich hochinteressant und ich kann eine Recherche nur empfehlen. Nachdem wir uns die Grabstellen von Rhodes und seinem Adjutanten Dr. Jameson angeschaut hatten, gab es noch ein Gruppenfoto auf einem attraktivem Felsen. Wieder ging es weiter und am Malene Dam machten wir gegen 12:15 Uhr unsere Mittagspause. In unmittelbarer Nachbarschaft eines ausgewachsenen Krokodils. John zündete an einer Grillstelle Kohlen an, während wir entweder zur Staumauer wanderten, oder uns anderweitig beschäftigten. Das Weichbrötchen mit der frisch gegrillten Boerewors, Zwiebeln und der Sweet-Chilli Sauce war einfach nur lecker. Kurz bevor wir wegfuhren, hatte eine aus unserer Truppe einen großen Auftritt. Sie brachte, in ein Taschentuch gewickelt, ein Tierchen an, welches wir unbedingt fotografieren sollten, da sie so ein Tier noch nie gesehen hatte. Das arme Eichhörnchenbaby wusste gar nicht wie ihm geschah und hüpfte direkt mal aus der Hand raus unter den Wagen. Tatjana brachte das verängstigte Tier auf die Toilette, den Fundort, zurück. Wir fuhren noch ein Stück weiter, ehe wir wieder ausstiegen und zur Ngwatuci Höhle gingen. Margreth ging ein Stück mit. Was mich jetzt verwunderte. Diese Anfangssequenz war härter, als der gesamte Anstieg zum World´s View. In der Höhle befinden sich beeindruckende Felsmalereien der San, die hier schon vor 2000 Jahren gelebt haben. John erklärte uns, man könnte hier den ganzen Tag verbringen und durch den Schattenwurf der Sonne immer wieder neue Zeichnungen entdecken. Dies bewies er uns eindrücklich, indem er an einer Stelle, an der nur der nackte Fels zu sehen war, die Hand vorhielt und wie durch ein Wunder kam im Schatten eine gemalte Menschengestalt zum Vorschein. Beeindruckend. Schätzungen gehen von 3.000 solcher "Ateliers" im Nationalpark aus. Dann fuhren wir zu einem Verkaufsstand am Nationalparkeingang. Um diesen Stopp hatte natürlich Christine gebeten. Wer sonst? Das Wetter war heute schlicht und einfach als perfekt zu bezeichnen. Für uns Europäer mit 35° C. ein sonniger Wunschtag. Durch die Trockenheit war die hohe Temperatur gut auszuhalten. Es ging zur Farm House Lodge zurück und ich vertrödelte den restlichen Nachmittag. Jana und Eva hatte den Warnhinweis bezüglich der herumlaufenden Affen nicht gelesen und wurden bitter bestraft. Durch das Küchenfenster hatte sich ein Affe Zugang geschaffen und hatte sich durch herumliegende Lebensmittel gewühlt. Um 19 Uhr wurde für uns ein Braai unter freiem Himmel hergerichtet. Es war ein toller Abend und in meiner Ecke, mit Chris, Jana, Christine, Bettina und meiner Wenigkeit, wurde viel gelacht. Einer der Angestellten machte mit meiner Kamera ein Gruppenfoto. Es gab Salate, Grillfleisch und Boerewors, natürlich. Zum Nachtisch ein Käsekuchen. Herz, was will man mehr? Die ganze Truppe löste sich recht früh auf, auch weil es jetzt kühl wurde. Ich persönlich fand es sehr angenehm.


Samstag, der 12. September 2015

Ein stürmischer Wind hatte über Nacht Wolken mitgebracht. Diese brachten eine angenehme Kühlung mit. Frühstück wurde bereits um 6:45 Uhr serviert. Um 7:30 Uhr fuhren wir schon ab. Chris traf seinen "Brother" Sergeant Gumbe wieder. Chris fragte nach seinem Namen, da er mit ihm noch nicht fertig war. Diesmal kamen wir ungeschoren davon. In der zweitgrößten Stadt von Zimbabwe, in Bulavayo, gab es mehrere Stopps. An einem Supermarkt, an einer Bank und an der Hauptpost, an der ich meine Postkarten einwerfen konnte. Die ersten trudelten ziemlich genau einen Monat später bei den ersten Adressaten auf. Meine Kontrollkarte, diesmal ein Luftpostbrief, kam am 15. Oktober bei mir an. Mehrere Polizeikontrollen passierten wir ohne Stopp. So würden wir nie auf den Rekord von 38 Stopps kommen, die Tatjana schon auf einer ihrer Reisen erlebt hatte. Es kam mir vor, als ob die Menschen hier noch dunkler waren, wenn das überhaupt noch ging. Die Gegend wurde wieder menschenleerer und der Seitenstreifen sauberer. Es gab regelrecht gut gepflegte Felder. Wir sahen sogar einen grünen Acker. Nach all den vertrockneten, beigefarbenen Weiten war das sehr auffällig. Am Straßenrand wurden Karotten angeboten. Dies zeigte die neueste Ernte an. Aus den Lautsprechern unseres Sprinters ertönte afrikanische Musik. Diese fröhlichen Töne veranlassten die Wolken wohl dazu sich zu verziehen. Der Straßenzustand war für simbabwische Verhältnisse recht gut. So kamen wir gut voran. Bis zur Polizeikontrolle, genau 168 Kilometer hinter Bulavayo und zwei Kilometer vor Pan. Ein Offizier im Chelsea Trikot! machte auf sehr wichtig. Irgendwann kam er zu uns rein, ein wenig Smalltalk, wie wir das Land finden, wie uns alles gefällt usw. und wir konnten weiterfahren. Er gab Chris den Tipp langsam zu fahren, wegen den Straßenverhältnissen. Wirklich, wir sollten langsam fahren. Das war mal sehr nett, denn zwei Kilometer weiter war eine Geschwindigkeitskontrolle aufgebaut. Da Chris ja nicht das erste Mal in Simbabwe war, hielt er sich eh tunlichst genau an die Vorgaben. Was manchmal gar nicht so einfach ist, da Geschwindigkeitsanzeigen  auch gelten, wenn die Schilder auf der anderen Fahrbahn entgegen der Fahrtrichtung stehen. So langsam tauchten wieder einzelne Rondavels zwischen den Bäumen auf. Auffällig war, dass hier Zäune um die Häuser aufgestellt waren. Der nächste Polizeistopp verlief wieder anders als erwartet. Der freundliche Polizist wollte keine Driver License, keinen Feuerlöscher oder Warndreiecke sehen. Er wollte einfach nur eine Flasche Wasser. Chris gab sie gerne heraus. Um 12:45 Uhr erreichten wir unsere Hwange Safari Lodge, im gleichnamigen National Park. Das ist der, in dem dieses Jahr im August Cecil, das Löwenmaskottchen, von einem amerikanischen Zahnarzt aus Prestigegründen getötet wurde und eine Woche später ein anderer Löwe einen Ranger getötet hat. Im Oktober 2015 stellte die Staatsanwaltschaft in Simbabwe die Untersuchung gegen den Zahnarzt ein, da keine Verfehlungen nachgewiesen werden konnten. Das Hotel ist ein zweistöckiger, zweiflügeliger Beton-Komplex. In der Mitte steht eine Rotunde, in der die Rezeption, ein Shop, Aufenthaltsräume, eine Bar und das Restaurant untergebracht sind. Ich bestellte mir direkt einen Burger mit Fritten und ging nach dem Verzehr in die Nähe des Wasserlochs für wilde Tiere. Am kleinen, gekachelten Wasserloch suhlten sich ein paar unserer wilden Mädels und ich legte mich später auf eine Liege anbei. Um 15:30 Uhr trafen wir uns mit Bheki und Lazarus zur Safari in zwei offenen Fahrzeugen. Recht schnell sahen wir Elefanten, Gabelracken und sonstiges Geflügel, wie den Graulärmvogel und Tokos. Am eigentlichen Park-Camp, auch dieses ohne Zaun!, sahen wir Fruchtfledermäuse in einem Baum hängen. Dann ging es in den Park rein. Dieser ist fast 15.000 km² groß.  Wieder sahen wir Elefanten. Aber dann kam das Highlight schlechthin. Wir sichteten ein ganzes Rudel Löwen. Sie schliefen und waren nur als Schattierung wahrzunehmen. Hätten hier nicht schon Wagen gestanden, man hätte auch vorbeifahren können, ohne das Rudel zu entdecken. Ein Männchen, 5 Weibchen, seufz, und drei Junge lagen unter einem Baum. 40 bis 50 Meter trennten uns. Die Weibchen bewegten sich auf einen Hügel in der Nähe und man konnte tolle Fotos machen. Hier blieben wir recht lange. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir zu einem Wasserloch, um einen Snack zu uns zu nehmen, den die zwei Guides mitgebracht hatten. Eine 40 Tiere umfassende Elefantenherde bevölkerte das Ufer. Im Wasser, kaum auszumachen, lagen drei Flusspferde und am Ufer döste ein großes Krokodil. Die Sonne ging fotogen als riesengroßer Feuerball hinter einer Akazie unter. Eine zweite, allerdings kleinere Elefantenherde näherte sich dem Wasserloch. Wir fuhren, nun unter Zeitdruck, in die Nacht hinein. Ab und an tauchten Elefanten auf und vier Giraffen querten die Straße. Zurück in der Lodge hatten wir 30 Minuten, ehe wir uns zum Abendessen trafen. Im Speisesaal gab es tatsächlich etwas Exotisches. Touristen. Nicht viele, aber immerhin. Vor- und Nachspeisen waren vom Buffet, das Hauptgericht, bei mir ein Lammkotelette, musste man bestellen. Ich ging zwischendurch kurz zum Wasserloch, sah aber kein Tier. Wäre ich mal dageblieben. Denn zurück im Restaurant bestand die Bedienung darauf, dass ich für 2 Bier unterschreiben sollte. Das wollte ich aber nicht, da ich nur eins getrunken hatte. Es gab ein bisschen Hickhack, da auch andere Rechnungen nicht stimmten. Dann sollte ich für ein teureres Bier bezahlen, obwohl ich auch das nicht hatte. Als die dritte falsche Rechnung kam, habe ich zwar unterschrieben, aber kein Trinkgeld gegeben. Um 22 Uhr war in meiner Stube Ruhe eingekehrt.

 

Sonntag, der 13. September 2015

Gut gebrüllt, Löwe! Um 4:15 Uhr wurde ich wach. Vor meinem Fenster war das Gebrüll eines Löwen zu hören. Welch ein Sound, was für eine Lautstärke! Wir reden hier wirklich von ganz nah. Er war mit Sicherheit im Bereich des Wasserlochs. Fünf Minuten später war er schon etwas weiter weg. Gegen 5:45 Uhr saß ich auf einer Bank und guckte zum Wasserloch. Birgit und Jana waren auch schon da. Wir sahen lange nichts. Die Sonne ging auf und dann kam eine Herde Impalas. Kurz vor dem Ufer stoppten alle und nahmen dann entgegengesetzt Reißaus. Mindestens drei Afrikanische Wildhunde jagten das Rudel. Und das auf offenem Feld. Was waren wir Glücksritter! Ich sah dann noch zwei Tüpfelhyänen, ehe die Wildhunde zurückkamen und Wasser schlürften. Tatjana hatte für 6:45 Uhr Tee und Kaffee geordert, ehe wir um 7 Uhr einen Bushwalk unternahmen. Ich bat die 4 Ranger und Guides für ein Foto an eine wunderbar mit der Morgensonne beschienenen Wand. Jetzt passierte ein Phänomen, das regelmäßig wiederkehrte, wenn ich mit meiner Kamera irgendwo hin zielte. Plötzlich standen fünf bis sieben fotografierende Mitstreiter neben mir. Heute waren es noch mehr. Im Scherz fragte ich in die Runde, ob sie sich nicht auch mal eigene Motive suchen möchten. Ich gehörte zur Gruppe von Pakamisa und Bheki, Tatjana führte mit Lazarus und einem anderen Ranger die andere Gruppe. Wir trennten uns und sahen recht schnell Impalas. Gerd entdeckte einen Kapkauz, vielleicht 30 Meter von uns entfernt. Er sah aus wie ein Astwulst und war neben dem wirklichen Wulst fast nicht auszumachen. Sogar Bheki machte ein Foto. Die Spannung war zum Greifen, als wir weiterpirschten. Zwei Giraffen erahnten wir, einen Elefanten sahen wir aus nächster Nähe. Vielleicht sahen wir insgesamt nicht viel, aber das war völlig egal. Durch den Busch zu gehen ist einfach phantastisch. Gegen 10 Uhr waren wir rechtzeitig zurück. Wir bekamen alle noch Frühstück und machten uns dann fertig, damit Chris uns um 11 Uhr zur Wildhundpflegestation fahren konnte. Hier bekamen wir von Maria eine sehr eindrückliche Einweisung in das Leben eines Afrikanischen Wildhundes, der als eine der am Stärksten vom Aussterben bedrohten Tierart gilt. Das Leben und die Geschichte eines Hundes wurden anhand mehrerer Schautafeln erklärt. Dann ging es über einen 800 Meter langen Holzsteg, in vier Metern Höhe, durch das Gelände. Die arme Maja! Sie hatte Höhenangst. Ich bewunderte sie, dass sie sich, an Birgit festhaltend, tapfer durchkämpfte. Bei einer Krankenstation für den Afrikanischen Wildhund bekamen wir von Funwell, dem Manager des Geländes, einen Exkurs in das Labor und die Arbeit vom Schutzprogramm. Das Hauptgebäude ist gänzlich aus dem Draht erbaut worden, der im Busch als Fallen ausgelegt war. Natürlich waren die Mauern verputzt, aber es war schon beeindruckend zu wissen, dass innen der Draht Fallen sind. Zurück in der Hwange Safari Lodge war wieder bis 15:30 Uhr Pause angesagt. Ich fotografierte ein wenig herum und aß ein Chicken-Sandwich. Fast pünktlich war Abfahrt. Wir saßen wie gestern in den Wagen. Gerd, Ursula, Margreth und ich oben auf dem Bock und Tatjana saß bei Lazarus vorne im Führerhaus. Der Rest verteilte sich auf den anderen Wagen mit Bheki als Fahrer. Am eigentlichen Main Gate sahen wir ein Baumhörnchen, dann eine Zwergmanguste und Natalfrankoline. Im Park fingen wir erstmal mit Vögeln an. Da konnte die Ursula ihrem Gerd eine Freude machen. Die Liste ist wirklich interessant. Tocos wurden gesichtet und eine Strichelracke. Elsternwürger, Waffenkibitze, Kronenkibitze, Mahaliweber, Rotbauchwürger, ein junger Kampfadler und Graulärmvögel zeigten sich uns. Lazarus wunderte sich, dass wir für die meisten Vögel stoppen wollten. Das kannte er so vielleicht noch nicht, wo doch Elefanten, Löwen und Afrikanische Wildhunde die Attraktionen im Park darstellen. Er selber bremste später mal kurz, stieg aus und sammelte etwas vom Boden auf. Wieder zurück, erzählte er die Geschichte, als es dem Land sehr schlecht ging, um 2008, brachte er seiner ehemaligen Schule in seiner Heimatstadt Masvingo Hyänendung als Kreideersatz mit. Und dann hielt er ein Stück kalkweißen Dung hoch. Knochentrocken und steinhart. Wahrlich als Kreide zu benutzen. Ich schenkte das Stück unserer Sammlerin Christine. Wir wussten, dass in der Nähe vom Wasserloch, an dem wir Gestern pausiert hatten, ein Rudel Löwen sein sollte. An fast allen Elefanten ging es vorbei bis zur beschriebenen Stelle. Und siehe da, da waren sie. Sie waren zwar zu erkennen, aber sehr weit weg. Es wird das Rudel von Gestern gewesen sein. Wir guckten ein bisschen in die Richtung der Löwen und fuhren dann zum Wasserloch mit Aussichtsturm, an dem wir gestern auch schon pausiert hatten. Gemächlich lagen zwei Krokodile am Wasser und warteten friedlich auf Beute. Eine Herde Elefanten trank ausgiebig und langsam näherten sich Zebras. Was für eine Idylle. Lazarus zeigte auf eine Herde Impalas und meinte, alle würden in eine Richtung gucken. Dann sagte er, hinten im Wald passiert gleich was! Interessant was er alles ohne Brille und Fernglas sah. Ich selber sah dies alles nur durch meine 400er Brennweite. Was ab jetzt kam ist an Spannung aber fast nicht mehr zu überbieten gewesen. Auf einmal sprangen die Impalas am Waldrand entlang, während Wasserböcke recht ruhig Richtung Wasserloch gingen. Dann sah man einen Afrikanischen Wildhund hinter den Impalas herjagen. Er drehte nach einiger Zeit in Richtung Wasserloch ab und griff plötzlich die Wasserböcke an. Alleine wohlgemerkt! War er aber gar nicht. Plötzlich tauchten noch 5 andere Rudelmitglieder auf. Einer nach dem anderen ließ sich blicken. Jetzt wurde es einem Flusspferd zu bunt und es ging aus dem Wasser, um die Afrikanischen Wildhunde seinerseits zu vertreiben. Die Wildhunde aber versuchten jetzt das Flusspferd einzukreisen. Margreth, in ihrer netten Art, meinte nur, dass sie sicher ist, dass die Afrikanischen Wildhunde nur spielen wollen. Na klar! Die Wasserböcke ihrerseits hatten jetzt Ruhe und gingen an eine andere Seite vom Wasserloch. Wo plötzlich nur noch ein Krokodil lag. Im Hintergrund warteten zwei Schakale auf Frischfleisch. Wer ihnen das Wild erlegen würde, war ihnen herzlichst egal. Mit gewaltiger Wucht rannte plötzlich ein Elefant wutentbrannt auf das Wasserloch zu. Dadurch beruhigte sich die Situation aber nur etwas. Auf ihrem exponiertem Hügel sahen die ganze Zeit die Löwen interessiert zu und warteten ihrerseits darauf, den Afrikanischen Wildhunden die Beute abzunehmen. Leider endete hier unser Aufenthalt am Wasserloch, da die zwei Fahrer pünktlich um 18:30 Uhr am Main Gate sein mussten. An das Privatfernsehen werde ich die Story auch nicht verkaufen können, da kein Blut geflossen ist. Aber was für eine actionreiche Show! Immerhin habe ich an einem Tag 2 Rudel Afrikanische Wildhunde beim Jagen zuschauen dürfen. Was für ein Privileg. Zwei Tage hintereinander ein Löwenrudel zu sichten ist auch nicht jedem Safarireisenden vergönnt. Drei Minuten vor Ultimo waren wir am Gate und fuhren dann zügig zur Lodge zurück. Es wurde draußen Buffet gereicht. Ein sehr junger Elefant verirrte sich in die Anlage. Seine Familienmitglieder waren auf der anderen Seite vom Zaun und dort recht nervös. Ab und an kam die Tröte. Aus wenigen Metern ist dies recht imposant. Durch die Nähe konnte man die Sippe riechen. Gemeinsam schrieben wir Karin eine Genesungskarte, ehe wir uns auf die Zimmer verteilten. Ich packte meinen Überlebensrucksack für morgen, sowie mein Hauptgepäck und gegen 22:30 Uhr war ich dann im Bett. Was für ein Tag!


Montag, der 14. September 2015

Kann ein Tag besser beginnen, als wenn im Hintergrund eine friedliche Elefantenherde langsam vom Wasserloch weg zwischen den Bäumen verschwindet? Eine angenehme Brise wehte und die Sonne ging langsam auf. Ich wurde gegen 5:50 Uhr wach und begann duschend meinen Tag. Die Mädels meinten am Frühstückstisch, dass die Männer ja immer jammern würden. Auffällig war aber mal wieder, dass nur die Frauen, bis auf Ursula, über die Kälte schimpften und in dicken Jacken auf der Außenanlage am Tisch saßen. Um 7:30 Uhr waren wir wieder auf der Piste. Ganze Horden Schulkinder gingen an der Straße entlang. In ihren Uniformen sahen sie nett aus. Das Mugabe-Regime schickt die Kinder wenigstens in die Schule. Das scheint noch halbwegs zu klappen. Ein Esel blieb auf unserer Fahrspur stehen und guckte uns mit großen Augen an, als Chris den Wagen Zentimeter vor ihm zum Stehen brachte. Ein einziger Polizeistopp am Morgen war ja mal angenehm. Es gab mehrere Fotostopps an Verkehrsschildern, einem Gehege mit dunklen Rappenantilopen und den helleren Pferdeantilopen. Sind Rappen nicht Schwarz und Pferde? Auf schnurgerader Straße stoppten wir ca. 70 - 80 Kilometer vor unserem nächsten Aufenthaltsort Victoria Falls, um endlich mal Rondavels in Ruhe zu fotografieren, statt immer nur aus dem fahrendem Bus mit den ruckeligen Straßenverhältnissen. Die nächste Polizeikontrolle war dann wieder 20 USD wert. Ein elektrischer Kontakt zwischen Trailer und Bus hatte sich verschoben. Das Bußgeld war dann berechtigt, da dadurch ein Bremslicht ausgefallen war. Jetzt ging es in den Ort Vicfalls rein, das ist die gebräuchliche Abkürzung für Victoria Falls, wo wir in der Shearwater Agency unsere Hubschrauberflüge bezahlten und Tatjana offene Fragen bezüglich der bevorstehenden Kanutour abklärte. Wir wurden an einem Einkaufszentrum mit offenem Markt abgeladen und uns selbst überlassen. War das hier nervig. Die Gänge waren recht eng zusammengestellt und mit allem möglichen Kunsthandwerktinnef bestückt. Alle fünf Meter wurde man angequatscht, ob man 50 Billionenscheine kaufen wollte, oder irgendwelche Flusspferde aus Stein, oder geschnitzt. Ab dem zehnten Verkäufer wurde es unangenehm. Im überdachten Einkaufszentrum war die Atmosphäre schon wesentlich angenehmer. Ich betrat einen Laden, der sehr viel Steinkunst anbot. Hier gefiel es mir. Dann trank ich einen wirklich ausgezeichneten Cappuccino in einem Cafe und gab Eva und Birgit auch einen aus. In einem Musikstore erwarb ich eine "Best of" CD von Oliver Mtukudzi. Diesen Künstler hatte Tatjana uns während einer Busfahrt näher gebracht. Wir fuhren dann zur Victoria Fall Brücke. Zwei Tage vorher, am 12.09.2015 feierte die Brücke ihren 110. Geburtstag. Hierüber läuft die einzige Bahnverbindung zwischen Sambia und Simbabwe und nur eine von drei Straßen zwischen beiden Ländern. Wir verließen also Simbabwe und befanden uns auf Niemandsland. Auf der Brücke gab es einen Bungee Jumping Platz. 112 Meter, ist das nicht der Notruf?, ging es in die Tiefe. Dann betrat ich den Boden von Sambia. Ich habe mal auf einen Kniefall und einen Kuss verzichtet, auch reichte dies nicht, um ein Fähnchen in meine Weltkarte mit den besuchten Ländern hineinzurammen. Wieder zurück ließ man uns anstandslos wieder nach Simbabwe rein. In Vicfalls aß ich in einem Chicken Inn, mit dem Motto: "Luv da chicken", einen Burger. Dies war ein klarer Reinfall. Um 14 Uhr wurden wir von Jeffrey abgeholt und auf einen großen, offenen Geländewagen gepackt. Zwei Stunden fuhren wir durch den 23 km² großen Victoriafalls Nationalpark bis zu unserem Endpunkt. Während der Fahrt sahen wir natürlich Impalas, Elefanten und Giraffen. Wir bekamen eine Einweisung ins Paddeln und in Sicherheitsvorkehrungen, falls uns mal ein Hippo angreift oder ein Kroko uns zum Fressen gern haben sollte. Danach wurden die Boote eingeteilt. Tatjana und ich wurden in ein Boot gesetzt. Dann ging es los. Was für ein Erlebnis. Allerdings auch ein Abenteuer. Sechs Flusspferde fühlten sich gestört und starteten einen Angriff. Unsere vier erfahrenen Begleiter wurden ziemlich nervös und befahlen uns in Ufernähe. Jana und Eva bekamen anfangs dies gar nicht mit, waren dann aber recht fix bei uns. Hier lag, ein Drehbuch hätte es nicht besser schreiben können, ein kleines Krokodil am Ufer, welches sich langsam in den Sambesi gleiten ließ. Ich frage mich heute noch, welche Alternative mir lieber wäre. Wir haben es aber doch alle überlebt und nach 1,5 Stunden Hüftschmerzen war ich völlig platt. Wir kamen am Zeltlager an und bekamen die Zelte zugeteilt. Was für eine Romantik. Die Sonne ging unter und wir waren froh, unsere Zelte noch im Hellen zu sehen. Hier war alles etwas rustikal. Das Waschbecken war ein Metallgestell neben den Zelt, indem eine wasserdichte Zeltstofftasche als Waschbecken fungierte. Die Toilettenkonstruktion erspare ich dem geneigten Leser. Wir trafen uns am Lagerfeuer und genossen einen ersten Drink. Gegen 19 Uhr rief man uns zum Dinner unter einem Milliarden zählenden Sternenhimmel. Welch ein unvergesslicher Augenblick. Nach dem Abendessen umzingelten wir alle auf Campingstühlen mit Paul und Cheaper das Lagerfeuer. Welch ein unvergesslicher Augenblick. Kurz vor 22 Uhr kehrte dann Ruhe im Lager ein.

 

Dienstag, der 15. September 2015

Um kurz vor 4 Uhr drückte die Natur, oder war es der südafrikanische Chenin Blanc, und ich ging neben das Zelt. Viel weiter wegzugehen war wegen der wilden Tiere nicht ratsam. Aber der Zeltstoff war ja wasserdicht, wie beim Waschbecken bewiesen. Danach schlief ich so gut wie nicht mehr ein. Um 6:15 Uhr kam Leben in das Zeltlager. Die Sonne ging wunderschön auf sambischer Seite hoch. Mit Blick auf den Fluss war das mit nichts zu überbieten. Welch ein unvergesslicher Augenblick. Nach dem Frühstück machten sich die Paddler dann auf, um mit dem Großraumtransporter zu unserem Ausgangspunkt zu fahren. Erst wollte ich kneifen, entschied mich dann aber um und fuhr doch mit. Ein Rudel Löwen wurde von Eva und Gerd entdeckt. Wir waren Neun, plus drei Guides, die die Boote bestiegen. Ich saß bei Tendai im Boot. Was für ein Tag, was für ein Gefühl. Wir wichen relativ vielen Flusspferden aus und der Wind kam heftig von vorn, Stromschnellen mussten auch durchpaddelt werden, diese waren aber in der Kategorie "Phantasialand Wildwasserbahn" zu klassifizieren. An einer Insel wurde gestoppt und ich sprang in den Sambesi River und schwamm ein wenig. Tshipa hatte die Stelle freigegeben. Die Zeit verging wie im Flug. Unser zweiter Stopp war um 11:30 Uhr und wir hatten nur noch eine halbe Stunde Paddelstrecke. Hier waren zwei Flusspferde nicht weit. Sie lagen aber friedlich auf der Stelle. Auf dem weiteren Weg gab es eine Begegnung mit einem Goliathreiher. Was ein toller Anblick. Auch Ibisse und ein Hammervogel wurden gesichtet. Die Paddeltour hatte mich echt geschlaucht. Vielleicht wegen dem Schlauchboot? Ich war nach der Paddelei fix und fertig. Alle Mitstreiter bestätigten mir, dass Tendai sich heute einen gemütlichen Tag gemacht hatte. Als ich zum Ende hin aber ab und an auch mal die Arme hängen ließ, konnte ich auf ihn zählen. Wir warteten noch ca. 30 Minuten auf den Rest unserer Truppe, die für sich entschieden hatten, nicht mit auf den Sambesi zu gehen. Als sie eintrafen, bekamen wir Hamburger zum selbst belegen. Obwohl der Käse und das Fleisch kalt waren, war das der beste Hamburger ever gewesen. Wieder bestiegen wir den Transporter und wurden bis zur A`Zambezi River Lodge gefahren. Tatjana hatte im Vorfeld schon gesagt, dass sie eine Überraschung für uns in der Lodge hätte. Mit dem was dann kam, hatte ich nicht gerechnet. Hier wartete ein Gänsehautmoment auf uns. Karin stand plötzlich auf Krücken in ihrer Terrassentür. Was für ein emotionaler Moment. In Harare war sie operiert worden und wollte nun mit uns zurückfliegen, da die Versicherung eine Umbuchung nicht übernommen hätte. Wir ließen sie direkt wieder alleine, da Chris uns zum Eingang der Viktoriafälle fuhr. Mehluli, ein Mitarbeiter der Shearwater Agentur, gab uns eine Einführung in die Geschichte der Wasserfälle. Dann lustwandelten wir alle im eigenen Tempo 16 Stationen ab, von denen man immer einen beeindruckenden Blick auf herabstürzendes Wasser hatte. Vom letzten Punkt konnte man die Victoria Bridge sehen, auf der wir gestern noch gewandelt sind. Als wir alle wieder im Bus waren, fuhr uns Chris zu einem (angeblich) 1500 Jahre alten Affenbrotbaum. Hier gab ich einer Touristin meine Kamera, damit sie ein Tourfoto für Absolut Tours machen durfte.

Wieder zurück in der Lodge bezogen wir unsere Zimmer. Knapp 1,5 Stunden mussten für Dusche, Koffer packen und Tagebuch schreiben reichen. Puh. Um 19 Uhr trafen wir uns dann zu unserem Abschlussessen. Man konnte auch á la Karte essen, ich nahm allerdings vom reichhaltigen Buffet. Vier Maki-Sushi und etwas Kartoffelsalat wanderten auf meinen Teller. Aber dann! Ich bekam gebratenes Krokodil- und Warzenschweinfleisch, beides war wirklich sehr lecker. Das Warzenschwein war eine kulinarische Entdeckung. Sehr zartes, schmackhaftes Fleisch. Ein Trio mit Xylophon spielte "meinen" Song "the lion sleeps tonight". Seit Chris diesen am ersten Tag gepfiffen hatte, bekam ich ihn nicht mehr aus meinen Kopf. Die Gruppe konnte ihn irgendwann nicht mehr hören. Dann kam der offizielle Teil. Bettina ließ unseren Urlaub nochmals Revue passieren. Bewundernswert, was sie sich alles gemerkt hat. Hätte ich mein Tagebuch nicht geführt, wäre ich bei der Fülle an Abenteuern und Erlebnissen chancenlos gewesen, diese in der richtigen Reihenfolge und bestimmt nicht komplett, aufzusagen. Dann wurden Tatjana und Chris ihre Umschläge mit Bakshish überreicht. Das hatten die zwei sich redlich verdient. Christine überreichte Tatjana ein Bouquet mit gesammelten Fundstücken und eine Urkunde zum bestandenen "Nilpferdchen". Diese Wortkreation kam von mir und spielte darauf an, dass Christine unserer Jana im Pool vom Inn on the Vumba das Seepferdchen abgenommen hat. Was sie im echten Leben wohl tatsächlich verteilen darf. Und Tatjana hat ja ganz toll den Sambesi durchpaddelt. Also ein bisschen. Zum krönenden Abschluss trank ich mit vier unserer Mädels noch einen Amarula.

 

Mittwoch, der 16. September 2016

Um 5 Uhr stand ich auf. Gegen 5:45 war ich frisch rasiert. Gestern hatte ich im Zeltcamp ja keinen Rasierer dabei. Ich stand am Sambesi und genoss den Sonnenaufgang. Der Fluss war spiegelglatt und es herrschte eine traumhafte Stimmung. Wasservögel erhoben sich ab und an und im Hintergrund hörte ich ein Flusspferd. In diesem Augenblick flutete sich mein Körper mit Wehmut. Ich wurde wohl vom Afrikavirus heimgesucht. Ganz gemütlich nahm ich um 6:30 Uhr das Abschiedsfrühstück ganz alleine zu mir. Das erste Mal in diesem Urlaub trank ich morgens einen Kaffee, aß zwei Scheiben Toast und etwas Obst. Immer noch genoss ich die Ruhe. Am Tisch lag ein geschnitzter Holzdolch. Wie gesagt: lag. Mein einziges Mitbringsel von diesem Urlaub, vom Safarihemd aus dem Krüger Nationalpark mal abgesehen. Um 8:45 Uhr wurden Martina, Eva, Birgit, Maja und ich von einem Shuttle Taxi abgeholt und zum 1,8 Kilometer entfernten Heliport gebracht. Gabi, Klaus und Margreth waren schon da und warteten auf ihren kurzen Hubschrauberflug. Wir hatten mit dem 25 minütigen Rundflug den langen gebucht. Es ging über die Wasserfälle  und danach über den Nationalpark. Wow, war das klasse. Natürlich gab es eine tolle Sicht, während ich mir sicher war auf der falschen Seite zu sitzen, da ich vom Sambesi nicht viel sah und starke Spiegelungen hatte. Das Gras ist auf der anderen Seite immer Grüner. Nach diesem letzten Highlight wurden wir wieder in die Lodge zurückgefahren. Um 10:30 Uhr gab es noch ein Fotoshooting mit Gruppe und Tourbus. Auf der Fahrt zum Flughafen zählten Maja und ich die gesammelten Nupsis. Laut Birgit ist das der Name für die Verschlusslaschen der Blechgetränkedosen. Wir kamen auf 225 Stück. Damit war unsere Gruppe Rekordhalter im Sammeln dieser Nupsis, die Tatjana in einer 2 Liter Getränkeflasche sammeln wollte, um diese Teile im Tausch gegen Geld dem Projekt zur Rettung der Afrikanischen Wildhunde zukommen zu lassen. Gewonnen hatten wir aber nicht bei den Polizeikontrollen. Ich schrieb schon als Endergebnis 28 in mein Diary, als wir doch noch von Kontrolle 29 gestoppt wurden. Nach 3726 Kilometern Reise wurden wir am Victoria Falls International Airport abgeladen. Eine Tanzgruppe "die wilden, schwarzen Jäger" die gestern auch schon im Hotel waren, tanzten uns den Abschiedstanz, stilecht mit Lendenschurz und Fellpuscheln an den Fußfesseln. Hier verabschiedeten wir uns alle voneinander. Dieser internationale Flughafen hatte zwei Schalter. Einen für British Airways und einen für South African Airlines. 19, 5 Kilo wog mein Hauptgepäck und 12 Kilo mein Fotorucksack. So zeigte es zumindest die analoge Waage an. An der Passkontrolle saß ein typischer Beamter. Ich persönlich hatte noch Glück, aber das Ehepaar hinter mir ist nicht rechts am Absperrband vorbei, sondern links. Ich vorher auch. Die zwei wurden aber zurückbeordert und mussten rechts vorbei. Welch ein Blödsinn! Weit und breit war niemand anderes als wir vier Personen hier und der Zollbeamte saß auch noch zur linken Seite. Eine Lounge, auch wenn sie angezeigt wurde, gab es nicht und die winzige Wartehalle füllte sich so langsam. Bei uns in Germany würde man aus Sicherheitsgründen die Zone schließen. Ich hatte im Bar-Bereich noch einen Tisch ergattert und war sehr froh darüber. Nach einer Weile setzte sich ein britisches Ehepaar zu mir und wir klassifizierten zusammen aus meinen Bestimmungsbuch seine Vögel. Ich wollte erst Vögelbuch schreiben, aber das hätte man missverstehen können und diese Wortkreation gebührt dann eher der Ursula. Ein Mitarbeiter des Flughafens ging durch die Reihen und fragte alle Passagiere etwas. Als er bei mir war, verstand ich, dass er einen Passagier von South Africans Airline suchen würde. Ich meldete mich und er nahm mich mit zum Gate. Dann schickte er mich aus dem Gebäude und zeigte, wo unsere Maschine mit der Flugnummer SA 041 stand. Entspannt wie ich war, merkte ich erst jetzt, dass ich als letzter Passagier an Board kam. Ich hatte im Restaurantbereich keinen Aufruf gehört und war mir keiner Schuld bewusst. Wir kamen mit einer fünfminütigen Verspätung weg, ich bin mir aber sicher, dass ich nicht Schuld war. Hoffe ich. Neben mir saß ein redseliger Amerikaner, der von Victoria Falls nach Johannesburg flog, um dort einen Flieger nach Harare zu besteigen. Interessant, denn Harare ist die Hauptstadt von Simbabwe. Also geht vom Victoria Falls International Airport kein Flieger in die eigene Hauptstadt?! Um 15 Uhr landeten wir in Johannesburg. Nach der Passkontrolle, verbunden mit einem Transit-Stempel, kam man in eine große Shoppingmeile. In einem Laden sah ich ein geniales Oberhemd. Ich sprach zwei Flugbegleiter an und meinte, dass dieses Hemd auch von Nelson Mandela sein könnte. Sie lachten und meinten, dass dies die Presidential-Collection sei. Ich erkundigte mich nach dem Preis und floh schnellstens aus dem Laden, da mir 450 Euro für ein Oberhemd dann doch zuviel war. Ich relaxte ein wenig und ging dann diesmal rechtzeitig zum Check Inn. Im Flughafen befand sich ein Musicstore und ich kaufte für 12 USD eine CD von Manu Dibango. Ich bekam meinen Platz zugeteilt und wir bereiteten uns alle auf einen langen Flug vor. Da sage mal einer, ein Flug mit mir wäre langweilig. Der erste Kopfhörer war gebrochen, der zweite machte Pfeifgeräusche und der dritte hätte funktionieren können, wenn nicht die gesamte Audioanlage ausgefallen wäre. Man bekam diese technische Störung aber soweit in den Griff, da man alle Funktionen der Sitze, Klimaanlage und vom Audiosystem für 10 Minuten abschaltete. Das war für mich in genau dem Moment ungünstig, da ich meinen Kopf gerne in den Nacken gelegt hätte. Ich bekam nämlich aus dem Nichts kommend Nasenbluten. Nach dem Abendessen, gegen 21:30 Uhr legte ich mich hin und schlief eigentlich ganz gut.

 

Donnerstag, der 17. September 2015

Um 4:20 Uhr wurden wir auf Höhe Sardiniens geweckt. Mit dem restlichen Programm werde ich jetzt nicht weiter langweilen und beende hier die Aufzeichnungen von einem absolut begeisternden Urlaub. Außerdem hat Sardinien ja auch nichts mehr mit Afrika zu tun.